Das Motorschiff „Reichenau“ steht bereit zur Abfahrt durch den Seerhein zur Konstanzer Altstadt. Foto: Wein

Samstags sind die Straßen in Konstanz verstopft. Auch die Busse stehen im Stau. Jetzt weicht die Stadt mit ihrem öffentlichen Nahverkehr auf Rhein und See aus.

Konstanz - An Deck spielt ein Mann Schifferklavier, der Oberbürgermeister mixt sich eine Ahoi-Brause, sein Baubürgermeister lässt sich eine Wezel, ein Laugengebäck in W-Form, schmecken. Mit einer standesgemäßen Probefahrt hat die Stadt Konstanz ihren Wasserbus in Betrieb genommen. Das neue Verkehrsmittel soll samstags im Halbstundentakt vom Parkplatz am Bodenseeforum neben der neuen Rheinbrücke zum Hafen an der Altstadt verkehren. Zusammen mit einem Linienbus entstehe so eine viertelstündige Park-and-Ride-Verbindung in die Fußgängerzone. Der Fahrpreis inklusive Parkgebühr liegt bei fünf Euro für die ganze Familie.

Zeit sparen bei Tempo 10

Gerade an Samstagen wird die 85 000-Einwohner-Stadt von Wochenendgästen und Schweizer Einkaufstouristen geflutet. Regelmäßig kommt es zum Verkehrinfarkt. Der Wasserbus soll die Situation merklich entspannen. Trotz der Geschwindigkeitsbegrenzung auf dem See­rhein von 10 Kilometern pro Stunde dürfte die Fahrtzeit von 13 Minuten im Anbetracht des Dauerstaus konkurrenzfähig sein. Zudem ist die Schifffahrt auch touristisch interessant. Sie führt unter der Rheinbrücke hindurch in den Konstanzer Trichter, vorbei an den stattlichen Bürgerhäusern der Seestraße und dem Inselhotel bis zum Hafen mit dem Konzil und Peter Lenks Imperia-Skulptur.

Als die Konstanzer SPD den Vorschlag für einen Wasserbus vor knapp zehn Jahren im Zusammenhang mit einem damals geplanten Konzerthausbau am Seegrundstück Kleinvenedig lancierte, erntete sie Unverständnis. Der Gemeinderat fegte die Idee vom Tisch, bei der Fasnacht wurde sie – allerdings schon wohlmeinender – verulkt. Er habe den Wasserbus allerdings von Anfang an als vielversprechende Idee empfunden, sagte der damals noch nicht amtierende OB Uli Burchardt (CDU).

Ziel ist ein Elektroboot

Die Umsetzung dauerte dennoch. So mussten naturschutzrechtliche Bedenken gegen den Stegbau am Bodenseeforum ausgeräumt werden. Die wasserrechtliche Genehmigung liegt bisher nur für einen Testbetrieb bis Mitte September vor. „Unser Ziel ist ein ganzjähringer Betrieb“, sagte der Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn. Langfristig soll auch das 50 Jahre alte Dieselschiff MS Reichenau durch ein Elektroboot mit Solarmodulen und Brennstoffzelle ersetzt werden. Da wäre eine Landesförderung gut, meinte Langensteiner-Schönborn. Doch leider gebe es anders als bei Bus und Bahn für Wasserfahrzeuge bisher keine ÖPNV-Mittel.

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