Blick von oben auf das Gelände: Der Parkplatz zwischen der ehemaligen Pharma-Firma Müller und der Fischstraße soll für zwei Jahre zum Omnibusbahnhof werden. Foto: Giacinto Carlucci

Wenn die Stadt Göppingen einen neuen Busbahnhof am alten Standort baut, wird ein Provisorium beim Staufen-Pharma-Areal eingerichtet. Der Grundsatzbeschluss scheint sicher. Was das für Nutzer bedeutet und wie es weiter geht.

Der Standort für den Ausweich-ZOB in Göppingen ist gefunden. Im Ausschuss für Umwelt und Technik deutete sich eine klare Mehrheit dafür an, das zweijährige Provisorium am ehemaligen Pharma-Müller-Areal anzudocken. In dieser Woche soll der Gemeinderat den Standort festzurren und den Planungsbeschluss fassen. Allein die Planung des Ausweichstandorts soll 100 000 Euro kosten.

 

Der derzeitige Omnibusbahnhof muss barrierefrei werden

Der Anlass für den riesigen Aufwand ist, dass die Stadt gehörig unter Zugzwang steht: Der derzeitige Omnibusbahnhof muss barrierefrei werden. So verlangt es ein Gesetz. Weil das aber in dem bestehenden Raster auf dem erst 34 Jahre alten ZOB nicht geht, hat man sich in der Kreisstadt für einen kompletten Neubau entschieden. Die Folge: Für die zwei Jahre währende Bauzeit des neuen ZOB muss der zentrale ÖPNV-Knoten umziehen. Die Stadt hat mehrere Standorte geprüft und kam zu dem Ergebnis: In dem Karree zwischen der Bahnhofstraße, der Willi-Bleicher-Straße, der Straße „Am Fischbergele“ und der Fischstraße würde der Platz dafür gerade so ausreichen. Dort parken derzeit immer etwa 80 Autos. Auch die Händler des Wochenmarkts stellen auf dem Gelände ihre Fahrzeuge ab. Dafür müsse eine Lösung her, meinte Baubürgermeisterin Eva Noller im Ausschuss.

Auf dem grundsätzlich geeigneten Schotter-Areal müssten auch einige Rahmenbedingungen für den Betrieb als ZOB geschaffen werden, erklärte die Baubürgermeisterin. Es müsse eine Beleuchtung installiert, Wegweiser errichtet und Fußgängerströme gesteuert werden – und es sind Tiefbauarbeiten erforderlich, denn das Gelände ist abschüssig. Das alles muss gut geplant werden. Außerdem seien Abstimmungen mit den Nutzergruppen wie Fahrgäste und Busunternehmen, aber auch mit dem Landratsamt und dem VVS nötig, so Noller. Ziel: Einen möglichst reibungslosen Ablauf des Nahverkehrs zu gewährleisten. Für die Planungen rechnet die Stadt mit 100 000 Euro. Stadtrat Mathias Bildlingmaier (FDP/FW) bat darum, beim Provisorium finanziell nicht übers Ziel hinauszuschießen: „Es ist schließlich nur eine Interimslösung für zwei Jahre.“

Baubeginn für den neuen ZOB soll im Sommer 2026 sein

Im Ausschuss poppte aus den Reihen der FWG-Fraktion kurz die Debatte auf, ob der ZOB nicht generell an diesen Standort verlegt werden sollte. Doch die anderen Fraktionen winkten ab. Das sei alles schon oft geprüft und verworfen worden. Vor allem deshalb, weil der Platz viel zu weit vom Bahnhof entfernt sei – nicht nur für gehbehinderte Menschen. Es sei ja absurd, den Busbahnhof barrierefrei zu bauen, ihn dann aber für Umsteiger so ungünstig zu platzieren. Während der Bauphase des neuen ZOB müssen die Nutzer die längere Strecke allerdings in Kauf nehmen. Baubeginn für den neuen ZOB soll im Sommer 2026 sein. Diesen Zeitplan nannte Noller allerdings „sehr optimistisch“. Sie rechne eher mit 2027. Bis dahin muss das Provisorium auf jeden Fall fertig sein.

Die Pläne für den neuen Busbahnhof

Prozess
 Am Wettbewerb für die Gestaltung des neuen Omnibusbahnhofs an der Bahnhofstraße hatten sich 17 teils sehr namhafte Büros beteiligt. Mit einstimmigem Votum hat das Preisgericht nach komplexer Bewertung die Bürogemeinschaft Uniola AG mit Hieber, Marquart, Lay und Bollinger + Grohmann, alle aus Stuttgart, mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Pläne
Dieser Entwurf sieht für den Zentralen Omnibusbahnhof eine prägnante Dachkonstruktion in der Mitte des Platzes vor. Das neue Dach hat die Form eines flachgelegten „ß“. Es gibt geschlossene und mit Photovoltaik-Zellen versehene Dachflächen und offene, mit Lamellen besetzte Strukturen.