Der australische Farmer Aidan Young hält eine Erdbeere hoch: Wegen der landesweiten Angst vor Nadeln in den Früchten muss er seine Ernte vernichten. Foto: AFP

Die Funde von Nähnadeln in Erdbeeren alarmieren die australische Öffentlichkeit. Ist es ein frustrierter Erdbeerpflücker? Oder stecken Terroristen dahinter? Die Regierung nimmt den Fall jedenfalls extrem ernst.

Sydney - In Australien geht die Angst um. Farmer installieren Metalldetektoren. Supermärkte verkaufen keine Nähnadeln mehr. Gleichzeitig warnt ein Professor, dass diese Form des Lebensmittel-Terrorismus zur Bedrohung werde. Ein Biss in eine saftige, rote Erdbeere – in Australien ist dies nicht mehr möglich. Denn die beliebten Früchte werden seit Anfang September sabotiert. Übers gesamte Land verteilt haben Verbraucher Nadeln in Erdbeeren entdeckt.

Inzwischen gibt es sogar schon Berichte, dass auch andere Früchte betroffen sein könnten. Ein Erdbeer-Farmer in Queensland, woher die meisten Erdbeeren stammen, will nun Metalldetektoren installieren, um seine Produkte zu überprüfen. Die Regierung des Bundesstaates hat eine Belohnung in Höhe umgerechnet 62 000 Euro für die Ergreifung des Täters ausgeschrieben. Annastacia Palaszczuk, die Ministerpräsidentin von Queensland, kündigte zudem Subventionen in Höhe von einer Million australischer Dollar für die betroffenen Landwirte an.

Bauern bleiben auf ihren Beeren sitzen

Die großen Supermarktketten haben die Früchte teils komplett aus dem Sortiment genommen. Mehrere Tonnen an Erdbeeren mussten bereits zerstört werden. Stephanie Chheang, die Tochter eines lokalen Farmers, postete ein Video auf Facebook, das die Massen an Erdbeeren zeigt, die alleine auf der Farm ihrer Familie zerstört werden mussten. „Dies ist ohne Zweifel das Schlimmste, was meiner Familie je passiert ist“, kommentierte sie die Bilder. Innerhalb von nur drei Tagen habe ihre Familie alles verloren, was sie sich aufgebaut hätten. Der Verband der Erdbeerproduzenten vermutet laut lokaler Medienberichte, dass ein unzufriedener ehemaliger Mitarbeiter hinter der Sabotage stecken könnte.

Ein Medienbericht brachte auch den Verdacht auf, dass Rucksacktouristen, die häufig in der Erntehilfe eingesetzt werden, die Schuldigen sein könnten. Auch Nachahmungstäter könnten verwickelt sein. Noch hat die Polizei jedoch niemanden festgenommen. Bisher sind sämtliche Vorfälle glimpflich ausgegangen: Die meisten Nadeln wurden vor dem Verzehr entdeckt.

Bisher nur ein Verletzter durch verschluckte Nadel

Nur ein 21-jähriger Mann musste im Krankenhaus behandelt werden, nachdem er eine Nadel verschluckt hatte. Laut eines Facebook-Posts seines Freundes Joshua Gane bekam der junge Mann kurz danach starke Bauchschmerzen. Auch die Gesundheitsbehörde in Queensland warnte, dass verschluckte Nadeln Schäden im Verdauungstrakt verursachen könnten.

Nigel Grigg, ein Professor für Qualitätssysteme an der Massey Universität in Neuseeland, sagte, je komplexer und internationalisierter eine Lieferkette werde, desto schwieriger sei es, eine effektive Kontrolle darüber zu haben, was mit einem Produkt passiere. Es gebe grundsätzlich reichlich Gelegenheiten, Produkte absichtlich zu sabotieren.

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