Filderstadt setzt auf den Nachtbus. Foto: Archiv Natalie Kanter

Bus statt Taxi: Von April an bringt die Nachtbuslinie N 92 am Wochenende und vor Feiertagen Nachtschwärmer vom Bernhäuser Bahnhof in alle Filderstädter Stadtteile.

Filderstadt - Zu wenig Kapazität, lange Wartezeiten, falsch berechnete Fahrpreise – die Beschwerden von jungen Nachtschwärmern aus Filderstadt über die Nachttaxis rissen seit Einführung des Angebots nicht ab. Nun gibt es Aussicht auf Besserung: Denn von April 2014 an wird ein Nachtbus an Wochenenden und vor Feiertagen die Nachttaxis am Bernhäuser Bahnhof ersetzen. Die Linie N 92 wird dann alle Filderstädter Stadtteile anfahren.

Stadt bezahlt 20 500 Euro

Vor einigen Tagen hat die Stadtverwaltung dem Technischen Ausschuss empfohlen, ein Angebot des Zweckverbands Fahr Mit anzunehmen. Für die Stadträte gab es keinen Grund zur Diskussion – einstimmig sprachen sie sich für diese Mitfahrgelegenheit aus. Mit einem Anteil von 15 600 Euro für drei und 20 500 Euro für vier Abfahrten kostet die Nachtbuslinie N 92 die Stadt zwar mehr als das bisherige Nachttaxi. Doch nach Ansicht der Verwaltung überwiegen die Argumente für den Bus. „Das ist die erste wirtschaftliche Lösung, einen Nachtbus einzuführen“, sagte der stellvertretende Leiter des Ordnungsamts, Jan-Stefan Blessing, dem Ausschuss. Bisherige Lösungen zur Busanbindung aller Stadtteile an die Nacht-S-Bahn hätten 30 000 oder 40 000 Euro gekostet.

Ende September hatte Fahr Mit der Stadt das attraktive Angebot vorgelegt, sich an der Linie N 92 zu beteiligen. Der Verband, dessen Vorsitz der Nürtinger Oberbürgermeister Otmar Heirich inne hat, organisiert den Nachtbusverkehr in Nürtingen und Umgebung. Bereits vor einem Jahr hat Fahr Mit die Linie eingeführt, die von Bernhausen über Aichtal nach Altdorf fährt. Die Busse fahren auch durch Harthausen – allerdings halten sie dort nicht.

Am Freitag, 4. April wird sich das ändern. Weil die Linie N 92 dann nur noch bis Neckartailfingen fährt, bleibt auf ihrer Runde genügend Zeit, um ganz Filderstadt zu bedienen. Der Bus steuert zunächst Sielmingen an, wo neue Haltestellen bei der Laich-Kreuzung und an der Ecke Reutlinger Straße/Seestraße eingerichtet werden. Über die B 27 fährt er weiter nach Plattenhardt und von dort nach Bonlanden und Harthausen. Anschließend setzt der Nachtbus seine Tour nach Grötzingen fort.

Laut Blessing wird vorerst ein Minibus mit 24 Sitzplätzen eingesetzt. Sollte die Kapazität nicht ausreichen, dann könnte das Busunternehmen auch einen Standardbus zur Verfügung stellen, teilte er dieser Zeitung mit. Die Kapazität sei in jedem Fall höher als bei den Nachttaxis, ergänzte er.

Zuverlässigkeit ist dem Jugendgemeinderat wichtig

Ein weiterer Vorteil: Den Nutzern entstehen keine zusätzlichen Fahrtkosten. Für das Nachttaxi müssen Jugendliche bislang zwei Euro und Erwachsene vier Euro bezahlen. Dafür werden Fahrgäste mit dem Bus allerdings nicht mehr direkt vor die Haustür gefahren. Wer sich unsicher fühle, sagte Blessing, könne von April an nach wie vor ein Taxi am Bahnhof nehmen. Dann gelte allerdings der normale Taxitarif.

Ein zuverlässiger Abbringerverkehr vom Bahnhof ist vielen Jugendlichen jedoch lieber als eine Beförderung bis vor die Haustüre. Und eben diese Zuverlässigkeit beim Nachtbus hat auch den Jugendgemeinderat (JGR) überzeugt. „Man weiß, dass man in fünf Minuten losfährt und nicht rumtelefonieren muss, bis ein Taxi kommt“, sagte das JGR-Mitglied Marc Bürger-Hinzel, der als Zuhörer die Ausschusssitzung verfolgte. Positiv bewertet das Gremium auch den Fahrplanentwurf. „Wir finden es sehr gut, dass alle Stadtteile angefahren werden“, sagte der Jugendliche. „Und wir finden es gut, dass es keine zusätzlichen Kosten für Schüler gibt.“

Der Verband Region Stuttgart fördert die Linie N 92 künftig mit 14,5 Prozent, der Landkreis Esslingen mit 30. Ihr Betrieb ist vorerst bis Dezember 2015 befristet.

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