Christus wacht auch über den Lewenberchern in der Michaelskirche. Foto: Simon Granville

Beim zwölften ökumenischen Narrengottesdienst ist die Eltinger Michaelskirche bis auf den letzten Platz besetzt – der Lewenbercher-Nachwuchs wird aber vor der Kirche getauft.

Es ist ein äußerst seltenes Bild in einer Kirche und in der Eltinger Michaelskirche gibt es das auch nur einmal im Jahr, im Fasching, zum Narrengottesdienst, der hier mittlerweile zum 12. Mal gefeiert wird. Angeführt vom evangelischen Pfarrer Hannes Freitag und dem katholischen Pastoralreferenten Jürgen Oettel zieht das närrische Volk bestens gelaunt im Gänsemarsch zu den Klängen der Leo Valentinos durch die Kirche, auch wenn dieses Mal kein Konfetti geworfen werden darf – anders als im letzten Jahr, als dies ausnahmsweise zum närrischen Abschied von Pfarrer Dennis Müller erlaubt war. Der Reinigungsaufwand ist einfach zu groß.

 

Was haben Fasching und Kirche gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel? Aber das Credo der Leonberger Maskengruppe der Lewenbercher ist, dass sie mit dem Narrengottesdienst den Segen für die kommende Fastnachtszeit erbitten, voller Fröhlichkeit und guter Laune – denn auch im Glauben dürfe die Freude nicht zu kurz kommen.

Gleichnis wider den menschlichen Egoismus

Und so steht wie in den vergangenen Jahren wieder der katholische Pastoralreferent Jürgen Oettel in der närrischen Kirchenbütt, begleitet vom evangelischen Pfarrer Hannes Freitag aus Warmbronn, der seine Premiere im Narrengottesdienst feiert. Jürgen Oettel richtet seine Reime an einem biblischen Gleichnis wider den menschlichen Egoismus aus: „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?“ Es ist leicht, anderen guten Ratschläge zu geben, und selbst nur auf den eigenen Vorteil bedacht zu sein.

„Den eigenen Balken im Auge nimmt man gar nicht wahr. Erst die eigene Betroffenheit ändert alles“, so Oettel. Wichtig sei es, dem anderen zuzuhören, gemeinsam neue Wege zu gehen, Kompromisse zu suchen, auch wenn es Kraft koste. Das gelte auch für die Freiheit, die unsere Demokratie uns bietet, sie gelte es zu schützen vor jenen, die sie nur ausnutzen. „Erst wenn etwas fehlt, erkennen wir seinen Wert“, ergänzt Oettel.

Auf dem Kirchplatz dampfen die Würste im Kessel

Auf den Besucherbänken hat reichlich närrisches Volk in Maske und Häs Platz genommen, das den Gottesdienst lautstark mit Rasseln und Schellen begleitet, um gleich nach den Fürbitten weiterzuziehen auf den Kirchplatz, auf dem schon die Würste im Kessel dampfen, mit denen sich die Hästräger und Anwärter für das Maskenabstauben der Lewenbercher stärken können.

Haben sich auf den Masken Staub abgesetzt? Foto: Simon Granville

Bereits zum 22. Mal laden die zur Gesellschaft Engelberg gehörenden Lewenbercher in ihrem kuscheligen hellbraunen Fell, der dunkelbraunen Löwenmähne und dem Löwenkopf zu ihrem Saisonauftakt mit dem Maskenabstauben auf. Das närrische Jubiläum ist in diesem Jahr auf einem Spezial-Pin verewigt, den die Mitglieder tragen und der an Gastgesellschaften verteilt wird.

17 Männer und Frauen zählen die Lewenbercher

Zunftmeisterin und Gründungsmitglied Nici kann wieder neue Mitglieder in ihr 17 Männer und Frauen starkes Rudel aufnehmen, die 14 Jahre alte Sofia und den 15 Jahre alten Lars. Außerdem gibt es zwei neue Anwärter, die in ihre einjährige Probezeit starten und im nächsten Jahr getauft werden. Das Rudel der Lewenbercher ist bunt gemischt, die Mitglieder kommen unter anderem aus Leonberg, Weissach, Kornwestheim und Heimsheim.

So steht also in diesem Jahr vor dem johlenden Publikum auf dem Eltinger Kirchplatz nur eine kleine Jugend-Taufe an, wie die Zunftmeisterin es nennt, mit Mutproben, bei denen kein Alkohol im Spiel ist. Die Köchinnen des Löwenrudels haben dafür Grapefruit-Tomatensaft mit Sardellen vorbereitet, Möhrensaft mit Thunfisch und dazu Rosenkohllollis mit Schokolade und Wackelpudding mit Lakritz. Das ist gut zu schaffen und so bestehen die beiden Täuflinge die Probe auf Anhieb und Sofia bekommt zunächst einmal die Löwenmähne überreicht.

Ein 15-Jähriger ist schon zehn Jahre dabei

Erst wenn wirklich klar ist, dass ein Mitglied dauerhaft mitmachen will, wird es sich die teure hölzerne Holzmaske anschaffen. So wie Lars, der trotz seiner jungen Jahre schon seit zehn Jahren bei den Lewenberchern mitläuft und sich jetzt die echte hölzerne Löwenmaske redlich verdient hat.

Termine der Lewenbercher und des 1. Karnevalvereins Leonberg

9. Februar
um 11 Uhr Rathaussturm auf dem Leonberger Marktplatz

15. Februar
Kinderfasching von 14 bis 17 Uhr in der Steinturnhalle und anschließend ab 19.01 Uhr Le-O Party, ebenfalls in der Steinturnhalle.