Nahverkehr VVS verspricht Verbesserungen

Von Günter Scheinpflug 

Bisher nutzen rund 2500 Fahrgäste die Teilstrecke der S 60 bis Maichingen. Wenn vom 9. Dezember an die Bahn bis Renningen fährt, sollen 10.000 dazu kommen. Auf dem kompletten Ring soll ein Einheitspreis gelten. Foto: factum/Archiv
Bisher nutzen rund 2500 Fahrgäste die Teilstrecke der S 60 bis Maichingen. Wenn vom 9. Dezember an die Bahn bis Renningen fährt, sollen 10.000 dazu kommen. Auf dem kompletten Ring soll ein Einheitspreis gelten. Foto: factum/Archiv

Bahngäste sollen von der Alternativzonenregelung profitieren und auf dem kompletten Ring der S 6, S 1 und der S 60 für das Einzelticket 5,90 Euro bezahlen.

Stuttgart – Ob ein Bahnreisender künftig über Leonberg oder über Böblingen nach Stuttgart fährt, wird sich beim Fahrpreis nicht mehr niederschlagen. „Es spielt keine Rolle, ob dabei sechs oder fünf Zonen anfallen - der Kunde bezahlt lediglich fünf“, erklärte Thomas Hachenberger, der Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS). Im kompletten Ringschluss, der auch Weil der Stadt mit der Landeshauptstadt verbinden wird, gibt es zur Nutzung der S 1, S 6 und S 60 das Einzelticket zum Preis von 5,90 Euro. Daneben versprach Hachenberger eine Ausweitung des VVS-Tarifs auf Gemeinden jenseits der Landkreisgrenzen bis Nagold und Calw. „Wir wollen die Ungerechtigkeiten ausgleichen“, sagte der VVS-Chef.

Die aktuelle Nutzung der S 60 auf dem Teilstück zwischen Böblingen und Maichingen mit rund 2500 Fahrgästen täglich bezeichnete der Landrat Roland Bernhard als zufriedenstellend. „Wenn die S 60 bis Renningen fährt, rechnen wir mit einem Zuwachs von 10 000 Reisenden am Tag“, erklärte Bernhard. Die Tangentiale soll wie geplant am 9. Dezember in Betrieb gehen, wodurch der Ringschluss der drei S-Bahnen komplett ist.

Großes Engagement für bessere Mobilität

Für den Landkreis als einen der am höchsten entwickelten Produktionsstandorte in Deutschland mit großen Weltfirmen komme es darauf an, die Mobilität der arbeitenden Bevölkerung zu sichern, unterstrich Bernhard. Für die Berufspendler ins Daimler-Werk und zum Porsche Entwicklungszentrum in Weissach sei deshalb die neue Buslinie 636 als S-Bahn-Zubringer geschaffen worden. An Werktagen fährt der Bus zum besseren Anschluss von Renningen und Malmsheim eine zusätzliche Schleife. Daneben ist im ergänzenden Busnetz die Linie 745 zwischen Magstadt, Maichingen, Sindelfingen und Böblingen eingerichtet worden, die vor allem auch der Schülerbeförderung dient.

Angesichts der sinkenden Schülerzahlen warnte Bernhard aber davor, die bestehenden 86 Buslinien im Kreis auszudünnen: „Das ist eine gefährliche Denke.“ Schließlich gehe es darum, dem täglich drohenden Verkehrsinfarkt auf den Straßen zu begegnen. Der Kreis gebe daher für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) jährlich rund 26 Millionen Euro aus. Lediglich der Sozialetat sei noch höher, bilanzierte der Landrat.

Eine Kostenfrage an die Politik

Im Kreis nutzen bisher lediglich insgesamt 14,3 Prozent der Bürger für ihre Fahrten – egal wohin – den ÖPNV. Anders sieht es bereits bei der Nutzung von Bahnen und Bussen nach Stuttgart aus. Um in die Landeshauptstadt zu kommen, wählten zuletzt immerhin 36,8 Prozent öffentliche Verkehrsmittel. Und wie aus der VVS-Statistik nach einer im Jahr 2010 durchgeführten Haushaltsbefragung weiter hervorgeht, favorisierten 55,1 Prozent der Kreisbewohner, die in die Stuttgarter Stadtmitte gelangen wollten, die Angebote des ÖPNV. Obwohl Bahnen und Busse etwa in Karlsruhe oder Freiburg günstigere Tarife anbieten als der VVS.

Hachenberger räumte ein: „Laut einer VVS-Berechnung sind kurze Distanzen von sechs bis acht Kilometern mit dem Auto günstiger zu bewältigen als mit Bahnen oder Bussen.“ Er begründete dies mit der teuren Infrastruktur im Bereich des VVS und den damit verbundenen höheren Kosten für Personal und Energie. „Wir decken 58 Prozent unserer Ausgaben mit den Ticketeinnahmen“, sagte Hachenberger. Die Preisgestaltung sei jedoch eine politische Frage. „Wenn wir 50 Prozent unserer Kosten durch die Fahrgasteinnahmen bestreiten würden, wie von der SPD gefordert, würde sich das auf das Preisniveau auswirken“, so der VVS-Chef.

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