Eine ausführliche Hinweistafel am westlichen Ende der Hindenburgstraße soll nachdenklich machen. Foto: Roberto Bulgrin

Lange wurde um den Namen der Esslinger Hindenburgstraße gestritten – inzwischen ist klar, dass es keine Umbenennung geben wird. Dafür hat die Stadt eine Hinweistafel aufgestellt, die die verhängnisvolle Rolle Paul von Hindenburgs in der Geschichte erläutert. Doch eine Tafel ist dem Kulturausschuss nicht genug – zwei weitere sollen folgen.

Esslingen - Monatelang schwelte in Esslingen der kommunalpolitische Streit, ob die Hindenburgstraße ihren Namen behalten oder umbenannt werden soll. Denn der Namensgeber Paul von Hindenburg gilt als Steigbügelhalter des Nationalsozialismus. Schließlich entschied der Gemeinderat im Juli 2018 nach kontroverser Debatte, dass es beim bisherigen Namen bleibt. Um eine dauerhafte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit anzuregen und die historischen Zusammenhänge kritisch zu beleuchten, ließ die Stadt jedoch am westlichen Ende der Hindenburgstraße eine Hinweistafel aufstellen. Darauf wird nicht nur die verhängnisvolle Rolle beleuchtet, die Hindenburg in der deutschen Geschichte gespielt hatte, sondern auch erläutert, weshalb sich die Stadt am Ende dennoch dazu entschlossen hatte, die Straße nicht anders zu benennen. Die Diskussion geht trotzdem weiter, weil vielen Ratsmitgliedern nur ein Hinweisschild für einen derart langen Straßenzug nicht genug ist. Nun hat der Kulturausschuss entschieden, noch zwei weitere Tafeln aufstellen zu lassen.

 

Für die Kulturverwaltung schien das Thema mit dem Hinweisschild am westlichen Ende der Hindenburgstraße eigentlich schon erledigt. Doch die SPD-Fraktion ließ nicht locker, hakte vor der Sommerpause nach und erinnerte an einen Beschluss vom vergangenen Dezember. Hinterher hatte die EZ damals notiert: „Ob die Hinweistafel an mehreren Stellen aufgestellt wird, soll der Kulturausschuss demnächst nochmals beraten.“ Weil die Sozialdemokraten mit ihrer Haltung nicht alleine waren und weil Grüne und Linke ohnehin lieber die große Lösung mit einer Umbenennung der Straße gesehen hätten, ließ die Kulturverwaltung nun zwei weitere Standorte für Hinweistafeln überprüfen – einen im nordöstlichen Kreuzungsbereich von Zimmerbach- und Hindenburgstraße und einen im südwestlichen Kreuzungsbereich von Friedrich-Ebert- und Hindenburgstraße. Beide sind nach Einschätzung der Stadt geeignet. Lediglich die Variante, am östlichen Ende der Hindenburgstraße eine Tafel aufzustellen, wurde wieder verworfen, weil dort die Fußgängerfrequenz und damit der Aufmerksamkeitswert zu gering ist.

Rund 2000 Euro hat die Hinweistafel am westlichen Ende der Hindenburgstraße gekostet, jede weitere Tafel soll ähnlich viel kosten. Doch das Geld ist nach Einschätzung von Marco Bertazzoni (Grüne) gut angelegt: „Die Diskussionen über die Umbenennung der Straße haben gezeigt, wie wichtig dieses Thema vielen Esslingern ist. Deshalb sollten wir drei Schilder aufstellen, sonst hätten wir uns die ganzen Diskussionen sparen können.“ Im übrigen behalten es sich die Grünen genau wie die Linken weiterhin vor, eine Umbenennung der Straße bei Gelegenheit wieder aufs Tapet zu bringen. Richard Kramartschik (SPD), der den Stein ins Rollen gebracht hatte, plädierte ebenfalls für zwei weitere Standorte: „Die Hindenburgstraße ist so lang – da brauchen wir drei Tafeln, um die Auseinandersetzung mit der Geschichte zu fördern. 2000 Euro hin oder her dürfen uns dafür nicht zu viel sein.“

Von der gegenüberliegenden Seite des Ratssaals wurde ebenfalls Zustimmung für zwei weitere Tafeln signalisiert. Eberhard Scharpf (Freie Wähler) sprach sich für zwei weitere Tafeln aus, Enrico Bertazzoni (CDU) ebenfalls – wobei er empfahl, die Tafel nicht an der Kreuzung mit der Zimmerbachstraße aufzustellen, sondern bis zur Herderschule vorzuziehen – ein Gedanke, der auch Eberhard Scharpf gefiel: „Das ist städtisches Gelände – da kann man die Tafel sicher ohne Probleme aufstellen.“ So gab’s am Ende ein klares Votum für zwei neue Standorte – allein Martin Auerbach (Linke) winkte ab, weil er das Thema lieber grundsätzlich anpacken und der Hindenburgstraße einen neuen Namen verpassen möchte. Kulturbürgermeister Yalcin Bayraktar nahm die Entscheidung positiv auf: „Wir können uns beide Standorte vorstellen.“ Dem Gedanken, eine der Tafeln zur Herderschule vorzuziehen, kann er einiges abgewinnen: „Ich würde mir wünschen, dass das auch die Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit der Geschichte fördert.“ Dass die zusätzlichen Schilder nicht im städtischen Haushalt eingeplant sind, soll kein Problem sein: „Die Kosten können durch eingesparte Mittel im Kulturbereich aufgebracht werden“, heißt es in der Sitzungsvorlage.