Die Busse nach Böblingen sind am frühen Morgen nicht selten überfüllt. Foto: factum/Granville

Die Busse sind immer noch überfüllt und oft verspätet – und ein Gespräch mit den Verantwortlichen wurde auch noch verschoben. Die Betroffenen sind empört.

Nahverkehr - Die Probleme im Schülerverkehr zwischen Weil im Schönbuch, Holzgerlingen und Böblingen bestehen nach wie vor. Selbst innerhalb von Weil im Schönbuch sind die Busse total überfüllt und bringen die Schüler zu spät zum Unterricht. Deshalb sollte Ende letzter Woche im Landratsamt in Böblingen mit allen Verantwortlichen nach einer Lösung gesucht werden. Allerdings platzte der Termin, weil ein Vertreter des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) krankheitshalber abgesagt hatte. Bei den Schülern, Eltern und nicht zuletzt beim Weilemer Bürgermeister Wolfgang Lahl stößt das auf Unverständnis: „Nun dauert es wieder länger, bis eine Lösung auf den Tisch kommt“, protestiert Lahl.

Immerhin ein dritter Wagen bei der Schönbuchbahn

Helle Empörung hatte bereits zum Fahrplanwechsel im Busverkehr vor allem in Weil im Schönbuch bereits vor Weihnachten geherrscht. Drei Busse, die zuvor am frühen Morgen im Ortszentrum starteten, um Schüler nach Holzgerlingen zu bringen, waren weggefallen. Viele mussten etwa eineinhalb Kilometer bis zur Schönbuchbahnhaltestelle laufen, die am Rand der Gemeinde liegt, um mit dem Zug nach Holzgerlingen zu kommen. Aber auch dort gab es Probleme, weil die Wagen mitunter überfüllt waren. Wenigstens hier ist inzwischen Abhilfe geschaffen worden.

Auf der Bahnstrecke von Dettenhausen nach Holzgerlingen wird nun ein dritter Wagen der Schönbuchbahn eingesetzt. Wegen der Bauarbeiten an der Bahn ist aber wohl noch bis zum Herbst auf der Schiene nach Böblingen keine Weiterkommen. Die Böblinger Schulen fährt ein so genannter Schienenersatzverkehr an. Doch auch diese Busse sind am frühen Morgen vor Schulbeginn oft total überfüllt.

Ein Bus fährt nun zu früh los

Laut Lahl stimmt seit dem Fahrplanwechsel mit den neu bestimmten Buslinien so gut wie nichts mehr. „Das betrifft auch die Busse innerhalb von Weil im Schönbuch, die Schüler etwa vom Teilort Breitenstein in die Ortsmitte zur Gemeinschaftsschule bringen sollen“, erklärt der Bürgermeister. Der Bus habe bereits in Breitenstein meist einige Minuten Verspätung. Mitunter fahre er erst wenige Minuten vor 8 Uhr weiter, weil er bereits voll besetzt sei und die Schüler noch hinein wollten. Dabei beginnt der Unterricht um diese Zeit.

Die Folge: Die Schüler kommen regelmäßig unpünktlich an. Und auch bei Schulschluss stimmen die Fahrzeiten nicht mehr. Dann nämlich fährt der Bus fünf Minuten zu früh ab. Die Konsequenz daraus ist wiederum, dass die Schüler auf den nächsten Bus warten müssen.

Der Schultes ist „ziemlich angefressen“

Als zweiten wesentlichen Problempunkt nennt Lahl generell die mangelnden Kapazitäten. Diese sind dem geringeren Einsatz der Schulbusse geschuldet. Dies gelte vor allem auch im Schülerverkehr von und nach Böblingen, sagt Lahl. Immer wieder hatte er in den Ausschüssen des Kreistags darauf hingewiesen, dass es nach der Fahrplanänderung massive Schwierigkeiten geben könne – und wird nun voll bestätigt. „Ich bin schon ziemlich angefressen“, gesteht er, zumal die verärgerten Eltern häufig bei ihm im Rathaus anrufen.

Lahl kann auch nicht akzeptieren, dass die Gesprächsrunde im Landratsamt nun auf diesen Freitag verlegt wurde. „Wir hätten auch ohne den VVS-Vertreter die Probleme angehen können“, sagt er. Offenbar waren die drei Busse, die in Weil im Schönbuch nicht mehr fahren, einfach durch das Raster gefallen. Sie standen im Fahrplan der Bahn, jedoch nicht in dem des VVS. Offenbar hatten die Verantwortlichen aber die Daten des VVS zugrunde gelegt – und nicht in den Fahrplan der Bahn geschaut, in dem die drei Regio-Busse der DB Regio angeboten worden waren. „Das muss nun schnell geändert werden“, fordert Lahl.

Rund hundert Buslinien im Kreis

EU-Bestimmung:
Die Europäische Union hat eine neue Richtlinie erlassen, wonach der Verkehr auf den Buslinien europaweit ausgeschrieben werden muss. Es gelten überall dieselben Regeln. Im Grundsatz geht es um Linienbündel, die – wenn es sinnvoll erscheint – auch aufgeteilt werden können. Bis zum nächsten Dezember müssen demnach sämtliche Busverkehre auch im Kreis Böblingen neu vergeben werden. Damit hat die Kreisverwaltung nun bereits begonnen.

Nahverkehrsplan:
Die rund hundert Buslinien im Kreis Böblingen sind im Nahverkehrsplan enthalten. Dieser steht immer wieder im Kreistag zur Debatte, der ihn letztlich auch beschließt. Der erste Plan wurde im Jahr 2000 aufgestellt mit dem Ziel, den Busverkehr effektiver zu machen. 2009 und 2015 wurde der Plan aktualisiert. Die Vergabe spricht die Kreisverwaltung mit dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart ab.

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