Blick auf die saudiarabische Hauptstadt Riad. Foto: dpa

Riad zeigt sich verärgert über die Nahostpolitik der Bundesregierung. Offenbar wurde daher ein Auftragsstopp über deutsche Firmen verhängt. Das betrifft auch die Unternehmen im Südwesten.

Stuttgart - Die saudische Regierung hat offenbar aus Verärgerung über die Nahostpolitik der Bundesregierung einen Auftragsstopp über deutsche Firmen verhängt. Davon betroffen seien unter anderem Siemens, Bayer und Boehringer, berichtet der „Spiegel“. Diese Konzerne arbeiten seit Jahren mit dem Gesundheitsministerium in Riad zusammen.

Der Fahrzeugbauer Daimler erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, die Geschäfte mit dem Königreich liefen unverändert weiter. Damit dementierte der Stuttgarter Konzern Angaben des Nachrichtenmagazins, das schreibt, auch Daimler sei von dem Auftragsstopp betroffen. Der Konzern liefert Busse für den Nahverkehr in der Hauptstadt Riad und in der Hafenstadt Dschidda am Roten Meer.

2017 Waren im Wert von 6,6 Milliarden Euro nach Saudi Arabien geliefert

Deutsche Unternehmen hatten im vergangenen Jahr insgesamt Waren im Wert von 6,6 Milliarden Euro nach Saudi Arabien geliefert – das ist doppelt so viel wie etwa in den Iran, aber nur 0,5 Prozent der gesamten deutschen Ausfuhren.

Die baden-württembergische Industrie exportierte 2017 Produkte im Wert von 852 Millionen Euro in das Königreich. Dabei handelte es sich nach Angaben des Statistischen Landesamtes in erster Linie um Kraftwagen und Kraftwagenteile, die einen Wert von 252 Millionen Euro erreichten. Dies waren allerdings mehr als ein Drittel der gesamten deutschen Ausfuhren an Kraftwagen- und Kraftwagenteilen in das Königreich. An zweiter Stelle der Ausfuhren aus dem Südwesten rangierte der Maschinenbau mit etwas mehr als 200 Millionen Euro – ein Anteil von knapp 20 Prozent der gesamten deutschen Maschinenbauausfuhren nach Saudi Arabien. Das Land gehört allerdings bei weitem nicht zu den wichtigsten Exportmärkten der baden-württembergischen Maschinenbauer.

Viele Firmen wollen sich zu Wirtschaftsbeziehungen nicht äußern

Insgesamt hatte die Wirtschaft des Landes im vergangenen Jahr Waren im Wert von 200 Milliarden Euro exportiert. Der Anteil Saudi Arabiens liegt damit bei weniger als 0,5 Prozent. Ähnlich sieht es auch bei der R. Stahl AG im hohenlohischen Waldenburg aus. Das Unternehmen stellt unter anderem explosionsgeschützte Schalter für Ölförderanlagen her. „Der Anteil der Geschäfte mit Saudi Arabien liegt deutlich unter einem Prozent unseres Umsatzes von 270 Millionen Euro“, sagte ein Sprecher. Wegen der brisanten Lage im Nahen Osten wollen sich jedoch viele Firmen nach Informationen unserer Zeitung nicht mehr zu ihren Wirtschaftsbeziehungen in diese Region äußern. Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, sie hoffe, dass Firmen aus dem Südwesten weiter am Ausbau des Landes beteiligt würden. Schon seit Jahren seien enge Beziehungen aufgebaut worden. Saudi Arabien sei nach den Vereinigten Arabischen Emiraten der zweitwichtigste Handelspartner in der arabischen Welt.

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