Trotz aller Schwierigkeiten sei er immer gern in seinem Lädle in Sonnenberg gewesen, sagt Anastasiadis Panagiotis. Foto: Archiv Sandra Hintermayr

Fünf Jahre lang hat ein Grieche die Nahversorgung in Stuttgart-Sonnenberg gesichert. Wie geht es nun weiter? Der Bürgerverein jedenfalls malt kein rosiges Bild von der Zukunft.

Sonnenberg - An der Eingangstür hängt ein Schild mit den neuen, verkürzten Öffnungszeiten. Drinnen sind die ersten Kühlschränke bereits leer. Und auf vielen Waren kleben rote Schildchen mit Sonderpreisen. Im Lädle an der Laustraße in Sonnenberg deutet bereits vieles auf den Ausverkauf hin.

Der Inhaber Anastasiadis Panagiotis steht an der Theke mit den Feinkostprodukten. Er lächelt traurig. Ja, die Gerüchte seien wahr. Er werde sein Geschäft in ein paar Wochen schließen, sagt der gebürtige Grieche. Der Mietvertrag laufe zum Jahresende aus und sei nicht verlängert worden. Den Laden mache er aber schon deutlich früher zu, damit er noch Zeit zum Aufräumen habe, sagt Panagiotis. „Ich hoffe, dass die Sonnenberger noch einmal mitziehen und mich unterstützen und zum Einkaufen kommen. Alles muss weg, sonst bleibe ich auf den Waren sitzen und verliere mein Geld“, sagt er. Ein Abschiedsfest werde es nicht geben. Das gebe seine finanzielle Lage nicht her. Und wie es nach der Ladenschließung für ihn weitergeht, kann Panagiotis auch noch nicht sagen. „Ich möchte erst diese Sache abschließen. Vorher kann ich nicht darüber nachdenken.“

Bürgerverein rief zur Unterstützung der Läden im Ort auf

Vor fast fünf Jahren, im Januar 2015, hatte das Lädle an der Laustraße mit einem offiziellen Festakt eröffnet. Dem vorausgegangen war ein Kraftakt. Nach der Schließung des Bonus-Marktes hatten sich unter anderem der Bürgerverein, die evangelische Kirchengemeinde und auch der damalige Bezirksvorsteher Jürgen Lohmann dafür stark gemacht, dass es in Sonnenberg wieder eine Einkaufsmöglichkeit gibt. Und nach der Eröffnung hatten von Anfang an alle Beteiligten gemahnt, dass die Menschen im Stadtteil das Angebot auch nutzen müssen, wenn sich der Laden halten soll. Seitdem war es ein ständiges Auf und Ab. Die alten Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß waren, kamen ins Lädle. Panagiotis hatte auch einige jungen Familien als Stammkunden. Doch zu viele fuhren für den Großeinkauf ins nahe gelegene Kaufland oder zum Discounter und holten in dem kleinen Geschäft an der Laustraße nur das sprichwörtliche Stück Butter.

Im Januar dieses Jahrs verschickte der Sonnenberg-Verein mit seinem aktuellen Newsletter den Aufruf, die noch bestehenden Geschäfte an der Laustraße zu stärken. Dort gibt es neben dem Lädle einen Bäcker, einen Friseur und eine Papeterie. Es sei nie leicht gewesen, bestätigt Panagiotis. Es habe immer wieder Probleme gegeben. „Ich hatte mehrere Wasserschäden und längere Stromausfälle. Danach waren all meine Waren kaputt“, sagt Panagiotis. Auch mit dem Wirtschaftskontrolldienst sei es in dem alten Gebäude nicht immer einfach gewesen.

Funkstille: E-Mails bleiben unbeantwortet

Doch keines davon sei der ausschlaggebende Grund dafür, dass er nun Schluss mache. Das Problem sei der Mietvertrag. Konkreter möchte Panagiotis nicht werden. Nur so viel: gut zu sprechen ist er auf seinen Vermieter nicht mehr. „Wenn ich gewusst hätte, dass jetzt Schluss ist, hätte ich nicht noch so viel Geld investiert. Das werfe ich dem Vermieter schon vor“, sagt Panagiotis.

Genau das stößt auch Martin Schleiermacher sauer auf. „Es war unfair vom Vermieter, Herrn Panagiotis ins offenen Messer laufen zu lassen“, sagt der Vorsitzende des Sonnenberg-Vereins. Er kritisiert zudem die schlechte Kommunikation zwischen dem Eigentümer, der an der Laustraße mehrere Grundstücke besitzt, und dem Bürgerverein. „Wir wünschen uns einen Dialog, aber wir werden nicht informiert, wir kommen nicht in Kontakt. Unsere E-Mails bleiben unbeantwortet“, sagt Schleiermacher.

Wird Leerstand per Baurecht zementiert?

Dem Bürgerverein geht es dabei ums große Ganze, namentlich den neuen Bebauungsplan für die südliche Laustraße. Dieser sieht vor, dass der Bereich rund um die Sonnenberger Hauptverkehrsader ein Mischgebiet wird und Grundstückseigentümer nachverdichten dürfen. Beschlossen ist noch nichts. Aber wenn es so kommt, dann hätten Grundstückseigentümer einen Anreiz, die alten Gebäude abzureißen und neu zu bauen. Für die Wohnungen und eben auch Gewerbeflächen, die dann entstehen, können die Eigentümer mehr Miete verlangen. Das jedenfalls ist die Befürchtung vieler Sonnenberger. „Wer kann sich das dann noch leisten?“, fragt Martin Schleiermacher und ergänzt: „So würde die Stadt per Baurecht Leerstand zementierten.“

In Sonnenberg hat sich schon rumgesprochen, dass das Lädle schließt. Das Thema beschäftigt die Menschen im Ort. „Wir haben schon viele Zuschriften deshalb bekommen. Und auch wir als Bürgerverein bedauern das sehr“, sagt Schleiermacher. Zu ändern sei es aber freilich nicht mehr. „Wir müssen jetzt abwarten und hoffen, dass es im Stadtteil trotzdem bald wieder eine Nahversorgung gibt“, sagt Schleiermacher.

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