Als Hexe „bin ich manchmal mehr ich selbst“, sagt Duffield-Schwarz. Foto: Sägesser

Die 45-jährige Fay Duffield-Schwarz ist Närrin und eine Frau voller Überraschungen.

Birkach - Sie ist eine Hexe. Das hat Fay Duffield-Schwarz schon in jungen Jahren bemerkt. Damals war es noch nicht offiziell, aber sie hat sich gesagt: „Wenn die Kinder groß sind, gehe ich nach Baden-Württemberg und werde Hexe.“ Genau so ist es gekommen. Mehr noch, seit zwei Jahren ist die heute 45-jährige Birkacherin sogar Hexenmeisterin. Im Januar 2011 hat sie zusammen mit ein paar anderen die Zunft der Birckhe-Bronna Hexa gegründet. Dass dies einmal geschehen würde, konnte Fay Duffield-Schwarz nicht wissen, als sie von ihrer Zukunft als Hexe tagträumte. Zu viel sollte sich zwischendurch ereignen.

Die blonde Frau mit der rauchigen Stimme ist gleich mittendrin. Eigentlich wollte sie eingangs nur erklären, was es mit Poldi auf sich hat, wie sie zu dem treuen Hund gekommen ist. Kaum hat sie sich versehen, hat sie außerdem offenbart, dass sie es mit ihrer Mutter schwer gehabt hatte, dass sie mehrmals verheiratet war und dass sie drei Kinder hat. „Ich bin ein sehr offener Mensch“, wird Fay Duffield-Schwarz später sagen. Nun schaut sie auf die Wanduhr und fragt: „Wie lange haben Sie Zeit? Ich bin jetzt 45 und kann die Geschichte von einer 60-Jährigen erzählen.“

Es macht Spaß, Fay Duffield-Schwarz zuzuhören. Sie wirkt lebenslustig. „Das bin ich auch“, sagt sie. Eigentlich ein Wunder, nach all den düsteren Begebenheiten in ihrem Leben. Ihre Philosophie, sagt sie: „Ich gehe nie einen Schritt zurück, außer ich nehme Anlauf.“ Das schlechte Verhältnis zur Mutter, Schwierigkeiten mit den Söhnen, zwei Ehen, die in die Brüche gingen, ein kaputter Rücken, Bandscheibenvorfall, das sind die Maschen, aus denen ihre Biografie gestrickt ist. Dann erzählt sie, dass sie mit Anfang 30 dick war. „Ich habe 120 Kilo gewogen“, sagt sie. Heute hat sie etwa die Hälfte davon auf den Rippen. „Ich möchte nie mehr fett sein im Leben“, sagt die Frau, die fast 1,80 Meter misst, mit ihrem Zopf aber trotzdem mädchenhaft ausschaut.

Hexen sollten fit sein

Als Größe 48 nicht mehr gepasst hat, musste Schluss sein. Es habe sich angefühlt, als sei sie im eigenen Körper gefangen. Fay Duffield-Schwarz hat mit Sport begonnen. In einem halben Jahr waren 25 Kilo runter. Die Pfunde fielen, die Lebensqualität wuchs.

Seit acht Jahren lebt sie in Birkach, zusammen mit ihrem dritten Mann, und natürlich mit Poldi. Wegen des lädierten Rückens bezieht die 45-Jährige Erwerbsminderungsrente. Den Job im Büro musste sie schon vor einiger Zeit aufgeben. Freiberuflich gibt sie regelmäßig Gymnastikkurse bei der Sportgemeinschaft Stern.

Ihre Hexen trainiert Fay Duffield-Schwarz ebenfalls. Das hat sich so eingebürgert. Denn Hexen sollten fit sein, wenn die närrische Zeit anbricht. Und das passiert in diesen Tagen. Am gestrigen Sonntag, 6. Januar, war in Birkach die zweite Hexentaufe, die Zunft hat nun 25 Mitglieder, von denen sich neuerdings acht Hexe nennen dürfen.

„Es geht um den Moment, es gibt keine Vergangenheit“

Eine echte Hexe wurde Fay Duffield-Schwarz übrigens schon etwas früher. Bevor sie die Birckhe-Bronna Hexa zusammen mit anderen aus der Taufe gehoben hat, hat sie bei einer anderen Zunft mitgewirbelt. Dann gab es Knatsch, und Fay Duffield-Schwarz ist ihre eigenen Wege gegangen. So war das wohl nicht immer. Also dass sie sich zur Wehr gesetzt hat. Sie habe viel eingesteckt, sagt sie. „Ich wusste nicht, was Leben heißt.“ Die anderen dachten, sie sei stark, sie aber fühlte sich ganz schwach.

Wenn Fay Duffield-Schwarz in ihr Häs schlüpft und die Maske aufsetzt, wird sie zu einer anderen. Sie sei dann nur Hexe, alles andere verblasse. „Dann bin ich manchmal mehr ich“, sagt sie. Unbefangen, frei. „Es geht um den Moment, es gibt keine Vergangenheit“, sagt sie.

Sie ist voller Überraschungen für Menschen, die sie kennenlernen. Die niemals an schwäbisch-alemannisches Brauchtum denken würden, wenn sie den Namen Fay Duffield-Schwarz hören. Als „Frankfurter Mädel“, wie sich die Tochter eines Amerikaners immer noch nennt, ist sie zwar im Karneval groß geworden, sie war als Kind Funkenmariechen. Die Hexen haben ihr aber besser gefallen. Schließlich wusste sie schon früh, dass sie eine von ihnen ist.

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