Die neue Postfiliale von Heiningen: Vertriebsmanager Jürgen von Steht, Bürgermeister Matthias Kreuzinger und Filialleiterin Natascha Ebhardt (von links). Foto: Staufenpress

Vor Jahren war die Post schon einmal in diesem Gebäude untergebracht – jetzt eröffnet sie neu in der Hauptstraße in Heiningen. Warum Bürgermeister Matthias Kreuzinger begeistert ist.

„Bin ich jetzt die erste Postkundin?“, fragt Waltraud Ziegelin. Ja, das ist sie. Die Mitarbeiterin der Heininger Apotheke, die ein Päckchen unterm Arm hat, steuert die neue Postfiliale sogar noch einen Tick vor 14.30 Uhr an. Aber alles ist vorbereitet, die Tür steht offen, der Raum ist hell erleuchtet, und es wartet auf sie und auf andere ein kleines Empfangskomitee. Natascha Ebhardt, die neue Filialleiterin, steht bereit, Post-Vertriebsmanager Jürgen von Steht ist gekommen, und auch Bürgermeister Matthias Kreuzinger will bei der Eröffnung dabei sein. Er hat maßgeblich zu diesem Umzug beigetragen. „Kommen Sie herein, wir stehen Spalier“, sagt der Schultes fröhlich zu Kunden, von denen er einige kennt. In der ersten halben Stunde sind das elf.

 

Vorbei die Zeit, als die Heininger rausfahren mussten zu einer Filiale in der Umgebung. Seit Ende April ging das so. „Wir haben lange gewartet“, sagt der Schultes, die Eröffnung war schon mal auf den 5. Juni anvisiert. „Der Arbeitsmarkt war einfach leergefegt,“ sagt dazu Jürgen von Steht. „Wir sind seither nach Dürnau gefahren“, erzählt Waltraud Ziegelin. Jetzt kann sie die Post wieder einbinden in die Fahrten, mit denen die Apotheke Kunden Medikamente nach Hause bringt. Egal ob in Heiningen, nach Eschenbach oder Gammelshausen – die Post liegt immer auf dem Weg. Eigentlich war schon im Februar alles klar. Als Bürgermeister Kreuzinger von der Kündigung der Postagentur am seitherigen Platz erfuhr, hat er als Erstes bei Friedrich Maier angerufen. Warum bei ihm? Ihm gehören die Räume, in denen vor etlichen Jahren das Schreibwarengeschäft Binkert die Post mitbetrieben hatte.

Die Gemeinde tritt als Mieterin auf

Postfilialen gibt es längst nicht mehr in jedem Ort. (Symbolfoto) Foto: imago/Sven Simon

Im Gemeinderat wurde auch diskutiert, ob man sie nicht ins gemeindeeigene Haus neben dem Rathaus reinnehmen soll, berichtet der Schultes. In die ehemalige Bäckerei Max. Aber die wäre dafür zu groß, sagt Kreuzinger. Friedrich Maier hat schnell Ja gesagt. „Das ist mir recht“, sagt er. Es passt für ihn, dass er die Räume an die Gemeinde vermietet, nicht an die Post. Das bringt ihm Einnahmen, aber es liegt ihm auch am Herzen, dass die Post in Heiningen bleibt. Die gehört für ihn zum Dorf. Er kann noch erzählen, wie in seiner Kindheit die Post zwei Häuser weiter von der „Post-Emma“ betrieben wurde.

In der neuen Postfiliale finden die Kunden ein Bild davon an der Wand. „Die sogenannte Post-Emma war ein lebendes Lexikon“, sagt der Schultes. Und dann ist die Post die Hauptstraße rauf und runtergewandert, sie blieb immer hier. Von der Hauptstraße 12, heute ein schmuckes Wohn- und Geschäftshaus, in die Hauptstraße 40 im Kreissparkassen-Komplex. Walter Dorn, der auch Gemeinderat war, hat sie dort geführt. Dann kam sie zu Binkert, wo sie eine Partnerfiliale war, also von einem Geschäftsmann betrieben wurde. Oberhalb des Rathauses ging es weiter, im Haus gegenüber dem Lempenau-Platz. Eine Security-Firma betrieb sie als Postagentur. Jetzt ist sie wieder in der Hauptstraße 8, wo zwischenzeitlich auch mal ein Büro war.

Drei Parkplätze gehören zur neuen Filiale

Kreuzinger sieht im neuen alten Standort Vorteile. Es geht ebenerdig ins Haus rein, es gibt einen Nebeneingang für die Logistik, und es braucht für die Kunden keine Querung der Straße mehr. Am vorigen Platz haben die Leute am Lempenau-Platz geparkt und sind über die Hauptstraße gelaufen. Wegen der Kurve aus Richtung Rathaus und der Sicht gab es Bedenken zur Verkehrssicherheit. Damit hat sich auch mal die Verkehrsschau befasst.

Zur neuen Post gehören drei Parkplätze am Haus, und im Umfeld liegen gleich zehn, die höchstens eine Minute zu Fuß entfernt sind, sagt Kreuzinger. Er freut sich auch über einen Leerstand weniger. „Es füllt sich ein Schaufenster.“ Er plant, ein Bänkle ans Haus zu stellen. Das wünschen sich die Leute in diesem Teil der Hauptstraße, sagt er. Für Natascha Ebhardt ist nur der Arbeitsplatz neu. Sie ist schon sieben Jahre bei der Post, war zuvor in den Filialen in Westerstetten und Kuchen. Heiningen kennt sie noch nicht. „Der erste Eindruck ist gut.“ Jürgen von Steht lobt die Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Gut war schon mal, dass sich die Gemeinde um Räume kümmerte. Der Schultes hat für beide Heininger Nudeln und alkoholfreie Spezialitäten aus Schlat als Präsent.

Das Gebäude stammt aus den 1970er Jahren

Belebt wird ja auch wieder ein Stück von Alt-Heiningen. „Das Haus hat mein Urgroßvater gekauft, das war Mitte des 19. Jahrhunderts“, erzählt Friedrich Maier. Die jetzigen Geschäftsräume liegen in einem Neubauteil aus den 70ern. Gegenüber war eine Sattlerei, „da hat es nach Leder gerochen“. Drumrum gab’s auch viel für den täglichen Bedarf, sagt er.

Geöffnet hat die Filiale 18 Stunden in der Woche, montags bis freitags von 14.30 bis 17.30 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr. Vielleicht wird auch noch mehr draus. Eine zweite Kraft soll noch dazukommen, der Schultes wünscht sich Öffnungszeiten auch vormittags.

Anderswo läuft’s nicht so gut

Göppingen
 In Göppingen hat die Hauptpost am Bahnhof zugemacht. Kunden werden seit Ende April auf Partnerfilialen in der Bahnhofstraße und Blumenstraße verwiesen. Das wurde allgemein beklagt. Die Post sieht einen Vorteil für die Kunden in längeren Öffnungszeiten. Vertriebsmanager Jürgen von Steht macht geltend: Die Nachfrage an der Hauptpost sei einfach weniger geworden.

Bad Ditzenbach
Wie es mit der Post in Bad Ditzenbach nach 2026 weitergeht, ist offen. Dort betreibt die Gemeinde selbst eine Postagentur, weil sich die Post zurückgezogen hat. Die Kosten liegen bei etwa 30 000 Euro im Jahr, Tendenz steigend. Bürger fordern: Die Post muss bleiben. Die Gemeinde hofft auf einen Partner aus der Geschäftswelt.