Die S-Bahnen und die Stadtbahnen sind als Verkehrsmittel beliebt – auch bei den Mitarbeitern der Stadt Stuttgart Foto: dpa

Viel mehr Mitarbeiter der Stadt Stuttgart als gedacht wollen ein rabattiertes Jobticket für die Fahrt mit Bussen und Bahnen haben. Deshalb zogen die Stadträte jetzt Konsequenzen. Sie stellten weitere 1,4 Millionen Euro zur Verfügung und erhöhten die städtischen Mittel dafür auf rund 3,5 Millionen Euro.

Stuttgart - Die Stadträte haben den Weg frei gemacht: Die Stadt Stuttgart kann zusätzliche 1,4 Millionen Euro aufwenden, damit in diesem Jahr alle Mitarbeiter, die das wollen, ein subventioniertes Jobticket für die Fahrt in Bussen und Bahnen erhalten. Bei nur zwei Enthaltungen stimmte der Verwaltungsausschuss am Mittwoch zu, dass Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) und Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle (Grüne) über diese Summe verfügen können. Der Gesamtaufwand steigt damit auf 3,5 Millionen Euro.

Die Nachbewilligung ist die Folge davon, dass das neue bezuschusste Jobticket nicht nur 1200 zusätzliche Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs auf den Plan rief, wie die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) angenommen hatte, sondern gut 4733. Zusammen mit den Mitarbeitern, die das Jobticket schon in der früheren Form nutzten, fahren damit jetzt insgesamt knapp 10 183 Mitarbeiter auf das neue Angebot ab. Bald dürften es 10 400 sein. Die Kosten erreichen dann 3,55 Millionen Euro.

Trotz der Nachfrage ist die CDU weiter auf Distanz zu dieser Neuerung, die mit dem Namen von Grünen-OB Fritz Kuhn verbunden ist. Fraktionschef Alexander Kotz sprach erneut den sogenannten Mitnahmeeffekt an: dass auch die 5450 Mitarbeiter den finanziellen Vorteil mitnehmen konnten, die sich schon früher für die Dauerfahrkarte entschieden hatten. Wenn die Stadt für absolute Neukunden die Hälfte der Ticketkosten übernommen oder die Leasingraten für Elektromobile subventioniert hätte, wäre im Sinne der Schadstoffverringerung im Straßenverkehr mehr erreicht worden, meinte Kotz.

Aber das Jobticket sei im Rathaus halt mehrheitlich beschlossen worden. Daher müsse man es nun „mit Geld hinterlegen“. Rose von Stein (Freie Wähler) enthielt sich, weil sie von Anfang an ähnliche Vorbehalte gehabt hatte. Lothar Maier (AfD) mochte ebenfalls nicht zustimmen. Es könne ja nicht immer so weitergehen mit Nachbewilligungen, ­meinte er.

Grüne, SPD und FDP freuten sich über die „Erfolgsgeschichte“, wie Jochen Stopper (Grüne) das nannte. Natürlich komme es zu Mitnahmeeffekten. Aber jene zu bestrafen, die schon seit Jahren umweltbewusst mit Bus und Bahn fahren, wäre der falsche Weg, wandte auch Matthias Oechsner (FDP) ein.

Ein paar Wünsche blieben bei Verwaltung und Stadträten noch offen: dass die Mitarbeiter vom Verkehrsverbund VVS noch einen höheren Rabatt erhalten, weil die Stadt mit durchschnittlich 28,15 Euro pro Ticket einen deutlich höheren Zuschuss bezahle als andere Firmen, und dass die SSB von den Einnahmen, die das städtische Jobticket dem VVS beschert, mehr abbekommt. „Zurzeit sind das nur gut 40 Prozent der generierten Mehrerlöse“, sagte Föll.

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