Nahverkehr in der Region Stuttgart VVS steuert auf Fahrgastrekord zu

Von Thomas Durchdenwald 

Busse und Bahnen sind in diesem Jahr stark frequentiert. Auf unserem Bild drängen Fahrgäste in die Stadtbahn in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Busse und Bahnen sind in diesem Jahr stark frequentiert. Auf unserem Bild drängen Fahrgäste in die Stadtbahn in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Debatte um die Pünktlichkeit der S-Bahn und der Regionalzüge bringt den VVS nicht vom Erfolgskurs ab. Auch in diesem Jahr werden die Fahrgastzahlen deutlich steigen. Wir haben die genauen Zahlen für die ersten drei Quartale im Jahr 2017.

Stuttgart - Ungeachtet aller Pünktlichkeitsprobleme mit Regionalzügen und S-Bahnen in diesem Jahr peilt der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) in diesem Jahr einen neuen Rekord an Fahrten im öffentlichen Nahverkehr in der Region Stuttgart an. Bis zum Ende des dritten Quartals liegt die Zahl der Fahrten mit rund 276 Millionen um 2,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Das Plus von rund sechs Millionen Fahrten beruht vor allem auf Steigerungen im Berufsverkehr und bei den Seniorentickets.

Das wirkt sich auch positiv bei den Einnahmen aus. Bis Ende des dritten Quartals bezahlten die Fahrgäste rund 384 Millionen Euro – 2,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wobei dabei die Tariferhöhung um 1,9 Prozent zu Beginn des Jahres 2017 berücksichtigt werden muss. „Wir gehen davon aus, dass die Kunden auch im letzten Quartal vermehrt Bahnen und Busse nutzen“, sagt VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger. Er rechnet fest damit, „dass wir auch in diesem Jahr einen neuen Fahrgastrekord erreichen werden“.

Im Jahr 2016 gab es knapp 376 Millionen Fahrten, schon damals eine Steigerung um 2,6 Prozent gegenüber 2015 und ein Rekordwert. Diesen Zuwachs werde man 2017 wohl auf jeden Fall wieder erreichen, glauben Hachenberger und sein Mitgeschäftsführer Horst Stammler, der sagt: „Zum Wachstum hat vor allem die gute Konjunktur mit der hohen Beschäftigung beigetragen.“ Dabei setzen die beiden VVS-Chefs vor allem darauf, dass das in der winterlichen Feinstaubperiode von Mitte Oktober bis Mitte April ständig angebotene verbilligte Umwelttagesticket und das von Arbeitgebern bezuschusste Firmenticket eine vermehrte Nachfrage auslösen.

Zuwachs auch in diesem Jahr

Besonders positiv vermerkt der VVS die steigende Zahl von Stammkunden. Rund 370 000 Fahrgäste nutzen ein VVS-Ticket, das länger als einen Monat gilt, ein VVS-Jahresabo haben 187 000 Pendler (plus 12,1 Prozent). Dabei weist der Berufsverkehr, wozu der VVS alle Zeittickets für Erwachsene zählt, mit 4,8 Prozent eine überproportionales Wachstum auf.

Besondere Angebote von Firmen

Das gilt auch für die Firmentickets, die mittlerweile von mehr als 620 Unternehmen mit mindestens zehn Euro pro Monat unterstützt werden und bei denen die Mitarbeiter dann zusätzlich einen Rabatt von zehn Prozent gegenüber den Jahreskarten erhalten. Ihre Zahl ist von 72 300 Anfang des Jahres auf knapp 76 000 Ende September gestiegen. Die Großunternehmen Daimler und Allianz sind in diesem Jahr dazugekommen. Zuletzt haben das Land und Porsche angekündigt, ihren Zuschuss auf 25 und 20 Euro zu erhöhen. Zudem zahlen Porsche und Bosch an Feinstaubalarmtagen die Bahn- und Busfahrkosten ihrer Mitarbeiter, der Firmenausweis gilt dann als Ticket. „Das ist ein gutes Beispiel für umweltfreundliche Mobilität“, sagt Stammler.

Ein Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum gibt es auch bei den Seniorentickets (3,2 Prozent) und bei den Einzel-, Vierer- und Tagestickets (4,5 Prozent). Dabei spielt aber eine Rolle, dass das Einzelticket an Feinstaubalarmtagen bis April zum halben Preis verkauft wurde. Diese Regelung, die während des letzten Winterhalbjahrs gut zwölf Millionen Euro kostete und wegen der starken Ermäßigung von VVS-Stammkunden kritisiert worden war, wird vom Umwelttagesticket abgelöst. Wie stark dies nachgefragt wird, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, so der VVS.

Intern wird aber mit einem Einnahmeverlust von rund vier Millionen Euro gerechnet, wovon das Land die Hälfte übernimmt. Die andere Hälfte bleibt an den Verkehrsunternehmen hängen.

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