Die S-Bahn in der Region soll künftig mit Ökostrom betrieben werden. Foto: Ines Rudel

Die Jusos im Kreis Esslingen und andere Gruppen fordern eine klimafreundlichere S-Bahn. Ihre Kritik: Die Züge werden unter anderem auch mit Strom aus Kohle und Atomkraft betrieben.

Kreis Esslingen - Die S-Bahn gilt gemeinhin als umweltfreundliches Verkehrsmittel. Laut einem offenen Brief mehrerer Gruppen an die Regionalversammlung gibt es in der Region Stuttgart aber noch Verbesserungsbedarf. Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören unter anderem die Jusos im Landkreis Esslingen. „Mit dem Brief wollen wir die Öffentlichkeit mit ins Boot holen“, sagt Daniel Krusic, Co-Vorsitzender der SPD-Jugendorganisation im Kreis. Insgesamt 20 Verbände haben das Schreiben unterzeichnet, neben den Jusos unter anderem Ortsgruppen von Fridays for Future, der Grünen Jugend und der Linksjugend. Die Verbände beschreiben den öffentlichen Nahverkehr als „Rückgrat der klimafreundlichen Mobilität“. Daher sei es nicht akzeptabel, dass die S-Bahnen in der Region ihren Energiebedarf noch aus einem Strommix beziehen, der auch durch Erdgas, Kohle und Atomkraft erzeugt werde.

 

Region Stuttgart soll Betrieb mit Ökostrom ausschreiben

Mit dem Schreiben unterstützen die Jusos einen Vorstoß der Fraktionen von Grünen, SPD und Linken/Piraten in der Regionalversammlung. Sie haben in einem Antrag die Geschäftsstelle des Verbands aufgefordert, mit der S-Bahn Stuttgart in Gespräche zur Umstellung auf 100 Prozent Ökostrom einzusteigen. Als Anschubfinanzierung soll eine Million Euro in den Haushalt des Regionalverbands eingestellt werden.

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Auch aus Sicht der DB Regio als Betreiberin der S-Bahn liegt der Ball beim Aufgabenträger, dem Verband Region Stuttgart. Für die „fortschreitende Vergrünung des Stromverbrauchs der S-Bahn“ sei es nötig, dass dieser den Betrieb mit Ökostrom ausschreibt, wie eine Sprecherin der Bahn mitteilt. Dazu sei man mit der Region bereits in Gesprächen. Die Sprecherin weist auf die Bemühungen der Bahn für den Klimaschutz hin. Man habe sich selbst das ambitionierte Ziel gesetzt, den komplettem Bahnstrom bis 2038 nachhaltig zu gewinnen. Bereits jetzt würden 61 Prozent des Energiebedarfs durch grünen Strom gedeckt – und somit deutlich mehr als die durchschnittlich 50 Prozent im öffentlichen Strommix. Krusic und seinen Mitstreitern zufolge ist aber konkret die S-Bahn in der Region eben noch kein Vorreiter für klimafreundliche Mobilität: „Mit einem jährlichen Energieverbrauch von 150 Gigawattstunden gehört die S-Bahn zu den größten und klimaschädlichsten Energieverbrauchern in der Region“, so heißt es in dem Brief. Daher sei es wichtig, durch solche Projekte die Energiewende voranzutreiben und das Klima zu schützen, ohne private Unternehmen oder Haushalte zu belasten. Die Bahnsprecherin sieht auch bei der S-Bahn Fortschritte. „Die S-Bahn in Stuttgart hat einen Energieverbrauch, der etwa 40 000 privaten Haushalten entspricht.“ In den vergangenen fünf Jahren habe man durch energieeffizienteres Fahren und Abstellen der Fahrzeuge das Äquivalent von 5000 Privathaushalten einsparen können. Außerdem wies die Sprecherin darauf hin, dass etliche Strecken und Züge in der Region, beispielsweise die ICE-Züge, bereits mit 100 Prozent Ökostrom betrieben werden.

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