Die neue Lidl-Filiale verbessert die Nahversorgung in Stuttgart-Dürrlewang. Foto: dpa

Im Jahr 2020 soll das neue Wohn- und Geschäftshaus in Stuttgart-Dürrlewang fertig werden. Der Discounter Lidl möchte im Erdgeschoss eine Filiale eröffnen. Die Stadt will damit die fußläufige Versorgung sichern.

Dürrlewang - Auf dem Gelände an der Osterbronnstraße 48-50 drehen sich die Kräne. Das alte Gebäude ist abgerissen, an seiner Stelle baut die Bietigheimer Wohnbau ein modernes Wohn- und Geschäftshaus. Im Erdgeschoss möchte der Discounter Lidl einziehen. Läuft alles nach Plan, sollen die Wohnungen im dritten Quartal 2020 bezugsfertig sein, sagt Sabrina Peer, Pressesprecherin der Bietigheimer Wohnbau. Der Lebensmittelladen könnte schon früher einziehen, denn das Erdgeschoss wird vor den Wohnungen darüber fertig gebaut sein. „Genaueres können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, es wird aber 2020 werden“, sagt Peer.

„Der Stadt war es ein großes Anliegen, nach der Schließung des kleinen Supermarktes ‚Nah und Gut’ einen adäquaten Ersatz zu schaffen. Dafür haben wir einen neuen Bebauungsplan für das Zentrum Osterbronnstraße in Dürrlewang erarbeitet“, teilt Ann-Kathrin Gehrung, Pressesprecherin der Stadt Stuttgart, mit. Der Supermarkt hatte im Sommer 2012 geschlossen, seither wünschen sich die Bürger einen Ersatz. Auch der Stadt ist daran gelegen, wieder ein Lebensmittelgeschäft nach Dürrlewang zu holen. Allerdings war von Anfang an kein typischer Discounter in einem einstöckigen Gebäude mit einem großen Parkplatz gewünscht. Stattdessen schwebte der Stadt ein mehrstöckiges Gebäude mit Ladenfläche im Erdgeschoss vor. Das setzt die Bietigheimer Wohnbau nun um.

Mit dem Lidl können 4000 Einwohner fußläufig einkaufen

Der neue Bebauungsplan mache es möglich, ein Wohn- und Geschäftshaus zu errichten und damit die Voraussetzungen für die Ansiedlung eines zeitgemäßen Lebensmittelmarktes zu schaffen, sagt die Stadt. „Mit der geplanten Eröffnung des Lidl-Marktes können die knapp 4000 Einwohnerinnen und Einwohner in Dürrlewang wieder fußläufig einkaufen“, sagt Gehrung. Die Stadt verspreche sich mit der Ansiedlung auch eine Stärkung des gesamten Stadtteilzentrums. Das sei ein zentrales Ziel der derzeitigen Stadterneuerung in Dürrlewang im Rahmen der Sozialen Stadt.

„In Stuttgart wohnen etwa 77 Prozent der Bevölkerung fußläufig zu einem Lebensmittelgeschäft“, so Gehrung. Fußläufig bedeutet, dass die Menschen nicht weiter als 500 Meter zu einem Laden gehen müssen. „Durch die aktive planerische Steuerung des Einzelhandels sowie durch das Engagement des Amtes für Stadtplanung und Stadterneuerung und der Abteilung Wirtschaftsförderung konnte die Nahversorgung in den letzten Jahren an zahlreichen Standorten der Stadt gesichert oder sogar weiterentwickelt werden. Ein fußläufig erreichbarer Lebensmittel-Einzelhandel ist Teil der kommunalen Daseinsvorsorge“, teilt die Pressesprecherin mit.

Magnetwirkung auf andere Geschäfte im Zentrum

Insbesondere für Menschen, die nicht oder nur eingeschränkt mobil sind, sei ein Geschäft in Wohnortnähe hilfreich. Dazu zählen nicht nur Menschen mit einer Behinderung, sondern auch ältere Menschen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sei die Sicherstellung dieser Versorgung wichtig, sagt Gehrung. „Ein fußläufig erreichbarer Lebensmittelbetrieb hat zudem eine identitätsstiftende und soziale Funktion für das jeweilige Quartier.“ Er übe eine „Magnetwirkung“ auf andere ergänzende Nahversorger wie beispielsweise Bäcker, Metzger, die Bank oder den örtlichen Friseursalon aus.

„Neben dem wichtigen Ziel, eine fußläufig erreichbare Nahversorgung zu ermöglichen, geht es gleichzeitig darum, andere Zentren nicht zu beeinträchtigen“, sagt Gehrung. Das Stadtplanungsamt habe daher im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens ein Einzelhandelsgutachten in Auftrag gegeben. Dieses Gutachten vom März 2013 zeige, dass das Vorhaben mit einer maximalen Verkaufsfläche von 1100 Quadratmetern mit den landes- und regionalplanerischen Vorgaben verträglich sei.

Größer darf der Lidl also nicht werden. Das ist auch im Bebauungsplan so festgeschrieben. „Dadurch versuchen wir, Auswirkungen auf andere zentrale Versorgungsbereiche, insbesondere auf den Bonus-Markt in Rohr, zu verhindern“, sagt Gehrung.

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