Fellbach bei den Fahrgastinfos am teureren, aber auch besser lesbaren Modell festhalten. Foto: Patricia Sigerist

Fellbach und Kernen rüsten nun weitere Bushaltestellen mit dynamischen Fahrgastinformationen aus.

Fellbach/Kernen - Beim Nahverkehr gehen mitunter selbst Nachbarkommunen einen eigenen Weg. Die Stadt Fellbach und die Gemeinde Kernen haben sich für die dynamischen Fahrgastinfos an der Bushaltestelle jedenfalls für verschiedene Modelle entschieden. Während in Fellbach mit einem klassischen Display über die Abfahrtszeiten der Busse und etwaige Verspätungen aufgeklärt wird, wählt die Nachbargemeinde eine Light-Version.

Das Rathaus rechnet mit Kosten zwischen 2000 und 4500 Euro für das Modell

Sie ist kleiner und günstiger als das größere und auch aus der Entfernung besser lesbare Format. Der Unterschied beim Komfort hat preisliche Folgen: Laut einer Broschüre des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) liegen die Anschaffungskosten für die Hardware im fünfstelligen Bereich – als Einstiegspreis. Die Nahverkehrsstrategen haben den Kommunen deshalb jüngst erst die Light-Version schmackhaft gemacht. Bei den Kosten geht der VVS pro Gerät von einem Preis zwischen 3000 und 6000 Euro aus. Noch günstiger sollen laut einer Auskunft der Gemeindeverwaltung in Kernen die beiden solarbetriebenen Fahrgastinfos sein, die in der Waiblinger Straße beim Bahnhof stehen und mit der Datenübertragung per Mobilfunk demnächst in den Probebetrieb gehen. Das Rathaus rechnet mit Kosten zwischen 2000 und 4500 Euro für das Modell – im Vergleich zur Vollversion des Displays geradezu ein Schnäppchenpreis.

Auch der VVS schlägt die Light-Variante

Die Stadt Fellbach will trotz des Preisunterschieds auch weitere Haltestellen mit den bereits am Bahnhof und an der Lutherkirche aufgestellten Monitore bestücken. „Wir haben uns bewusst gegen die Light-Version entschieden. Man kann auf den klassischen Bildschirmen mehr Informationen unterbringen“, sagt Stadtsprecherin Sabine Laartz. Die bessere Lesbarkeit des leuchtenden Displays macht es auch für stark frequentierte Haltestellen geeignet. Auch der VVS schlägt die Light-Variante vor allem für „mittelstark“ genutzte Haltestellen vor, wie die in Kernen für die weitere Aufrüstung geplanten Haltestellen in der Klosterstraße, bei der Diakonie Stetten in der Schlossstraße in beiden Richtungen und an der Karlstraße in Richtungen Waiblingen und Fellbach. Auch in Fellbach sollen sukzessive weitere Haltestellen mit Displays nachgerüstet werden, verspricht die Stadt. Ausgesucht dafür sind die Bus-Stopps Alte Kelter, Kappelbergstraße, Mozart- und Wernerstraße, Rems-Murr-Center und Philipp-Paulus-Heim. Am Halt Esslinger Straße steht schon der wegen seiner Form über Eck rathausintern „Galgen“ genannte Mast. Auch die Haltestelle Tainer Straße ist für die Geräte vorbereitet. Allerdings kommen neue Monitore nur, wenn auch die erhofften Zuschüsse fließen.

Der über drei Jahre abrufbare Zuschusstopf hat ein Volumen von 600 000 Euro

Interessanterweise wird die Ausrüstung von Haltestellen mit Fahrgastinfos von verschiedenen Fördertöpfen unterstützt. Die Stadt Fellbach erwartet Geld aus dem Gemeindeverkehrs-Finanzierungsgesetz. Kernen hingegen erhält Zuschüsse aus einem Förderprogramm des Rems-Murr-Kreises. Der über drei Jahre abrufbare Zuschusstopf hat ein Volumen von 600 000 Euro. Laut Leonie Ries, Sprecherin des Landratsamts, haben einige Kreiskommunen ihr Interesse an dem Programm bekundet. Förderanträge aber wurden noch nicht gestellt – bevor Geld fließt, müssen der Umbau abgeschlossen und die Rechnungen eingereicht werden. Immerhin ein Viertel der Baukosten verspricht die Kreisbehörde zu tragen.

Der Stadt Fellbach und der Gemeinde Kernen geht es mit den Fahrgastinfos auch um einen weiteren Baustein für mehr Barrierefreiheit. Aktuelle Daten über Abfahrtszeiten und Verspätungen soll es auch für Menschen ohne Smartphone geben – statt mit den Spezial-Apps von VVS oder Bahn hantieren zu müssen, soll die Pünktlichkeit auf einen Blick ins Auge fallen. Aus Gründen des Barrierenabbaus werden einzelne Haltestellen auch mit einer Vorlesefunktion für Sehbehinderte ausgestattet, die per Knopfdruck funktioniert. In die Anlage bei der Lutherkirche ist die „Text-to-Speech“-Funktion, wie es neudeutsch heißt, bereits integriert. In Kernen ist eine solche Funktion für die beiden Fahrgastinfo-Geräte bei der Diakonie Stetten geplant. Der Taster mit der Vorlesefunktion ist bei den doppel-seitigen Light-Anzeigern zum Aufpreis von etwa 1000 Euro erhältlich.

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