Die Struktur des VVS wurden zum 1. April 2019 radikal vereinfacht. Die Verantwortlichen räumten damals symbolisch eine Mauer ab. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Nach der großen Zonenreform in diesem Jahr lässt sich der VVS mehr Zeit, um die Entwicklung genau zu betrachten.

Stuttgart - Die aktuellen Fahrpreise im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) bleiben noch bis mindestens zum 1. April 2020 gültig, die sonst turnusmäßige Erhöhung zum 1. Januar wird im kommenden Jahr verschoben. Der Verbund hatte 2019 erstmals auf eine Preiserhöhung verzichtet und zum 1. April eine große Tarifreform mit einer deutlichen Reduzierung der Zonenzahl umgesetzt. Durch die Zusammenlegung der zwei Zonen in Stuttgart und zweier weiterer in der Region können viele Fahrgäste Bus und Bahn im VVS deutlich günstiger nutzen.

Durch die Tarifreform soll es zu einem rechnerischen Einnahmeausfall von rund 42 Millionen Euro pro Jahr kommen, der von den Landkreisen, der Stadt Stuttgart und, mit abschmelzenden Beiträgen, dem Land ausgeglichen wird. Für dieses Jahr stehen von den Partnern für die neun Monate 31,6 Millionen Euro zur Verfügung. „Im Augenblick können wir nicht davon ausgehen, dass Geld aus diesem Topf an die Geber zurückfließt“, sagt VVS-Geschäftsführer Horst Stammler. Über alle Ticketarten hinweg gab es bis zum Sommer einen Fahrgastzuwachs von 3,5 Prozent. Der Ausbildungsverkehr sei allerdings durch geringere Schüler- und Studentenzahlen rückläufig, genauso die Seniorentickets. Die Zonenreform erreichte diese beiden Gruppen nicht. Betrachte man die von der Reform betroffenen Tickets, liege die Steigerung bei 5,1 Prozent.

Der BW-Tarif bleibt, weil das Land zahlt

Über den Tarif 2020 sei nicht entschieden, „es ist alles offen, wir sind noch in der Datenerhebung“, sagt Stammler. Der VVS-Aufsichtsrat werde voraussichtlich am 3. Dezember über den Tarif 2020 beraten und entscheiden. Beschlüsse sollen dann zum 1. April 2020 umgesetzt werden.

Die Aufgabenträger für den verbundübergreifenden Baden-Württemberg-Tarif (Land, Verband Region Stuttgart und die Verkehrsunternehmen) haben dagegen bereits jetzt beschossen, dass die Preise im BW-Tarif 2020 nicht angehoben werden. „Wir geben Geld, um die Fahrpreise trotz Kostensteigerungen bei den Bahnunternehmen stabil zu halten“, sagt Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne).

Der BW-Tarif war im Dezember 2018 eingeführt worden. Mit ihm wurden die Tarifstruktur vereinfacht und die Fahrpreise für Bahnfahrten und Fahrten in Regiobussen über Verbundgrenzen hinweg deutlich günstiger, die Preise sanken laut der BW-Tarif GmbH um im Schnitt 25 Prozent und sind gedeckelt: Keine Fahrt im Land soll teurer als 29,80 Euro sein.

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