Kleine Panne, große Wirkung: am 20. Juni ging zeitweise gar nichts mehr. Foto: 7aktuell.de/Andreas Friedrichs

Mit ihrer Fahrgastinformation gibt die SSB ihren Kunden manchmal Rätsel auf – vor allem, aber nicht nur an Chaostagen, in die sie durch Pannen gestürzt wird. Ihre Anzeigetafeln für wechselnde Mitteilungen helfen da manchmal wenig. Dennoch will die SSB das System ausbauen.

S-Mitte - Wann, bitte schön, kommt meine Stadtbahn oder mein Bus? Um ihre Fahrgäste zu informieren, führte die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) vor mehr als zwei Jahrzehnten die sogenannte dynamische Fahrgastinformation ein. Auf elektronischen Tafeln, denken sich die Kunden, werden ihnen die Wartezeiten bis zum Eintreffen des öffentlichen Verkehrsmittels angezeigt. Doch das System, für das die SSB viel Geld ausgibt und auf das sie stolz ist, stößt an Grenzen. Das ist gerade besonders deutlich geworden, als die Panne einer Stadtbahn zwischen den Haltestellen Hauptbahnhof und Stadtbibliothek am 20. Juni die Fahrgäste in ein Chaos stürzte.

Die Wartenden konnten sich nur noch wundern: Geraume Zeit zeigten die Tafeln am Charlottenplatz ohne Unterlass gleichbleibend an, die Stadtbahn Richtung Fasanenhof komme in drei Minuten, eine andere nach Möhringen in sechs Minuten. Dabei ging hier, nachdem noch eine Stadtbahn in Richtung Ruhbank abgefahren war, lange Zeit gar nichts mehr. So mancher Fahrgast wartete und wartete und wartete. Irgendwann, so die Überlegung, würde die Drei-Minuten-Wartezeit dann doch einmal schrumpfen. Doch das ließ auf sich warten.

System meldet den Fahrtzeitbedarf

Tatsächlich sollte man die Anzeige in solchen Situationen, wenn bei den schwer verständlichen Lautsprecherdurchsagen von einer Betriebsstörung die Rede ist, nicht immer ganz ernst nehmen. Der Grund: Das System meldet im Grunde nicht das Eintreffen, sondern den Fahrtzeitbedarf der Stadtbahn vom letzten Meldepunkt, den sie auf dem Weg zur betreffenden Haltestelle passiert hat. Bleibt sie dahinter liegen, bleibt auch ihr Fahrzeitbedarf, wie er an der Stelle gerade ist, erläutert die SSB-Pressestelle auf Nachfrage.

An Tagen wie dem 20. Juni könne man nicht an jeder Haltestelle die Anzeigetafel mit den passenden Fahrtzeiteninformationen zu bespielen. „An so einem Tag sind wir extrem mit der Verkehrssteuerung beschäftigt“, heißt es bei der Pressestelle, „Mensch und Maschine stoßen dann an Grenzen.“ So ist es auch zu erklären, dass Fahrgäste beispielsweise am Albplatz in Degerloch lange nur den Hinweis zu sehen bekamen, hinter dem Hauptbahnhof sei eine Störung und die üblichen Fahrzeiten träfen nicht mehr zu. Wann welche Bahn eintreffen könnte und ob sich das Warten lohnt, blieb dort ganz im Dunkeln. Dann könnte nur noch ein Smartphone mit SSB- oder VVS-App helfen. Aber Vorsicht, sagen erfahrene App-Anwender: Die Mobilitätsplattform Moovel von Daimler vermelde oft ganz andere Zeiten.

SSB: Vorausschauende Zusatzinformation

Eine andere Merkwürdigkeit können die Fahrgäste das ganze Jahr über beobachten: Manchmal zeigen die Tafeln beispielsweise den Halt einer Stadtbahn der Linie 1 in Richtung Fellbach in drei Minuten an – und dahinter einen weiteren Halt auf der selben Linie in 46 Minuten, allerdings mit dem Fahrtziel Mineralbäder. „Da geht es dann um sogenannte Einrücker in Richtung Stadtbahndepot oder in diesem Fall auf der Linie 1 um ein Fahrzeug, das bei den Mineralbädern auf die Strecke nach Remseck wechselt“, sagt Birte Schaper von der SSB-Pressestelle. Diese Informationsgebung sei eine vorausschauende Zusatzinformation, damit die Fahrgäste wissen, dass sie bei der Fahrt ans Aus- und Umsteigen beispielsweise an den Mineralbädern oder vor in Heslach vor dem Stadtbahndepot denken müssen. Keineswegs sollte man annehmen, dass im Fahrplan eine 43-minütige Lücke klafft.

Die SSB hätten entschieden, dass man an Haltestellen mit nur einer Linie nicht wie in manchen anderen Städten die Abfolge der nächsten Abfahrten anzeigt, sagt Schaper. Man informiere über die jeweils nächsten Abfahrten für unterschiedliche Linien – oder für unterschiedliche Fahrtziele auf einer Linie.

Das System der dynamischen Fahrgastinformation jedenfalls gilt der SSB als bewährt und soll weiter ausgebaut werden. Noch gebe es nicht an allen SSB-Haltestellen und Abgängen zu Stationen diese Anzeigetafeln. Aber manchmal spielt die Software schlicht einen Streich. Etwa, wenn in Möhringen eine Ziffer zu viel angezeigt wird (also 49 statt neun Minuten Wartezeit) oder wenn Anzeigetafeln gleich ganz schwarz bleiben.

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