Eine Seilbahn ist in Metropolen wie Barcelona oder La Paz Teil des Nahverkehrskonzepts. Nun wird auch in Stuttgart über die schwebenden Gondeln diskutiert. Foto: dpa

Werden irgendwann Gondeln in der Luft zwischen Stuttgart-Degerloch und der Universität Hohenheim verkehren? Die Trasse hat es zumindest schon einmal auf eine Skizze von Verkehrsplanern geschafft. Wir haben nachgehakt.

Filder - Genaues weiß derzeit noch niemand, und Andrea Lindel, Plieningens und Birkachs Bezirksvorsteherin, nimmt es mit Humor. „Vielleicht handelt es sich um einen vorgezogenen Aprilscherz“, meint sie auf die Frage, wie sie einen möglichen Anschluss ihrer Bezirke an eine Stuttgarter Seilbahn bewertet. „Charme hat die Idee aber schon“, erklärt Lindel. Die Rede ist von einer Gondeltrasse von der Peregrinastraße in Degerloch über Hoffeld und Birkach nach Plieningen.

Die Diskussion darüber, ob die Stadt genug dafür tue, dass die Birkacher und Plieninger geschickt mit öffentlichen Verkehrsmitteln an das Stuttgarter Zentrum angebunden sind, ist alt. Weil die Bezirksbeiräte beim bestehenden Angebot bekanntlich Luft nach oben sehen, kursiert seit Längrem eine Idee, Hohenheim durch den Bau der sogenannten Möhringer Kurve besser ans Stadtzentrum anzubinden. Damit ist eine Verbindung zwischen der Sigmaringer Straße und dem Riedsee gemeint.

Seilbahn wäre kein Ersatz für Bahn und Bus

Eine solche Verbindung fordert auch die Universität Hohenheim, betont deren Sprecher Florian Klebs auf Nachfrage. Derzeit freue sich die Hochschule, dass die Stadt die Buslinie 65 zum Flughafen verlängern wolle, meint Klebs. Aus Uni-Sicht wäre es schön, wenn es mit der Möhringer Kurve auch bald klappt. Und zur Gondelidee sagt er: „Die Universität sieht eine Seilbahn nicht als Ersatz für den dringend benötigten Ausbau der Möhringer Kurve an, durch den eine Direktverbindung in die Innenstadt geschaffen würde.“

Doch jede zusätzliche Verkehrsanbindung sei zu begrüßen – solange die dafür verwendete Technik etwa durch Erschütterungen oder elektromagnetische Strahlung nicht den Forschungsbetrieb beeinträchtige, sagt Klebs. Dies sei zum Beispiel ein Problem bei einer möglichen neuen Stadtbahntrasse, die über den Campus führt.

Der städtische Verkehrsplaner Stephan Oehler erklärt, dass eine mögliche Gondelbahn nicht in Konkurrenz zu anderen Verkehrsprojekten zu sehen ist. Sie ist momentan auch nicht mehr als eine ausgesprochene Idee. Laut Oehler ist das Einzige, was man derzeit sicher sagen könne: Eine Seilbahn wäre ein zusätzliches Angebot. „Es geht nicht darum, dass wir eine Stadtbahn durch eine Seilbahn ersetzen wollen.“

Warten auf die Ergebnisse einer Studie

Neben einer Trasse von Degerloch zur Universität Hohenheim sind auch Verbindungen von Vaihingen zum Flughafen sowie vom Pragsattel zum Ostendplatz Gegenstand der ersten Überlegungen.

Alle drei Routen böten aus Sicht von Verkehrsplanern Potenzial, sagt Oehler. Er präzisiert auf Nachfrage, dass entlang der drei Trassenideen der öffentliche Nahverkehr aus unterschiedlichen Gründen ausgelastet sei. Wie es nun weitergeht? Das baden-württembergische Verkehrsministerium hatte im Herbst 2015 beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine Studie in Auftrag gegeben. Deren Ergebnisse müssten nun zunächst abgewartet werden, sagt Oehler.

Die Degerlocher Bezirksvorsteherin Brigitte Kunath-Scheffold hat folglich noch Zeit, sich zu überlegen, ob ihr der Anblick von Gondeln am Himmel über den Dächern Degerlochs gefallen würden. Sie könne zu dem Projekt keine Meinung äußern, sagt sie, solange niemand genau wisse, was geplant werde und ob eine Realisierung möglich sei. „Ich habe davon in der Presse gelesen. Generell ist es gut, sich über neue Wege im Nahverkehr Gedanken zu machen“, sagt sie.

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