In einem Pilotprojekt können Kunden nun mit einer Art Sammeltaxi zur nächsten Haltestelle gefahren werden. Foto: Oliver Willikonsky - Lichtgut

Die Stuttgarter Straßenbahnen AG und die Daimler-Tochter Moovel bieten Kunden nun an, sich via App ein Sammeltaxi zur nächsten Bus- oder Bahnhaltestelle zu bestellen. Der Service funktioniert vorerst aber nur in zwei Stadtbezirken.

Stuttgart - Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) und die Daimler-Tochter Moovel haben am Montag auf dem Gelände der Straßenbahnwelt in Bad Cannstatt das Pilotprojekt SSB Flex eingeläutet. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Fahrdienst, der einem Sammeltaxi ähnelt. In den vergangenen Monaten hatte es bereits eine Testphase unter dem Namen Flex Pilot gegeben. Der offizielle Pilotversuch dauert nun bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019. Dann entscheidet sich, ob der Pilotversuch in den Regelbetrieb übergeht.

SSB Flex funktioniert über eine App. Dort geben Kunden ihren gewünschten Start- und Zielpunkt ein. Die Software spuckt daraufhin mögliche Fahrten aus. Je nach Tageszeit und Standort sind reine Fahrten mit SSB Flex möglich, oder aber eine Kombination aus Fahrdienst, Bus und Stadtbahn.

Die in SSB-typischem Schwarz-Gelb gehaltenen Autos holen die Kunden an virtuellen Haltestellen ab, die bis zu 200 Meter von ihrem Standort entfernt sind. Dabei bündelt ein Algorithmus die Anfragen der Kunden und sammelt sie an unterschiedlichen Orten ein. Es sind 13 Autos im Einsatz, davon zwei elektrisch betriebene Modelle der B-Klasse und elf Kleinbusse der V-Klasse. „Künftig werden der öffentliche Nahverkehr und der Individualverkehr stärker verzahnt sein“, sagte Stefanie Haaks, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der SSB. Das Angebot soll den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen und potenzielle Kunden dazu anregen, ihr Auto zuhause zu lassen. Studien zeigten, dass das Bedürfnis nach Mobilität künftig weiter steige, es jedoch weniger Autos und weniger Parkplätze geben werde. „Diesen Widerspruch lösen wir mit Angeboten wie SSB Flex auf“, so Haaks.

Vorerst gilt der Service nur in Degerloch und Bad Cannstatt

Die SSB bietet den Service in der Pilotphase tagsüber zunächst in Degerloch und Bad Cannstatt-Ost an. Dort können Kunden die Sammeltaxis montags bis mittwochs von 6 bis 21 Uhr, donnerstags bis samstags gar bis 2 Uhr am Folgetag nutzen.

„Wir bieten den Service dort an, wo es eine geringe Nachfrage nach Bussen gibt und deren Einsatz sich wirtschaftlich nicht lohnt“, sagte Stefanie Haaks. So könne man bisherige weiße Flecken in den Außenbezirken bedienen.

In der Innenstadt sind die Flex-Taxis auch unterwegs, allerdings nur in den Abendstunden, nämlich donnerstags bis samstags von 21 Uhr bis 2 Uhr am Folgetag.

Der Mindestpreis für eine Fahrt liegt bei 2,20 Euro. Wie viel man zahlt, richtet sich nach der Strecke und der Anzahl der Mitfahrer. Den Preis sehen Kunden auf der App, bevor sie die Fahrt antreten.

Je mehr Kunden die App nutzen, deso schneller lernt das System

Die Software hinter SSB Flex beziehe aktuelle Verkehrsinformationen mit ein und basiere auf einem selbstlernenden Algorithmus, sagte Jörg Lamparter, der Daimlers digitale Mobilitätsdienste leitet. Je mehr Kunden SSB Flex nutzten, desto schneller lerne das System, künftige Bedarfe vorauszusagen, so Lamparter.

Die Stadt war durch Michael Münter vertreten. Der Referatsleiter der Abteilung für Strategische Planung und Nachhaltige Mobilität bezeichnete das Angebot als wichtigen Teil einer Gesamtstrategie. „Es gibt nicht die eine Lösung, sondern ein ganzes Mosaik an Bausteinen“, so Münter.

Weitere Bausteine seien das kürzlich gestartete Radleihsystem Regio Rad, der Elektro-Roller Stella der Stadtwerke oder die Schnellbuslinie X1, die von Oktober zwischen der Innenstadt und Bad Cannstatt pendeln soll.

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