Nahverkehr Göppinger VVS-Beitritt: Kreisräte zögern

Von Karen Schnebeck 

Mit einem Ticket von Göppingen aus in die ganze Region Stuttgart – noch ist das ein Wunschtraum. Foto: dpa
Mit einem Ticket von Göppingen aus in die ganze Region Stuttgart – noch ist das ein Wunschtraum. Foto: dpa

Verbreitete Skepsis im Kreistag: Viele Kommunalpolitiker befürchten, dass die Kosten für eine Mitgliedschaft in dem Verkehrsverbund im Verhältnis zum Nutzen zu hoch sind.

Kreis Göppingen - Für die SPD im Kreistag ist die Sache klar: „Die Tür zur Vollintegration steht so weit offen wie nie zuvor“, sagt die Fraktionsvorsitzende und Regionalrätin Susanne Widmaier. Aus der Sicht ihrer Fraktion müsse der Kreis Göppingen die „historische Chance“ nutzen und dem Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) beitreten. Tatsächlich sind die anderen Landkreise der Region und die Stadt Stuttgart dem Kreis Göppingen bei den Kosten für die Mitgliedschaft weit entgegen gekommen. Trotzdem steht die SPD mit ihrem klarem Ja zum Beitritt bisher allein auf weiter Flur. Selbst die Grünen, die sich sonst stets für Verbesserungen im Nahverkehr stark machen, sind vorsichtig.

Bei einem Hearing im Dezember sollen alle Betroffenen zu Wort kommen

„Ich bin froh, dass wir jetzt endlich mal eine Verhandlungsgrundlage und eine Basis zum Rechnen haben“, sagt die grüne Fraktionschefin Martina Zeller-Mühleis. Doch zurzeit gebe es viele große und vor allem teure Projekte im Landkreis, den Neubau der Klinik am Eichert etwa und die Erweiterung des Landratsamts. Ihre Fraktion wolle deshalb erst die Fortschreibung des Finanzkonzepts abwarten und ein Hearing, dass der Göppinger Landrat Edgar Wolff noch im Dezember veranstalten will. Dabei sollen alle Betroffenen ihre Sicht auf das Angebot darlegen können, auch die Nutzer.

Ihre Fraktion, so fasst Zeller-Mühleis zusammen, habe zwar eine „positive Grundhaltung zum VVS-Beitritt“, aber es gebe durchaus noch ein paar Fragezeichen. Allerdings, das macht die Grüne auch klar, könne es bei der weiteren Debatte nicht nur um die Kosten gehen. Eine Mitgliedschaft im VVS bringe neben Vorteilen für den Nahverkehr nämlich auch politische Fortschritte, die nur schwer quantifizierbar seien, etwa eine engere Zugehörigkeit zur Region Stuttgart.

Reicht vielleicht auch einfach der Metropolexpress?

Ganz ähnlich sehen das die Freien Wähler. Natürlich sei der Beitritt wünschenswert, sagt deren Chef Werner Stöckle. „Aber das Kosten-Nutzen-Verhältnis muss stimmen.“ Um das zu ermitteln, müssten nun erst das Hearing und weitere Informationen zu den Kreisfinanzen abgewartet werden. Er habe von vielen Seiten gehört, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen sei, zu dem man die Gelegenheit ergreifen müsse, berichtet Stöckle. „Aber so ohne Weiteres sehen wir das nicht so.“

Der FDP-Chef Hans-Georg Frey geht noch einen Schritt weiter. Beim Gedanken an die vielen Aufgaben, die in den kommenden Jahren auf den Kreis zukämen, habe er „echt Bauchweh“, wenn nun auch noch der teure VVS-Beitritt komme. Im Prinzip reiche es für den Landkreis auch, wenn der Metropolexpress, wie geplant, Ende 2019 komme und die Anbindung an Stuttgart sicherstelle. Seine Fraktion wolle auf jeden Fall eine genaue Aufstellung der Schulden und ein Finanzkonzept sehen. Auch das Hearing im Landratsamt werde bei der Entscheidung für oder gegen den Beitritt eine große Rolle spielen.

Die CDU-Fraktion will sich im Moment ebenfalls noch nicht festlegen. „Für uns steht an erster Stelle, dass das Finanzkonzept eingehalten wird“, sagt der CDU-Chef Wolfgang Rapp kategorisch. Die Kreisräte erwarte eine spannende Debatte, die offen geführt werden müsse. Erst dann könne man entscheiden, wie es mit dem VVS weitergehe. Ganz wichtig ist Rapp dabei neben den Kreisfinanzen auch, dass die Anbindung an den Nahverkehr in Richtung Ulm nicht unter den Tisch fällt.

Der Filsland-Mobilitätsverbund würde überflüssig

Verbund:
Mit einer vollen Integration in den VVS würde der vor drei Jahren gegründete Filsland-Mobilitätsverbund laut dem Kreisverkehrsplaner Jörg-Michael Wienecke überflüssig. Denn der Kreis Göppingen wäre dann ein Gesellschafter des VVS, und sämtliche Aufgaben, die bisher der Filsland-Mobilitätsverbund übernommen hat, etwa die Festlegung der Tarife und die organisatorische Abwicklung, würden an die VVS Gesellschaft übertragen. Der Filsland-Mobilitätsverbund würde deshalb aufgelöst.

Mitarbeiter:
Aus Sicht des Kreises müsste es dann aber VVS-Außenstellen in Göppingen und Geislingen für die Fahrgäste geben. Laut Wienecke will das Landratsamt auch sicherstellen, dass die Filsland-Mitarbeiter weiterhin beschäftigt werden.

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