Ein Leser unserer Zeitung hat an der Buslinie 122 einiges zu kritteln. Wir haben getestet, was dran ist. Ein Ergebnis: Das WLAN scheint ein Problem zu sein. Foto:  

Freies WLAN, Gepäckablagen, Getränkeautomat – die Busse von heute sind weit mehr als ein Transportmittel. Passagieren soll die Fahrt so angenehm wie möglich gemacht werden. Ärgerlich wird es dann, wenn die Extras fehlen.

Filder - Draußen ist ein rotes WLAN-Symbol. Drinnen allerdings ist – nichts. Der Bus der Linie 122 verbindet zwar Esslingen mit dem Flughafen, aber offenbar nicht immer Handys mit dem Internet. „WLAN funktionierte noch nie bei mir“, schreibt ein Leser aus Filderstadt an unsere Zeitung. Ist das ein Dauerzustand?

Zumindest eine Stichprobe bestätigt den Eindruck. Ein Busfahrer weiß gar nichts von einer angeblichen drahtlosen Internetverbindung, ein anderer gibt bereitwillig das Passwort heraus, das verbindet sich auch mit beiden verfügbaren Netzwerken – jedoch bleibt das Handy stumm. Fehler! Xenia Tomic, die auch im Bus mitfährt, stöhnt bei dem Thema. Sie wohnt im Scharnhauser Park in Ostfildern und pendelt mit dem 122er-Bus zur Arbeit. „Ich habe das WLAN einmal erwischt – für schätzungsweise zwei Minuten“, in der Regel passiert nach ihrer Erfahrung jedoch nichts.

Lieber Gepäckablage als Getränkeautomat

„Sorry! Außer Betrieb“, heißt es auch an anderer Stelle, nämlich auf den Aufklebern, die die USB-Ladebuchsen verdecken. Der Leser aus Filderstadt moniert zudem, dass es zu wenige Kofferregale und meist keinen Getränkeautomat gebe, die Pendlerin Xenia Tomic wiederum könnte auf Getränkeautomaten, wie er in einem Testbus des 122ers verbaut ist, verzichten, wenn es nur Gepäckablagen gäbe. Immerhin sei es ja ein Flughafenbus. „Es ist super nervig, wenn die Koffer alle im Gang stehen“, findet sie.

Erhard Kiesel, der Chef der Firma Schlienz Tours, die die Linie 122 seit rund zwei Jahren bedient, weist die Kritik, dass das WLAN eine Dauermacke habe, weit von sich. Dass es ab und an Verbindungsprobleme gebe, sei möglich, die Aussage aber, dass das WLAN grundsätzlich nicht funktioniere, „lehne ich definitiv ab“. Vielmehr bezahle das Unternehmen „ein Vermögen jeden Monat an den Betreiber“. Dass die USB-Anschlüsse gelegt, aber nicht angeschlossen seien, liege indes an Brandschutzbestimmungen seitens des Herstellers. Allerdings seien die Anschlüsse auch eine freiwillige Leistung, genauso wie die Tests mit einem – von den Kunden kaum angenommenen – Snackautomaten in einem der Busse sowie Kofferregalen in zwei Fahrzeugen. Erhard Kiesel spricht von einer Abwägung. Entweder eine Ablage oder zwei bis vier Sitze weniger.

Beim 65er-Bus zum Flughafen wird es keine Extras geben

Doch wie machen es andere? Aussteigen an der Plieninger Post und rein in den gelben 76er-Bus in Richtung Filderstadt. Den betreibt die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB). Doch auch dort heißt an Bord die Antwort des Busfahrers auf die Frage nach WLAN: leider nein. USB-Ladestationen? Nein. Gepäckablage? Nein. Dabei wird beispielsweise der 65er-Bus ab dem Fahrplanwechsel von Obertürkheim bis zum Flughafen verkehren. Jedoch ohne jedes Extra für Fahrgäste, bestätigt Brite Schaper, eine SSB-Sprecherin. „Die Linie 65 wird mit der normalen Busflotte der SSB bedient. Dort kommt daher auch keine spezielle Ausstattung, in Ihrem Beispiel eine Vorrichtung für Gepäck, zum Einsatz“, erklärt sie.

Ein bisschen mehr Service gibt es nur in der Schnellbuslinie X1 zwischen Bad Cannstatt und der Innenstadt. Dort seien besondere Busse eingesetzt, die als Teil der Erprobung mit USB-Steckdosen und WLAN ausgerüstet seien.

Bei der Testfahrt funktioniert das WLAN

Einwandfrei funktioniert derweil das drahtlose Internet in einem Bus der Linie 828, der von Tübingen über Waldenbuch, Steinenbronn und Echterdingen zum Flughafen pendelt. Nicht einmal ein Passwort braucht der Fahrgast hier. Und auch genügend Stauraum für Koffer und Reisetaschen ist vorhanden. Der Bus, der von der Firma Friedrich-Müller-Omnibus betrieben wird, wirbt ja immerhin auch als Airport-Sprinter für sich.

So unterschiedlich die Versprechen und deren Einhaltung in den Fahrzeugen sind, eines haben alle Busse gemeinsam: Während des Tests ist es innen trotz hochsommerlicher Temperaturen angenehm kühl. Der Leser aus Filderstadt hat das offenbar schon anders erlebt, schreibt er, „wer will schon durchgeschwitzt irgendwo auftauchen?“.

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