Abbas Khalil betreibt das kleine Geschäft an der Hirsauer Straße. Foto: Archiv Kratz

Die Nahversorgung im Stadtteil Kaltental ist derzeit eher schlecht. Vor allem auf dem evangelischen Hügel gibt es nur bedingt Einkaufsmöglichkeiten. Abbas Khalil soll nun dabei helfen, die Nahversorgung dort zu verbessern.

Kaltental - Abbas Khalil soll erklären, wie es geht. Der Mann mit libanesischen Wurzeln betreibt den Laden an der Hirsauer Straße. Und das seit mittlerweile mehr als 26 Jahren. Im Gegensatz zu vielen anderen kleinen Einzelhändlern hat er überlebt. Torsten von Appen, Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung und zuständig für die Stadtbezirke, hat ihn nun gebeten, sein Wissen und seine Erfahrungen weiterzugeben. Dazu soll es einen Termin im Stuttgarter Rathaus geben.

Falsches Wirtschaften und Vorurteile lassen viele scheitern

„Viele Migranten, die hier einen Laden betreiben, können nicht richtig Fuß fassen“, sagt Abbas Khalil. Einige würden falsch wirtschaften, anderen gelinge es nicht, Vorurteile potenzieller Kunden gegenüber ausländischen Mitbürgern abzubauen. Nun soll der Mann aus Kaltental sein Konzept vorstellen. „Man hilft, wo man kann“, sagt Abbas Khalil.

Man müsse viel tun, um die Menschen in die Läden zu locken, sagt Abbas Khalil. Darum lade er mehrmals im Jahr zu Festen ein. Die Leute sollen ihre Vorurteile überwinden, sich wohl fühlen und den Laden als „ihr Eigentum“ begreifen. „Meine Frau und ich verwalten das Geschäft nur“, sagt Abbas Khalil. Auch das ist eine Botschaft, die er an seine Mitstreiter weitergeben will, wenn er im Rathaus über sein Konzept spricht.

Am Samstag hat Torsten von Appen ihn in seinem Laden besucht. „Er war begeistert von unserem Angebot und den Bildern von unseren vielen Festen, die wir schon gefeiert haben“, berichtet Abbas Khalil. Kaltental liege mitten in Stuttgart und sei doch ein Dorf – mit einem funktionierenden Dorfladen, zumindest auf dem katholischen Berg östlich der Böblinger Straße.

Auf dem evangelischen Berg gibt es nur einen Blumenladen

Auf dem evangelischen Berg ist es hingegen um die Nahversorgung nicht gut bestellt. Zwar gibt es dort den Blumenladen von Ingrid Strähle, in dem es auch Obst, Gemüse und einige andere Dinge zu kaufen gibt. Außerdem ist die Bäckerei Schrade vor Ort. Doch ein Vollsortimenter, der beispielsweise auch Waschmittel und Klopapier im Angebot hat, fehlt seit Jahren. Mehrere Einzelhändler hatten ihr Glück versucht, alle mussten früher oder später aufgeben. Und das, obwohl auf dem evangelischen Berg dreimal so viele Menschen wohnen wie auf dem katholischen Pendant und es mit der Schule, den Kindergärten, der Begegnungsstätte und dem Bürgersaal einige öffentliche Treffpunkte gibt.

Hintergrund für von Appens Besuch in Kaltental ist, dass das Thema Nahversorgung in der Stadt derzeit eine hohe Priorität genießt. Die Firmen CIMA und UHB erstellen ein Gutachten. In einem Zwischenbericht nannten sie kürzlich im Umwelt- und Technikausschuss 37 Defiziträume, in denen keine ausreichende Nahversorgung sichergestellt sei. Auch Kaltental gehört dazu. Allerdings ist der Stadtteil aus dem Kreis näher zu betrachtender Gebiete herausgefallen, da zumindest eine „rudimentäre Nahversorgung“ vorhanden sei.

Den Menschen, die weiter weg von den Läden leben und die schlecht zu Fuß sind, nutzt das aber freilich wenig. Bei seinem Besuch hat Torsten von Appen laut über einen „ambulanten Handel“ nachgedacht – einen Bus, der durch die Straßen tingelt und an dem die Dinge des täglichen Bedarfs erworben werden können. Doch das würde wohl kaum funktionieren. „Es braucht mindestens 250 Leute, damit sich ein solcher Service rechnet“, sagt Abbas Khalil. Er hat von Appen eine Alternative vorgeschlagen: einen Bringservice. „An einem festen Tag könnten die Leute telefonisch ihre Bestellung bei mir aufgeben. Ab einem bestimmten Mindesteinkaufswert bringe ich ihnen die Sachen vorbei“, sagt der Einzelhändler. Freilich müsse auch er rechnen. Darum könne er nicht nur zwei Päckchen Zucker und eine Sahne vorbeifahren.

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