Für die S-Bahn könnte in Kirchheim künftig nicht mehr Endstation sein. Foto: dpa//Tom Weller

Eine Studie empfiehlt die Reaktivierung der stillgelegten Trasse zwischen Kirchheim und Weilheim. Was das kosten würde – und wie es nun weitergeht.

Die Chancen für die Reaktivierung ehemaliger Nebenbahnen in den Landkreisen Esslingen, Göppingen und Ostalb steigen – insbesondere für die Trasse zwischen Kirchheim und Weilheim. Das zeigen die Ergebnisse einer nun vorliegenden Machbarkeitsstudie, die die Kreise und der Verband Region Stuttgart in Auftrag gegeben hatten. Bis zu einer möglichen Realisierung der Idee ist es aber noch ein weiter Weg. An diesem Donnerstag werden die Mitglieder des Verwaltungs- und Finanzausschusses des Esslinger Kreistages über die Expertise informiert.

 

Fünf Strecken wurden untersucht

Fünf Strecken haben die Prüfer vom Verkehrswissenschaftlichen Institut Stuttgart und der Bahn-Tochtergesellschaft DB Engineering und Consulting hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Erfolgschancen untersucht: die Teckbahn von Kirchheim nach Weilheim, die Hohenstaufenbahn von Schwäbisch Gmünd nach Göppingen, die Boller Bahn zwischen Göppingen und Bad Boll sowie eine Neubaustrecke von Bad Boll nach Weilheim. Der Bewertung zugrundegelegt wurden ein 30-Minuten-Takt, ein elektrischer Betrieb mit Oberleitung, möglichst lange, umsteigefreie Linienwege mit attraktiven Fahrzeiten sowie gute Anschlüsse an bestehende Schienenverkehre.

Dabei schneidet die Mitte der 1990er Jahre endgültig stillgelegte Trasse der Teckbahn am besten ab: Die Kosten für eine S-Bahn-Verlängerung von Kirchheim über Jesingen und Holzmaden nach Weilheim betragen 136 Millionen Euro. Zwar liegen teilweise noch Gleise, gebaut werden müsste trotzdem an einigen Stellen der Strecke, zum Beispiel neue Bahnsteige in Weilheim und Holzmaden. Auch ein Güterverkehrsanschluss an das Gewerbegebiet Rosenloh wäre möglich.

Der Quotient aus dem Verhältnis von Nutzen und Kosten liegt der Expertise zufolge bei 1,47 und damit über dem geforderten Soll von „größer 1“. Das Überschreiten dieses Wertes ist zwingend, um Fördergelder zu erhalten. In einem solchen Fall werden Zuschüsse für Investitionen bis zu einer Höhe von 90 Prozent signalisiert. Die Strecke Bad Boll–Göppingen würde 184 Millionen Euro kosten und hat die zweitbeste Bewertung mit einem Nutzen-Kosten-Quotienten von 1,29.

Die gesamte Verbindung von Kirchheim nach Göppingen samt einer Neubaustrecke von Weilheim nach Bad Boll würde zwischen 469 und 609 Millionen Euro kosten, verfehlt die kritische Marke aber knapp. Mit einem Quotienten von 0,09 rangiert die 268 Millionen Euro teure Hohenstaufenbahn in der Bewertung weit hinten. Die Gutachter sehen folglich keine Grundlage, die für eine Reaktivierung dieser Trasse sprechen würde.

Teure Trasse bis nach Bad Boll

Das Fazit der Gutachter fällt eindeutig aus: „Die Reaktivierung Kirchheim–Weilheim sollte weiterverfolgt werden“, lautet die klare Empfehlung. Immerhin 1500 Privatfahrten mit dem Auto täglich könnten ihrer Einschätzung nach auf dieses Weise vermieden werden – und die Bahnfahrt würde nur zwölf Minuten dauern.

Mit dem Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel und dem Landtagsfraktionschef Andreas Schwarz, die das Thema beide noch aus ihrer Zeit im Esslinger Kreistag kennen, begrüßen zwei Bundes- und Landespolitiker der Grünen die Reaktivierung der Trasse: „Ein Schienenanschluss nach Weilheim dient dem Klimaschutz, sorgt für mehr Teilhabe und gibt unserer Region insgesamt mehr Drive, da sie zum Wohnen und Arbeiten attraktiver wird“, sagt Schwarz. Es sollte ihrer Ansicht nach aber nicht allein dabei bleiben: „Unser Ziel bleibt die verlockende Lösung eines Ringschlusses“, fügt Gastel hinzu. Beide betonen: „Mit den Gutachtern sollte nun rasch geklärt werden, wie eine Durchbindung von Weilheim nach Bad Boll und damit auch nach Göppingen noch möglich werden könnte.“