Nahverkehr in Ludwigsburg Stadtbahn: Landrat Haas sucht Kompromiss im Streit mit OB Spec

Von Rafael Binkowski 

Landrat Rainer Haas (rechts hinten) hat die Bürgermeister ins Landratsamt geladen. Foto: factum/Granville
Landrat Rainer Haas (rechts hinten) hat die Bürgermeister ins Landratsamt geladen. Foto: factum/Granville

Im Nahverkehrsstreit zwischen dem Ludwigsburger OB Werner Spec und dem Landrat Rainer Haas strebt Letzterer eine Lösung an: Er will sich mit Spec treffen und einen Vertrag aushandeln.

Ludwigsburg - Der große Bürgermeisteraufstand gegen die große Barockstadt Ludwigsburg ist erst einmal abgeblasen. Der Landrat Rainer Haas hat sich mit den Rathauschefs von sieben Kommunen beraten – und seine Pläne zurückgestellt, notfalls die gelben Wagen der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) mit ihren hohen Einstiegen an der Stadt Ludwigsburg vorbei durch den Kreis rollen zu lassen.

Dies schien doch zu gewagt, weil kaum wirtschaftlich zu betreiben, in Stuttgart schwer umsetzbar – und auch nicht unbedingt im Interesse der Nachbarkommunen liegend. So betont etwa der Markgröninger Schultes Rudolf Kürner: „Für uns ist es wichtig, nach Ludwigsburg zu fahren.“ So stellen Haas und die Bürgermeister von Remseck bis Kornwestheim den Wunsch nach einer SSB-Bahn zurück.

„Einer von beiden muss sich bewegen, das sind wir“, sagt der Landrat nun auf einer Pressekonferenz am Montag. Wenn denn Ludwigsburg unbedingt wolle, wäre man bereit, alle Kapazitäten auf die Planung der Niederflurbahn zu konzentrieren. Das wäre ein eigenes System mit niedrigen Einstiegen à la Straßburg, das freilich nicht mit dem SSB-Netz kompatibel ist.

Misstrauen der Nachbarn gegenüber Ludwigsburg

Zur Erinnerung: Genau darauf hatten der Kreis und die Städte und Gemeinden vor zwei Jahren schon einmal verständigt. Doch den Landrat und die Umland-Bürgermeister beschlichen immer mehr Zweifel, dass der Ludwigsburger OB Werner Spec und die bürgerliche Ratsmehrheit die Niederflurbahn auch wirklich bauen wollen.

Daher betonen alle Bürgermeister und der Landrat unisono: „Uns geht es um Verbindlichkeit.“ Misstrauisch machen die von Spec und den Stadträten vernommenen Äußerungen, man wolle erst Schnellbusse und eine wasserstoffgetriebene Bahn nach Markgrönigen bauen, ehe man sich endgültig auf den Bau einer Niederflurbahn festlege. „Wir geben nicht Millionen für die Planung aus, wenn ein Partner sich nicht klar bekennt“, sagt etwa der Kornwestheimer Vize-Bürgermeister Karl Allgaier. Der Remsecker OB Dirk Schönberger spricht gar von „Kirchturmpolitik“, und Rudolf Kürner bekennt: „Für Luftbuchungen geben wir kein Geld aus.“

Und so hat sich der Landrat einen Vertrag erdacht, den er mit Ludwigsburg abschließen will. Im Verwaltungsdeutsch nennt sich das „öffentlich-rechtliche Vereinbarung“. Darin sollen sich alle Partner dazu bekennen, die Niederflurbahn nicht nur zu planen, sondern auch zu bauen.

Haas: Ludwigsburg soll Linien in die Oststadt bezahlen

Zudem will Haas festhalten, dass diese eigenständige Bahn über mindestens 22 Kilometer eigenes Netz verfügt – mit zwei Verbindungen in die Ludwigsburger Oststadt. Und für diese Verbindungen soll die Barockstadt alleine aufkommen, wie Haas betont: „Es ist nicht einzusehen, dass die anderen Partner den Ludwigsburger Stadtverkehr finanzieren.“ Nach einer groben Schätzung könnten das 50 Millionen Euro sein, die die Kreishauptstadt allein stemmen müsste, sagt der Landrat.

Dies hat der Kreischef auch in einen Brief an OB Werner Spec formuliert, verbunden mit einem Gesprächsangebot. „Man muss das nicht sofort entscheiden, sondern in Ruhe nachdenken“, sagt er, „ich bin jetzt erst einmal im Urlaub.“

Und wenn Ludwigsburg sich darauf nicht einlässt? Dann sollen doch die SSB-Pläne ohne Ludwigsburg wieder aus der Schublade. Haas denkt daran, mit einer eigenen Stadtbahn auch ohne Zustimmung der Stadt nach Ludwigsburg einzufahren: „Ich halte das für realistisch.“

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