Heiko Maas versucht, zwischen Israelis und Palästinensern zu vermitteln – wie viele seiner Amtskollegen.
Tel Aviv - Es war eine ungewohnte Kulisse für den deutschen Außenminister: Gemeinsam mit seinem israelischen Amtskollegen Gabi Ashkenazi stand Heiko Maas am Donnerstagmorgen in den staubigen Überresten einer Wohnung. Hier, in ein Gebäude in Petah Tikva bei Tel Aviv, war einige Tage zuvor eine Rakete aus dem Gazastreifen eingeschlagen, hatte Teile der Außenmauer weggerissen und ein Feuer entfacht. Mehrere Einwohner wurden verletzt. Sie zählen zu den zahlreichen Menschen auf beiden Seiten, die seit Beginn der jüngsten Eskalation zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas zu Schaden gekommen sind.
Maas war gestern Morgen für einen Blitzbesuch in Israel und den Palästinensergebieten gelandet. „Mir geht es bei dieser Reise um drei Dinge“, hatte er am Vorabend verkündet. „Vor allem um ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen, die Tag und Nacht um ihr Leben fürchten oder gar um ihre Liebsten trauern. Deutschland steht ohne Wenn und Aber zu unserer Freundschaft mit Israel, das sich gegen den Raketenterror der Hamas verteidigen muss. Und auch auf unsere humanitäre Unterstützung für die Palästinenser war selbst in schwierigen Zeiten immer Verlass.“
Maas eilt unter Sirenengeheul von Termin zu Termin
Anderthalb Wochen ist die jüngste militärische Auseinandersetzung zwischen Israel und der Terrormiliz Hamas im Gazastreifen nun alt. Während Maas von Termin zu Termin eilte, heulten im Süden Israels erneut die Sirenen, unter anderem in Beersheva, einer der größten Städte des Landes. Im Gegenzug bombardierte die israelische Armee, die IDF, weitere Ziele der Hamas, darunter mehrere Tunnel im Norden Gazas, die Hamas-Kämpfer laut der Armee zu terroristischen Zwecken genutzt hatten.
Mehr als 200 Menschen sind nach palästinensischen Angaben in Gaza getötet worden, darunter offenbar viele Zivilisten, obwohl die IDF betont, ihr Möglichstes zu tun, um zivile Opfer zu vermeiden; sie wirft der Hamas vor, ihre militärischen Einrichtungen bewusst inmitten ziviler Infrastruktur zu platzieren. Auf israelischer Seite kamen bisher elf Zivilisten sowie ein Soldat ums Leben. „So lange, wie es Staaten und Gruppen gibt, die Israel mit Vernichtung drohen, muss es in der Lage sein, seine Bewohner zu schützen“, sagte Außenminister Maas in einer Pressekonferenz, die er gemeinsam mit seinem israelischen Kollegen Gabi Ashkenazi am Ben-Gurion-Flughafen abhielt. Zu diesem Zweck werde Deutschland weiterhin „Beiträge leisten“. Maas wies außerdem auf die Opferzahlen hin, die auf beiden Seiten stetig stiegen. „Aus diesem Grund unterstützen wir internationale Bemühungen um einen Waffenstillstand.“
Gerüchte um eine Waffenruhe in den nächsten Tagen
Amerikaner, Ägypter und andere regionale Akteure bemühen sich seit dem Ausbruch der Kämpfe hinter den Kulissen um eine Verständigung zwischen den beiden Seiten. Gestern verdichteten sich Gerüchte um eine bevorstehende Waffenruhe. Die New York Times zitierte eine hochrangige Quelle aus dem israelischen Sicherheitsapparat, der zufolge Israel und die Hamas innerhalb der kommenden zwei Tage eine Einigung finden könnten. Am Nachmittag meldeten israelische Medien, dass Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu für denselben Abend ein Treffen des Sicherheitskabinetts angesetzt hatte, um eine mögliche Waffenruhe zu diskutieren.
Derweil absolvierte der deutsche Außenminister ein dichtes Programm: Neben dem Treffen mit Ashkenazi waren Termine mit dem israelischen Verteidigungsminister Benny Gantz und dem Staatspräsidenten Reuven Rivlin geplant, außerdem eine Unterredung mit dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas in Ramallah. Noch für denselben Abend war der Rückflug nach Deutschland angesetzt. Zeitgleich mit Maas waren gestern auch die Außenminister Tschechiens und der Slowakei in Israel, zwei Tage nach einem Besuch ihres griechischen Kollegen.
Israels Außenminister Gabi Ashkenazi nannte die Besuche seiner europäischen Kollegen einen „weiteren Beweis für die breite Unterstützung und die Legitimität, die Israel während dieser Tage des Kämpfens von den Nationen der Welt erhält“.