Ein Politikum wird doch noch hübsch. Auf dem frisch angelegten Platz schlagen Kirschbäume Wurzeln, Bänke laden zum Verweilen ein. Foto: Rüdiger Ott

Die eben erst aufgehübschte Straßenecke soll nach dem Willen der Lokalpolitiker den Namen tragen, den die Menschen längst benutzen.

Kaltental - Hin und wieder, heißt es, würden dort sogar Menschen sitzen. Nach allem, was man so befürchtet habe, sei die Straßenecke dann doch ganz hübsch geworden und lade zum Verweilen ein. So gut das eben geht an einer Hauptstraße. Die Rede ist vom Dreiecksplätzle in Kaltental, das zu früheren Zeiten ohne das „ie“ auch gern als Drecksplätzle bezeichnet wurde. Der Sommerregen hat die ersten zaghaften Kirschblüten schon wieder weggespült. Inzwischen sind auch die Blumen angelegt, schauen aber immer noch etwas verloren aus, wie sie da so büschelweise aus der braunen Erde lugen. Nach langem Hin und Her und trotz kritischer Stimmen wurde die Straßenecke Ende vergangenen Jahres endlich frisch gebaut. 150 000 Euro ließ sich die Stadt die Aktion kosten. Doch ein Name fehlt noch, zumindest ein offizieller.

Also sollten die Bürger Vorschläge einreichen. Bis Mai hatten sie dafür Zeit, nachdem ein erster Aufruf bereits im Sommer 2015 ergangen war. Und in der Sitzung am vergangenen Dienstag wollten sich die Mitglieder des für Kaltental zuständigen Bezirksbeirats Süd mit der Namensgebung beschäftigen und der Stadtverwaltung ihre Meinung kundtun. Passenderweise hatten sie dafür auch ihre Sitzung aus der fernen Innenstadt in den Bürgersaal an der Feldbergstraße auf der protestantischen Seite des Örtchens verlegt.

Groschengräble, Feinstaubplätzle oder doch Nonsens-Platz?

28 Vorschläge waren schließlich eingegangen, manche ernst gemeint, manche eher nicht. Klar war eigentlich schon vorher, dass es das Groschengräble oder das Feinstaubplätzle kaum in die Endauswahl schaffen würde, ebenso wie das Idiotenplätzle und der Nonsens-Platz. Interessanter waren da schon die Varianten rund um den Schlossbergplatz, wahlweise auch der Nesenbachplatz oder, ganz originell, das Dreieck überm Bach. Letztlich entschied eine kurz angesetzte Wahl per Gekritzel auf Spickzetteln, über welche Vorschläge denn nun eingehender diskutiert werden sollte. In die engere Wahl kamen der Heinz-Schwollius-Platz und, nach einer einjährigen Suche dann doch verwunderlich, das Dreiecksplätze höchst selbst.

Heinz Schwollius, das muss man wissen, hat Kaltental schon ziemlich geprägt. Vor einem Jahr im Alter von 85 Jahren gestorben, war er lange Zeit der Vorsitzende der örtlichen Bürgerinitiative. Seine Frau Waltraud sitzt für die CDU im Bezirksbeirat, und so waren es auch die Christdemokraten, die für Schwollius als Namenspatron eine Lanze zu brechen suchten. „Plätze werden in Stuttgart nach wichtigen Personen benannt“, sagte Roland Petri. „Und in Kaltental sollten wir diesen Schritt auch gehen.“

Schwollius habe sich unermüdlich für den Flecken eingesetzt, und auch das beharrliche Werben der CDU habe er stets zurückgewiesen. „Er sagte mir, er sei nicht für eine Partei da, sondern für Kaltental“, sagte Petri. Als letzter in einer ganzen Reihe an Erfolgen für den Ort habe es Schwollius gar geschafft, dem für seine notorische Knauserigkeit bekannten Finanzbürgermeister Michael Föll den Bürgersaal am Anna-Scheufele-Platz abzuschwatzen. 2009 wurde der Saal eröffnet.

Bürgersaal soll Heinz-Schwollius-Saal heißen

Feurig war die Rede zwar, sie verfing trotzdem nicht. „Wir wären sehr dafür, den Platz so zu nennen, wie er im Volksmund genannt wird“, sagte Ulrike Holch von der SPD. Unterstützung kam auch von der anderen Seite des politischen Spektrums. „Wenn die Kaltentaler den Namen schon gewählt haben, dann sollten wir ihn übernehmen“, sagte Ernst Udo Abzieher von der AfD. So sah das auch Christa Niemeier von den Grünen. „Der Volksmund hat recht.“ Letztlich entschied sich die Mehrheit dafür, den längst gebräuchlichen Namen auch offiziell zu machen.

Zwei Anregungen gaben die Lokalpolitiker der Verwaltung noch mit auf den Weg. Erstens solle sie sich nicht querstellen, weil im Amtsdeutsch eigentlich nur Platz für Platz ist, und nicht für Plätzle. Und zweitens schlugen sie vor, den Bürgersaal, in dem sie tagten, in Heinz-Schwollius-Saal umzubenennen. Nach der Sommerpause wollen sie einen entsprechenden Antrag formulieren.

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