SB-Finanzvorstand Jörn Meier-Berberich verteidigte bei einer Pressekonferenz vor der Aufsichtsratssitzung die in Stuttgart strittig diskutierte Preiserhöhung. Foto: dpa

SSB-Aufsichtsrat genehmigt die umstrittene Preissteigerung um 2,9 Prozent von Januar 2013 an.

Stuttgart - Der Aufsichtsrat der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) hat eine Verteuerung der Fahrkarten in Bussen und Bahnen vom 1. Januar 2013 an um durchschnittlich 2,9 Prozent für den VVS beschlossen. 16 Mitglieder stimmten zu, zwei Arbeitnehmer-Vertreter enthielten sich. Grünen-Stadtrat Jochen Stopper stimmte dagegen. Die SSB dominieren in der Gesellschafterversammlung des Verkehrsverbunds (VVS) die Gruppe der Verkehrsunternehmen. Der Aufsichtsrat kann daher den prozentualen VVS-Aufschlag vorwegnehmen. Der exakte Aufschlag auf die jeweiligen Fahrscheinarten wird im Herbst entschieden.

SSB-Finanzvorstand Jörn Meier-Berberich verteidigte bei einer Pressekonferenz vor der Aufsichtsratssitzung die in Stuttgart strittig diskutierte Preiserhöhung. Sie sei „moderat“, ein Vergleich mit der Inflationsrate „nicht statthaft“. 60 Prozent der Kosten des öffentlichen Nahverkehrs würden durch die Fahrgeldeinnahmen gedeckt, 40 Prozent durch Zuschüsse des Landes und von Städten und Gemeinden, wobei der Zuschuss absolut gesehen stagniere. Stetige Fahrgastzuwächse glichen dies bisher aus. So stiegen die Einnahmen von Januar bis April 2012 um 5,8 Prozent (Preiserhöhung 2012: 2,9 Prozent), die Zahl der Fahrten um 2,8 Prozent. Der Preis sei für die Kunden bei der Wahl ihres Transportmittels nicht alleinentscheidend, sagt Meier-Berberich, „das Thema Qualität wird in Stuttgart deutlich höher bewertet“.

2011 erzielten die SSB „das beste Ergebnis, das wir je hatten“, sagt der Vorstand

Die Erfolgskurve vergangener Jahre mit stetig mehr Fahrten könnte ab September 2012, wenn in den Gymnasien wegen G 8 ein Jahrgang wegfällt, einen Knick bekommen, so Meier-Berberich bei der Vorstellung des 2011er-Jahresabschlusses. Umso wichtiger werde der Berufsverkehr.

2011 erzielten die SSB „das beste Ergebnis, das wir je hatten“, so der Vorstand. Soll heißen: Das Minus, das von der Stadt ausgeglichen wird, lag bei 18,4 Millionen Euro, bei einem Umsatz von 301 Millionen Euro. Bereits 2015 aber wird der Verlust 25 Millionen Euro erreichen, 2016 laut Planung noch höher liegen und damit die vom Gemeinderat verordnete Zuschussgrenze übersteigen.

Gründe sind die nötigen, mangels Landeszuschüssen komplett kreditfinanzierten Investitionen in 20 neue Stadtbahnen, die Sanierung 76 älterer Fahrzeuge und von Technikkomponenten an Strecken und in Tunneln. Meier-Berberich spricht von „Systemerhalt“. Auch der SSB-Verwaltungsbau in Möhringen muss laut Personalvorstand Reinhold Bauer nach 40 Jahren saniert und energetisch auf den aktuellen Stand gebracht werden. Dabei sollen die SSB-Mitarbeiter enger zusammenrücken. Bauer: „Wir planen mit 30 Prozent weniger Bürofläche.“

Aufsichtsrat verlängerte Vertrag von Technikvorstand Arnold bis Ende 2018. Er ist dann 68

Ende 2011 zählte die SSB 2833 Köpfe. Einer davon wird dem Unternehmen länger als bisher geplant erhalten bleiben. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag von Technikvorstand Wolfgang Arnold bis Ende 2018. Er ist dann 68. Er fühle sich auch wegen Stuttgart 21 „in die Pflicht genommen“, sagt Arnold. Er und Bauer sollten 2015 ausscheiden. Der zeitgleiche Abschied von zwei der drei Vorstände solle durch die Verlängerung vermieden werden, so Bauer.

Neben Stuttgart 21 mit Tunnel-Neubauten für die SSB entlang der Heilbronner und der Willy-Brandt-Straße hat das Unternehmen den Ausbau der U 12 (Dürrlewang– Hallschlag) und der U 6 vom Fasanenhof bis zur Messe im Blick. Allein diese drei Kilometer kosten rund 64 Millionen Euro.

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