Die Bahn kommt – OB Werner Spec und Landrat Rainer Haas beteuern, für Stadtbahn (hier ein Foto aus Straßburg) und Schnellbusse an einem Strang zu ziehen. Foto: factum, Höhn/Archiv

Die Ludwigsburger Stadträte bekennen sich am Dienstagabend einstimmig zum Kompromiss mit dem Landrat. Doch was passiert nun konkret nach der Einigung zur Stadtbahn im Kreis Ludwigsburg?

Ludwigsburg - Es ist nicht das erste Mal, dass ein Durchbruch für die Stadtbahn verkündet wird. Genau genommen schon das dritte Mal: Im Sommer 2017 und im vergangenen Herbst hatten sich OB und Landrat schon einmal geschworen, nun in Sachen Stadtbahn an einem Strang zu ziehen, um gleich wieder uneins zu sein. Doch diesmal sollen alle Streitfragen bis ins Detail geklärt sein – ohne Hintertürchen.

Wie sieht die Einigung aus?

Werner Spec und Rainer Haas sind offenkundig aufeinander zugegangen. So stellt der OB die Schnellbusse als einen Teil einer Ludwigsburger Strategie vor. Er sieht sie als „deutschlandweite Innovation“ und einen Schritt, um Fahrverbote für Dieselautos in der Stadt zu verhindern. Auch Haas bekennt sich dazu, die BRT (Bus Rapid Transit) genannten Busse zu unterstützen – und zur Hälfte zu finanzieren. Im Gegenzug bekennt sich Spec zur Stadtbahn.

Beim Pressegespräch beteuern Haas und Spec tatsächlich mehrfach, künftig konstruktiv zusammenzuarbeiten. „Unsere Anliegen sind aufgegriffen worden“, sagt Spec. Haas ergänzt: „Das ist endlich der Startschuss für die Planungen.“ Bei einem Gipfeltreffen am Montag wurde hart um Formulierungen gerungen. Haas und Spec erklären aber nun öffentlich, die Streitpunkte seien endgültig ausgeräumt worden.

Stimmt auch der Gemeinderat zu?

Ein Problem in dem 20 Jahre lang währenden Streit war der Zwist im Ludwigsburger Stadtrat. CDU, Freie Wähler und FDP standen sich Grünen und SPD gegenüber. Nun herrscht große Einigkeit, der stadtbahn-skeptische Freie-Wähler-Sprecher Reinhardt Weiss hat eine fraktionsübergreifende Initiative ergriffen. Am Dienstag wird der Kompromiss im Bauausschuss einstimmig und unter Beifall beschlossen. „Ein historischer Tag für Ludwigsburg“, findet die SPD-Sprecherin Margit Liepins, Armin Haller (Grüne) spricht vom „gelösten gordischen Knoten“.

Wohin fährt die Stadtbahn?

Von 2030 an soll eine Stadtbahn mit niedrigen Einstiegen („Niederflur“) von Markgröningen über Ludwigsburg nach Pattonville rollen. Dort soll man in die verlängerte SSB-Hochflurbahn nach Remseck umsteigen können. Zudem gibt das Landratsamt eine Studie in Auftrag, um die Niederflurbahn bis zur Wüstenrot-Zentrale in Kornwestheim und zum Bosch-Standort Schwieberdingen zu führen. Haas dazu: „Es sieht recht gut aus, bedarf aber noch einiger Anstrengung.“ Die komplizierte Engstelle am Ludwigsburger Bahnhof soll schnell durchgeplant werden.

Wohin fahren die Schnellbusse?

Die BRT-Busse sollen bis 2021 von Ludwigsburg bis Remseck und in die Ludwigsburger Oststadt verkehren. Sie sind sozusagen ein Vorlauf und eine Ergänzung für die spätere Stadtbahn. Werner Spec kündigte an, in den nächsten Tagen genaue Pläne vorzulegen. Spannend ist die Frage, ob eine Busspur in der Innenstadt eingerichtet wird, etwa in der Wilhelmstraße.

Was kosten die Projekte?

Die Stadtbahn ist bisher mit 219 Millionen Euro veranschlagt, ein großer Teil soll von Bund und Land gefördert werden. Dabei sind Wüstenrot und Bosch/Schwieberdingen aber noch nicht eingerechnet. Die Schnellbusse kosten 41 Millionen Euro, auch hier setzt man auf Zuschüsse. Landkreis und die Kommunen müssen sich noch auf eine Kostenverteilung einigen.

Wie geht es weiter?

Zunächst müssen der Kreistag und die Gemeinderäte aller Kommunen zustimmen. Dann gehen die Planer ans Werk. Die erste Neuerung werden die BRT-Schnellbusse sein, hier ist Ludwigsburg am Zug.

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