Bittere Pille: Für Malcolm Hill ist die Saison zu Ende. Foto: Baumann

Kaum haben die MHP Riesen Ludwigsburg nach zehn Niederlagen wieder einmal gewonnen, folgt der nächste Schock: Malcolm Hill fällt bis Saisonende aus. Dafür kommt zumindest Lamont James immer besser in Fahrt.

Ludwigsburg - Die Freude über den ersten Sieg der MHP Riesen Ludwigsburg nach zehn Niederlagen währte nicht lange, gerade einmal gut 24 Stunden. Vor dem Heimspiel der Champions League an diesem Dienstag (20 Uhr) gegen UCAM Murcia hatten die Verantwortlichen des Basketball-Bundesligisten Gewissheit: Malcolm Hill hatte sich in der Schlussphase in Ulm einen Kreuzbanriss zugezogen. Ausgerechnet Hill, der Top-Scorer im Team, der in den vergangenen Spielen regelmäßig mehr als 20 Punkte beisteuerte. „Wir müssen uns jetzt genau überlegen, auf welcher Position wir handeln“, sagte der Vorsitzende Alexander Reil. „Für Malcolm tut mir das Ganze extrem leid. Er hat sich in den vergangenen Wochen mehr und mehr gesteigert. Wir sind sehr enttäuscht“, fügte Trainer John Patrick hinzu. Der Ausfall für den Rest der Runde trifft die Riesen umso härter, weil der Verein seit dem Bundesligastart Ende September bereits zwei von insgesamt nur vier möglichen Nachverpflichtungen während der gesamten Saison, die noch bis Mai geht, ausgeschöpft hat: den Litauer Donatas Sabeckis – und Lamont Jones. Der ist inzwischen zu so etwas wie dem Hoffnungsträger geworden ist.

Lob für Lamont Jones

„Ich bin begeistert, wie er Verantwortung übernommen hat“, sagte Trainer John Patrick zuletzt in Ulm. Solche Lobeshymnen aus seinem Mund überraschen, schließlich stand der Spieler, der im Sommer als fünftbester Scorer 2017/18 vom Ligarivalen Mitteldeutscher BC gekommen war, unmittelbar vor Saisonstart noch auf der Abschussliste. Jedenfalls war er zunächst gar nicht für den Kader gemeldet und dann doch begnadigt worden. Nachdem sich abgezeichnet hatte, dass Neuzugang Thomas Wilder den Sprung vom College in die BBL nicht schaffen wird, erinnerten sich die Verantwortlichen eben an Jones, der noch einen Vertrag besaß, der ansonsten hätte aufgelöst werden müssen. So weit kam es nicht, Gott sei Dank.

Patrick spielt die Brisanz dieser Personalie herunter indem er betont, dass Jones immer in Ludwigsburg gewesen sei. Aber nicht direkt im Mannschaftstraining, die meiste Zeit hat er individuell an sich gearbeitet, offensichtlich mit Erfolg. Denn in Ulm zeigte sich, dass der 28-Jährige physisch auf den Höhe war – und psychisch. Während einige Spieler sich im letzten Viertel, als das Spiel zu kippen drohte, eher versteckten, forderte Jones immer wieder den Ball und und steuerte selbst noch 18 Punkte zum Sieg bei. Seine Präsenz war umso überraschender, als er tags zuvor schon um sechs Uhr morgens nach Frankfurt musste, um dort auf dem Konsulat Pass- und Visa-Angelegenheiten zu regeln. „Als er mittags zurückkam, war er kaputt“, sagt Patrick, der von Jones Einstellung umso mehr angetan ist: „Andere Spieler wären nach den Vorfällen vor der Saison beleidigt gewesen, er hat sich immer professionell verhalten – und gezeigt, dass er Point Guard spielen kann.“

Wer muss noch gehen?

Die wichtige Spielmacherposition also, die bei den Riesen das Sorgenkind war. Bis zu der Hiobsbotschaft mit Hill. Ohne seinen Ausfall hätten noch ein, zwei der überzähligen Ausländer gehen müssen. Zuletzt pausierten Aaron Best und Trevor Mbakwe. „Es ist immer schwierig, es den Spielern erklären zu müssen“, sagt Patrick, „aber so ist das Geschäft.“ Wer wüsste das besser als Lamont Jones, wobei der sicher nicht mehr zu den Streichkandidaten zählt.

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