Die Tafeln zeigen zwar die Abfahrtzeiten an, aber bei den Infos zu Verspätungen hapert es teils. Foto: Anke Kumbier

Wer wissen will, ob sein Bus Verspätung hat oder nicht, guckt am Böblinger Busbahnhof oft in die Röhre. Bis sich das ändert, könnte es noch etwas dauern.

Hat mein Bus Verspätung? Fällt er vielleicht sogar aus? Fragen, die die Anzeigetafeln am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Böblingen beantworten sollten. Tun sie aber nicht – oder zumindest nicht zuverlässig. Deshalb hatte der Böblinger Jugendgemeinderat den Antrag gestellt, die Anzeigetafeln zu modernisieren.

 

Eine Aufgabe, die die Stadtverwaltung nach eigener Aussage ohnehin angehen wollte. In der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses stellte Tiefbauamtsleiter Pablo Burkhardt die Pläne vor. Demnach soll vor allem die Technik der Tafeln erneuert werden, nicht die Tafeln selbst. „Die optische Darstellung genügt den Ansprüchen, nur die Technik dahinter ist veraltet.“

Inhalt der Anzeigen muss auch stimmen

Zweifel an der Notwendigkeit, die Anzeigen zu modernisieren, äußerte keiner der Stadträte. Im Gegenteil. „Es geht nicht nur darum, die Anzeigen neu zu machen, sondern darum, dass man sich auf die Inhalte auch verlassen kann“, betonte etwa Stadtrat Markus Helms (Grüne). Er sprach von „Phantombussen“, die zwar angezeigt würden, aber nie kämen.

Im Gremium kam daraufhin die Frage auf, ob es von den Böblinger Stadtbussen überhaupt Echtzeitdaten gibt, die Verspätungen melden. Verbunden mit der Frage, wie viel es „bringt“, die Technik aufzurüsten, wenn möglicherweise gar keine Daten vorhanden sind, die angezeigt werden könnten.

Was Pflieger zu Echtzeitdaten sagt

Für den Stadtverkehr in Böblingen und Sindelfingen ist das Unternehmen Pflieger zuständig. Eine Nachfrage bei Pflieger ergibt, dass es bei der Bereitstellung der Daten tatsächlich hakt. Grundsätzlich sollte ein Modem, das im Bus verbaut ist, in Echtzeit meldet, wo der Bus ist. Allerdings fährt ein Teil der Pfliegerbusse laut Geschäftsführer Dirk Neurath mit alten Modems, deren Funkstandard nicht mehr unterstützt werde. Bedeutet: Sie können keine Daten schicken.

„Wir sind dran, unsere Fahrzeuge nachzurüsten“, betont Neurath. Denn natürlich sei es wichtig für ihre Kunden nachvollziehen zu können, ob der Bus Verspätung hat. Ein konkretes Datum, bis zu dem alle Busse nachgerüstet sind, könne er allerdings noch nicht nennen. Offenbar gibt es Schwierigkeiten mit den Lieferanten. „Von denen sind wir abhängig.“

Etwas anders sieht es laut Neurath übrigens bei Busausfällen aus. Sind sie geplant oder bekommt die Zentrale rechtzeitig davon mit, würden sie händisch hinterlegt und sollten eigentlich auf den Tafeln erscheinen.

Ist die Modernisierung trotzdem sinnvoll?

Was bringt aber die Erneuerung der Anzeigetafeln, wenn nicht alle Daten zur Verfügung stehen? Burkhardt verspricht sich trotzdem Verbesserungen. Denn außer Pflieger und anderen Busunternehmen, die die Daten liefern, kommt ein weiterer Akteur ins Spiel: der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS). Er stellt über eine zentrale Drehscheibe alle Daten bereit und „verteilt“ sie auf die Anzeigetafeln.

Und hier setzt die Modernisierung der Anzeigetafeln an. Laut Burkhardt sollen die Software und die Schnittstellen zur Datendrehscheibe des VVS erneuert werden, für insgesamt rund 12 000 Euro. „Das brauchen wir, um ordentliche Infos vom VVS zu bekommen“, warf Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger ein. „Das hier ist der Einstieg, mit dem sich bereits einige Punkte erledigen.“

Das überzeugte die Ausschussmitglieder, die schließlich dem Gemeinderat einstimmig empfahlen, für die Modernisierung der Tafeln zu stimmen – verbunden mit der Bitte, auch die Qualität der Daten im Blick zu behalten.