Zum ersten Markttag kamen die Lokalprominenz und viele Kunden. Mittlerweile haben aber etliche das Interesse verloren. Foto: Archiv Kratz

Seit drei Jahren gibt es keinen Laden mehr im Dachswald. Seitdem wünschen sich die Menschen eine Nahversorgung. Seit zwei Monaten gibt es nun einen Wochenmarkt. Doch die Händler klagen über zu geringe Umsätze.

Dachswald - Sigrid Beckmann hat die Ferien genutzt. Wenn Schule ist, hat die Vorsitzende des Bürgervereins Dachswald keine Gelegenheit, auf dem Wochenmarkt im Dachswald einkaufen zu gehen. Doch am vergangenen Donnerstag schaute die Lehrerin bei den fünf Händlern vor dem Waldheim Sonnenwinkel vorbei. „Das Angebot ist reichhaltig und sehr gut“, sagt Beckmann. Doch die Resonanz der Kunden sei schlecht. Das jedenfalls hätten ihr die Händler gesagt. Der ein oder andere will gar nur noch bis Ende des Monats in den Dachswald kommen, weil es sich nicht lohne. „Ich bin fassungslos. Das macht mir Bauchschmerzen“, sagt Beckmann.

Drei Jahre lang habe sie für den Wochenmarkt gekämpft. „Und das habe ich nicht für mich gemacht“, betont die Bürgervereinsvorsitzende. Am 8. September war es endlich soweit. Beckmann lud zusammen mit dem Stadtteilmanager Torsten von Appen und der Pfarrerin Mirja Küenzlen zum ersten Markttag. Alle hatten an einem Strang gezogen. Der Stadtteilmanager hatte unter anderem Händler akquiriert, die Kirche stellt das Gelände zur Verfügung. „Diesen Wochenmarkt zu initiieren hat mich viel Zeit und Herzblut gekostet“, sagt Beckmann. Sie habe damit gerechnet, dass die Menschen im Dachswald diesen nun auch in Anspruch nehmen. Stattdessen bekomme sie zum Teil fadenscheinige Ausreden zu hören, warum man nun doch nicht auf dem Wochenmarkt seine Besorgungen erledigen könne. „Auf einmal ist Vaihingen gar nicht mehr so weit weg“, wundert sich Beckmann darüber, dass der ein oder andere doch lieber dorthin zum Einkaufen fährt.

Es gibt keine Laufkundschaft

Am vergangenen Donnerstag spielte Beckmann die Feuerwehr, wie sie es selbst formuliert. Zum einen langte sie an den Ständen tüchtig zu. Zum anderen suchte sie sofort das Gespräch mit der Stadt. Nun soll es noch einmal eine Art runden Tisch geben, um gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, wie die Nachfrage angekurbelt werden kann. Ein Problem sei, dass es keine Laufkundschaft gebe. Ein weiteres Manko sei zum Beispiel, dass es auf dem Wochenmarkt keine Milchprodukte gebe. Doch für dieses Problem zeichne sich bereits eine Lösung ab. Denn einer der Händler habe auch Milchprodukte im Sortiment und müsse diese sozusagen nur mitbringen.

Etwa eineinhalb Stunden lang war Beckmann am Donnerstag auf dem Wochenmarkt – um einzukaufen und um zu erfahren, wo der Schuh drückt. „In der Zeit, in der ich vor Ort war, waren viele Menschen einkaufen“, sagt Beckmann. Das jedenfalls sei ihr Eindruck gewesen. Insbesondere die Älteren seien da gewesen. „Aber die Tendenz geht nach unten“, ergänzt die Bürgervereinsvorsitzende. Dem wolle sie entgegenwirken. „Ich werde alles probieren, um den Wochenmarkt zu retten“, verspricht Beckmann. Dazu gehört auch, dass es bereits ein Gespräch mit Andreas Bez vom Unternehmen Velo-Carrier gab. Dessen Fahrer transportieren mit Lastenfahrrädern die Einkäufe seiner Kunden nach Hause.

Vielleicht kommen die Velo-Carrier auf den Wochenmarkt

Bez und seine Mitstreiter könnten sich vorstellen, die Marktbeschicker als Partner zu gewinnen. Diese würden dann ihren potenziellen Kunden den Service der Velo-Carrier nahe bringen und gegebenenfalls den Auftrag an die Fahrer der Lastenräder weitergeben. Insbesondere für Ältere könnte das ein Anreiz sein, mehr auf dem Markt zu kaufen.

Doch noch sind es nur erste Überlegungen. „Wir sind aber für alles offen“, betont Andreas Bez. Es wäre der erste Wochenmarkt, auf dem die Velo-Carrier aktiv werden würden. Sigrid Beckmann als Bürgervereinsvorsitzende möchte die Idee auf alle Fälle unterstützen. Denn noch wolle sie in Sachen Wochenmarkt die Flinte nicht ins Korn werfen.

Termin: Im Dachswald ist immer donnerstags von 8 bis 13 Uhr Markttag. Die fünf Händler stehen auf dem Platz vor dem Waldheim Sonnenwinkel an der Barchetstraße 14. Es gibt Obst und Gemüse, Backwaren, Eier und Nudeln, Fleisch und Wurst sowie ausländische Spezialitäten.

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