Die Ticketpreise im Nahverkehr der Region Stuttgart steigen. Muss am Angebot gespart werden? Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Zum 1. September sollen VVS-Tickets um 5,9 Prozent teurer werden. Kritik gibt es – doch verhindern kann die Politik die Erhöhung nicht. Drohen bald auch Angebotskürzungen?

Die Ticketpreise für Bus und Bahn im Bereich des Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) sollen zum 1. September um durchschnittlich 5,9 Prozent steigen. Diesen Vorschlag hat der VVS auf den Tisch gelegt und orientiert sich dabei an den Kostensteigerungen, die die Unternehmen geltend machen, die die Busse und Bahnen betreiben.

 

Ehe der Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung des VVS Ende März einen Knopf an die Sache machen, befassen sich die politischen Gremien im Verbundgebiet mit dem Vorschlag. Den Auftakt hat der Verkehrsausschuss der Region gemacht. Dieser Veranstaltung und allen folgenden in den Räten und Ausschüssen der Landeshauptstadt sowie der Landkreise ist eines gemeinsam: die gewählten Volksvertreter können zwar die Pläne zur Kenntnis nehmen, vereiteln können sie diese aber nicht. Wer sich gegen die Preiserhöhungen sperrt, muss den Verkehrsunternehmen aus der eigenen Kasse den gestiegenen Aufwand ausgleichen.

Diese Erkenntnis, aber auch das Wissen, dass mit der nun anstehenden Tariferhöhung die Preise lediglich für 20 Prozent der Nutzer Folgen hat – alle anderen sind mittlerweile mit dem nicht betroffenen Deutschland-Ticket unterwegs – hat den Ton in der Debatte im regionalen Verkehrsausschuss geprägt. Elmar Steinbacher (CDU) bekannte, diese Erhöhung „weder schönreden zu wollen, noch zu können“. Angesichts der desolaten Leistungen insbesondere der S-Bahn könne man der Preissteigerung eigentlich nicht zustimmen. „Wir werden an einer Aufgabenkritik nicht vorbeikommen.“

Muss über Kürzungen im Angebot diskutiert werden?

Einen ähnlichen Ton schlug Frank Buß (Freie Wähler) an. „Die ständigen Kostensteigerungen für die Kunden können kein Automatismus sein“, sagte er und erinnerte daran, dass man die Angebote stetig ausgebaut habe. Man müsse nun daran gehen, das eine oder andere wieder kritischer zu hinterfragen. „Diese Aufgabe wird uns niemand abnehmen.“ Philipp Buchholz (Grüne) warnte hingegen vor einer Diskussion über etwaige Kürzungen bei Bus und Bahn. „Wir müssen da gar nichts abbestellen. Das nimmt uns schon die Deutsche Bahn ab“, sagte er. Ein sarkastischer Hinweis auf die nicht endenden wollenden Baustellen im Schienennetz in der Region.

Die S-Bahn tut sich schwer mit der Erholung nach der Coronakrise. Im vergangenen Jahr fehlte immer noch jeder fünfte Fahrgast im Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie. 2019 reisten knapp 133 Millionen Menschen mit der S-Bahn, 2025 waren es 105,9 Millionen Passagiere. Wie lange sich das hartnäckige Baustellengeschehen noch auf die Leistung der S-Bahn auswirkt, ist unklar. Es steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Bau des Digitalen Knotens Stuttgart und von Stuttgart 21. Wann beide Projekte in Betrieb genommen werden können, will die Deutsche Bahn im Sommer prognostizieren.

Deutschlandticket wurde um 8,6 Prozent teurer

Thomas Leipnitz (SPD) wollte das Argument nicht gelten lassen, dass die nun angekündigten Preiserhöhungen ja lediglich einen kleinen Teil der VVS-Fahrgäste treffen würde. Denn auch die Kosten für den Rest, die das Deutschlandticket nutzen, hätten mittlerweile „ein toxisches Niveau erreicht“. Das deutschlandweit gültige Nahverkehrsabo kostet seit 1. Januar pro Monat 63 Euro. Der Preissprung zum Jahreswechsel bedeutet eine Steigerung um 8,6 Prozent. Das Deutschlandticket habe eine schädliche Wirkung auf das betriebswirtschaftliche Ergebnis der Verkehrsunternehmen im VVS, stellte Michael Mayer (AfD) fest.

Bei vier Gegenstimmen gab das Gremium mehrheitlich Regionaldirektor Alexander Lahl grünes Licht, in der VVS-Gesellschafterversammlung der Preiserhöhung zuzustimmen.