Seit 2002 hat Jürgen Wurmthaler für die Region Stuttgart den S-Bahnverkehr geplant. Nun geht er in den Ruhestand. Der Nachfolger muss sich um einen neuen S-Bahnvertrag kümmern.
Die Titel kommt etwas sperrig daher: Leitender Direktor für Wirtschaft und Infrastruktur des Verbands Region Stuttgart. Für viele ist es schlicht „Mister S-Bahn“, weil sich der Stelleninhaber vor allem um den Betrieb und den Ausbau des S-Bahnangebots kümmert. Von 1. Januar an ist diese mit Blick auf den Zustand der S-Bahn herausfordernde Stelle neu besetzt.
Mit 68 von 72 Stimmen hat die Regionalversammlung am Mittwoch Daniel Deubel in dieses Amt gewählt. Er folgt auf Jürgen Wurmthaler, der nach 32 Jahren beim Verband, davon 23 Jahre als Direktor für Wirtschaft und Infrastruktur, in den Ruhestand geht. Die Regionalräte haben sich mit der Wahl des 45-jährigen Deubels für Kontinuität entschieden. Der neu gewählte Direktor ist seit 2014 als Referent für Verkehrswirtschaft bei der Region tätig.
In seiner Bewerbungsrede sagte Deubel: „Mobilität ist das Fundament unserer wirtschaftlichen Stärke und unserer Lebensqualität. Die S-Bahn ist das Herzstück“. Dass das System aber immer wieder bedrohlich nahe am Infarkt operiert, ist Deubel bewusst. „Qualität und Pünktlichkeit müssen oberste Priorität haben“, sagt er. Die Realität für die Fahrgäste sieht heute häufig anders aus.
Zahllose Baustellen bremsen den S-Bahnverkehr
Die S-Bahn leidet insbesondere unter der lange vernachlässigten Infrastruktur. Nun, da diese Mängel im Hauruckverfahren beseitigt werden, bremsen zahllose, auch kurzfristig anberaumte Baustellen, jenes Verkehrsmittel aus, das einmal als Rückgrat des Nahverkehrs in der Region Stuttgart apostrophiert wurde. Trotz allem sind im vergangenen Jahr mehr als 104 Millionen Menschen mit der S-Bahn Stuttgart unterwegs gewesen.Mobilität sei mehr als Fortbewegung – „sie ist Teilhabe. Wer mobil ist, hat Zugang zu Arbeit, Bildung, Kultur und sozialen Kontakten“, so Deubel. Deshalb sei die Verkehrswende „nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein soziales Projekt“.
Der Wahl Deubels war ein längerer Suchprozess vorausgegangen. Auf eine Ausschreibung hin gingen bei der Region 34 Bewerbungen ein. Eine beauftragte Agentur sprach darüber hinaus noch mit mehr 70 potenziellen Kandidaten. Aus dem mehr als 100 Personen umfassenden Kreis, präsentierten sich sich schließlich sieben Personen der Findungskommission.
Neuer S-Bahnauftrag muss her
Eine der ersten großen Aufgaben von Daniel Deubel wird es sein, die neuen Rahmenbedingungen für den S-Bahnverkehr der Zukunft festzuzurren. Der aktuelle S-Bahnvertrag, in dem die Region die DB Regio mit dem Verkehr betraut hat, läuft 2032 aus. Aufgrund des schieren Umfangs und der Komplexität der Aufgabe ist die Region bereits jetzt ins Ausschreibungsverfahren eingestiegen. Hier sieht Deubel Stellschrauben. Die Region müsse das Vergabeverfahren „so gestalten, dass es uns ermöglicht, eine attraktive, leistungsfähige und zeitgemäße S-Bahn in der Region umzusetzen“. Dazu gehörten moderne Fahrzeuge, kundenfreundlicher Service und ein Umfeld, in dem sich die Menschen wohl und sicher aufgehoben fühlen“. Matthias Glaub, Chef der S-Bahn Stuttgart, der am Mittwoch auf den Zuhörerbänken saß, wird’s vernommen haben.