Stuttgarts Theatergänger müssen aufs Kombi-Ticket verzichten. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Das Theater der Altstadt und die Schauspielbühnen können die VVS-Mehrkosten nicht an die Theatergänger weitergeben. Doch warum ist eigentlich bei einigen Veranstaltungen der Fahrpreis für Bus und Bahn in der Eintrittskarte enthalten und bei anderen nicht?

Stuttgart - Die einen haben sie, die anderen nicht: die Eintrittskarte zur Veranstaltung mit dem Fahrpreis inklusive für den VVS. Und bei Kulturveranstaltungen sitzen die mal durchaus Sitz an Sitz – im Theater der Altstadt etwa. Oder im Alten Schauspielhaus sowie in der Komödie im Marquardt. Das sind zwei von einigen weiteren Bühnen in der Innenstadt, die das Kombi-Ticket des VVS noch nicht im Angebot haben.

Die Kulturgemeinschaft bietet viel

Doch in Stuttgart gibt es ja auch noch die Kulturgemeinschaft. Und bei deren Tickets auch für die Theater ist der Fahrpreis hin und zurück mit dem VVS da schon drin. Gab es da schon mal Neiddiskussionen zwischen Sitznachbarn? – Nein, heißt es aus diesen Theatern.

Denn auch hier geht es vor allem ums Geld: Was will der VVS von den Veranstaltern, was können diese davon auffangen, was können sie von den Mehrkosten weitergeben an das Publikum? Die Rechnung, je mehr Publikum, umso leichter lassen sich die Kosten verteilen, ist naheliegend, geht aber nicht immer auf.

Theater der Altstadt will die Wahllösung

Ins Theater der Altstadt gehen mehr als 20 000 Besucher jährlich. Wie das Theater Tri-Bühne oder die Rampe gehört es zu den kleineren Theatern der Stadt. Gunther Haas, der Leiter des künstlerischen Betriebsbüros vom Theater der Altstadt: „Die Zuschauer fragen uns schon, ob wir das anbieten, wir rechnen das auch immer wieder durch. Aber die Rechnung geht nicht auf. Wir müssten die Mehrkosten komplett auf die Eintrittspreise aufschlagen.“

Das ist auch deshalb nicht möglich, da das Theater der Altstadt im vergangenen Jahr in eine finanzielle Schieflage geraten ist. Deshalb gab es eine Sonderzuwendung von der Stadt in Höhe von 60 000 Euro, mit der die Probleme des Hauses freilich nicht behoben sind. Die Eintrittspreise mussten dazu ebenfalls angehoben werden. Eine weitere Erhöhung jetzt schon wieder will gut überlegt sein. Haas schlägt deshalb vor: „Die Zuschauer sollten selbst entscheiden können, ob sie eine Theaterkarte mit oder ohne Kombi-Ticket haben wollen. Das könnten die Buchungssysteme ohne Probleme berücksichtigen.“ Das sei auch der Wunsch anderer kleiner Bühnen in der Stadt, so Haas. Für die Theatergänger würde sich das auch rechnen. Für die derzeit schon realisierten Kombi-Tickets werden je nach Rechenmodell zwischen ein und zwei Euro für die Hin- und Rückfahrt beim VVS als Aufschlag kalkuliert.

Kein Problem für die Buchungssysteme

Haas sieht da letztlich auch die Politik gefordert. Denn mit einem Anteil von fünf bis sieben Prozent an Besuchern, die jetzt schon über die Kulturgemeinschaft mit einem Kombi-Ticket an das Theater am Feuersee kommen, ist die Nutzung der Kombilösung noch sehr übersichtlich. Da ist noch viel Luft nach oben.

Schauspielbühnen sind sehr gut besucht

Das Alte Schauspielhaus und die Komödie im Marquardt, vereint als Schauspielbühnen in Stuttgart, sind dagegen ganz große Frachter: Etwa 200 000 Besucher gehen jährlich in die beiden Häuser. Damit behaupten sie schon seit Jahren ihren Platz unter den fünf meistbesuchten Sprechtheaterbühnen in Deutschland. Doch ein Kombi-Ticket gibt es dort trotzdem nicht.

„Ich war bei meinem Amtsantritt schon sehr überrascht, dass die Schauspielbühnen das nicht anbieten“, so Axel Preuß, seit Herbst 2018 Intendant der Schauspielbühnen, „unseren Besuchern würde ich sehr gerne eine problemlose und umweltschonende An- und Rückreise ermöglichen.“ Doch: „So wie der VVS rechnet, sind für uns die Kosten zu hoch.“ Auch Preuß sieht da die Politik gefordert: „Und das in einer Stadt, in der Ökologie, Radmobilität und andere grüne Themen so hoch gehandelt werden.“ Und auch hier das Argument: „Den Aufpreis müssten wir voll weitergeben an unsere Besucher.“

Das Publikum sehr gut einschätzen

Das mag beim Vergleich der Besucherzahlen verblüffen. Doch die Schauspielbühnen müssen erheblich mehr selbst erwirtschaften als die anderen Theaterbühnen in der Stadt – etwa 50 Prozent. Experimente müssen da noch um einiges besser abgefedert sein als bei anderen thea­tralischen Adressen. Da muss man sein Publikum schon sehr gut einschätzen können, eine entsprechende Preissensibilität ist notwendig.

Hinzu kommt, dass auch die Schauspielbühnen wie das Theater der Altstadt zuletzt nicht mehr in der Lage waren, die steigenden Kosten zu decken. Preuß: „Für 2020 und 2021 wurde unser Zuschuss von der Stadt um 200 000 Euro erhöht. Damit können wir aber nur den derzeitigen Zustand absichern. Und dazu mussten wir moderat unsere Eintrittspreise erhöhen.“ Die guten Saisonzahlen – seit Langem mal wieder steigende Abozahlen sowie Zusatzvorstellungen wegen großer Nachfrage im Sommer 2019 – sind ein Beleg für die gute Arbeit, die da geleistet wird. Die steigenden Kosten lassen sich damit aber auch nicht auffangen.

Mit sieben Euro die Nacht durchfeiern

Die Wagenhallen gehen da offensiver zur Sache: Fünf Euro kostet der Eintritt zu den Motto-Partys, die dort Monat für Monat stattfinden. Wer sieben Euro zahlt, hat die Hin- und Rückfahrt mit dem VVS auch schon dabei, im gesamten VVS-Gebiet, auch noch am nächsten Morgen nach der Sause. „Dieses Clubticket ist einmalig in ganz Deutschland. Man kann es sich auch auf das Handy buchen kurz vor der Abfahrt zu uns. Das nehmen inzwischen 30 bis 50 Prozent unserer Gäste an“, so Stefan Mellmann, einer der Wagenhallen-Geschäftsführer. Den Mehrpreis gibt er nicht komplett weiter. „Da bleibt auch noch was bei mir hängen von den Kosten“, so Mellmann, „aber wenn deshalb nur 100 Leute mehr kommen, rechnet sich das auch für mich.“ Die Rechnung geht offensichtlich auf: „Wir machen künftig mehr Livemusik bei unseren Partys mit guten Bands aus dem Umland etwa aus Tübingen oder Reutlingen, die hier noch nicht so bekannt sind“, so Mellmann. So nutzen noch mehr das Clubticket, denn das lockt natürlich auch die Fans dieser Bands in die Stadt.

Da will Mellmann Vorreiter sein: „Alle Clubs in der Stadt sollten das anbieten.“ Und die Stadt nimmt er auch in die Pflicht: „Wer von den Fildern zum Kaffeetrinken in die Stadt will, legt dafür etwa acht Euro hin. Das macht kein junger Mensch, das ist für eine Großstadt nicht angemessen.“ Mit dem Clubticket kann auch gefeiert werden, ohne dass der Führerschein auf der Rückfahrt in Gefahr ist.

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