Nahverkehr in Obertürkheim Gremium kritisiert die SSB AG

Von Georg Linsenmann 

Um die Busanbindung wird immer noch gerungen. Foto: Linsenmann
Um die Busanbindung wird immer noch gerungen. Foto: Linsenmann

Der Bezirksbeirat fordert die Koppelung der Buslinien 61 und 62 und Verlängerung der L 65.

Obertürkheim -

Den Anstoß zur neuerlichen Debatte im Bezirksbeirat haben zwei Anträge von Christoph Hofrichter (SÖS-Linke-Plus) gegeben. Hintergrund ist, dass die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) mit dem Fahrplanwechsel im Mai dieses Jahres die Linie 79, die als Verlängerung der L 65 von Plieningen aus über die Filder führte, eingestellt und damit eine recht direkte Verbindung vom Neckartal zum Flughafen gekappt hatte. Eine Sparmaßnahme, die auch gegen den erklärten Willen der Bezirksbeiräte von Hedelfingen, Sillenbuch und Birkach vollzogen wurde (wir haben berichtet).

Begründet wurde dies von der SSB mit mangelnder Rentabilität sowie der Angabe, mit der Verlängerung würde die Fahrt auch für den Buslenker zu lange dauern. Hinsichtlich des zweiten angegebenen Grundes nun hatte Hofrichter, von anderen bestätigt, mehrfach beobachtet, wie die von Rotenberg über Unter- nach Obertürkheim führenden Busse der L 61 oft schon vor Obertürkheim auf „L 65“ mit dem Zielpunkt Plieningen umgeschaltet werden. Auf dem Rückweg erfolge dies in umgekehrter Weise. Die Längenbegründung bei der Streichung der L 79 sei deshalb, so Hofrichter, „schlichtweg dreist“, denn die von der SSB geübte Praxis bedeute eine „für Fahrzeug und Fahrer bei weitem größere Strecke als die kurze, die von Plieningen Garbe (Endstation L 65) zum Flughafen benötigt würde“. Folglich beantragte er die Wiederaufnahme der regulären Verlängerung der Linie 65.

„Ärgerlicher Mangel an Transparenz“

Diese Praxis stieß im Gremium auf massives Unverständnis. Michael Jantzer (SPD) nannte das Vorgehen der SSB unlogisch, warf dem Verkehrsbetrieb einen „ärgerlichen Mangel an Transparenz“ vor und betonte: „Wir wollen eine Busverbindung zum Flughafen.“ Das Gremium schloss sich Hofrichters Antrag an, der nun als ein Antrag des Bezirksbeirates an die Stadt geht – mit der Aufforderung, entsprechend auf das städtische Unternehmen einzuwirken.

Identisch war das Ergebnis bei einem zweiten Antrag. Hofrichter forderte, „die Fahrpläne der Buslinie 61 bei der Kreuzung der Buslinien in Obertürkheim an den Fahrplan der Linie 62 anzupassen“. Derzeit entstehen an der Haltestelle in Obertürkheim bis zu 20 Minuten Wartezeit, weil die aus Uhlbach kommende L 62 zwar im 15-Minuten-Takt, die L 61 aber nur im 20-minütigen Abstand fährt. Ein Ansinnen, das vom Bezirksbeirat schon mehrfach artikuliert wurde, allerdings mit stets demselben Ergebnis: Ablehnung durch die SSB.

Forderung nach günstigerem „Nahversorgungsticket“

Damit will sich das Gremium aber nicht abfinden. Auch vor dem Hintergrund, dass in Uhlbach, Rotenberg und Luginsland Menschen ohne Auto allein schon für den Lebensmittelkauf auf eine Verbindung nach und von Obertürkheim angewiesen sind. In diesem Zusammenhang steht auch die mehrfach erhobene Forderung nach einem günstigeren „Nahversorgungsticket“. Mit dem Antrag wurde eine weitere Forderung verbunden, die Jantzer so formulierte: „Wir wollen zum Nahverkehr eine Diskussion mit den SSB haben, und zwar direkt hier im Bezirksbeirat.“ Dazu werden nun die Zuständigen des Verkehrsunternehmens eingeladen werden.

Redaktion Obertürkheim

Ansprechpartnerin
Caroline Friedmann
obertuerkheim@stz.zgs.de

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