Nürnberg – mittelalterlich wiederaufgebaut – wird von der Kaiserburg dominiert Foto: dpa

Da geht es lang: der VfB Stuttgart tingelt künftig durch die zweite Liga. In Nürnberg kommt der „Glubb“ gleich nach Bratwurst, Lebkuchen und Christkindlesmarkt.

Nürnberg - Eine offene Flanierzone am Ufer der Pegnitz, ein nach dem Krieg im mittelalterlichen Look wieder aufgebaute Altstadt samt Albrecht-Dürer-Haus, die kontrastiert wird mit modernen Bauten wie dem Neuen Museum: Dem Zufallsbesucher präsentiert sich Nürnberg als Geheimtipp. Die Historie ist präsent, nicht nur in der Kaiserburg und den alten Kirchen – protestantisch mitten in Bayern, verschont vom Bildersturm: Wer über einen Steg der Pegnitz geht, am Weinstadel vorbei, kommt zum Henkerhäuschen, wo einst Scharfrichter Franz Schmidt seine Wohnung hatte.

Der Franke stellt sein Licht gern unter den Scheffel

Mit „Nämberch“ eng verbunden ist der „Glubb“, der FC Nürnberg, er kommt gleich nach Bratwurst, Lebkuchen und Christkindlesmarkt, der jedes Jahr zwei Millionen Menschen aus aller Welt anlockt. Seine glanzvollen Zeiten hat der Verein hinter sich, dennoch fiebert die Stadt mit ihm mit, ja eigentlich ganz Nordbayern, um sich von Bayern München abzusetzen. Erst 1806 zu Bayern gekommen hat die einst Freie Reichsstadt ihr eigenes Lebensgefühl bewahrt. Sie war und ist eine Arbeiter- und Industriestadt, wenngleich Firmen wie AEG und Grundig dicht gemacht haben. Nürnberg ist heute multikultureller als München und wird fast immer rot regiert. „Wir Franken habe nicht das Mir-San-Mir-Gefühl der Altbayern“, sagt Siegfried Zelnhefer von der Stadt Nürnberg. Man stelle sein Licht gerne unter den Scheffel, zeige den Reichtum nicht. Zu verschenken hat aber auch der Franke nichts: Eine Nürnberger Wurstküche – gegründet 1419 – streitet mit einer in Regensburg darum, die älteste der Welt zu sein.

Die Nazis hatten Nürnberg für ihre Reichsparteitage ausgewählt – obwohl die Stadtbevölkerung sie mehrheitlich gar nicht herbeigewählt hatte. Mit dem dunklen Erbe – den Unkrautgrün ansetzenden Protzbauten von Albert Speer – geht die Stadt sehr überlegt um: 2001 ist das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände gegründet worden, eine beeindruckende Aufarbeitung der NS-Gräuel und der Nürnberger Prozesse. Es lockt mehr als 200 000 Gäste im Jahr – jeder zweite ist aus dem Ausland. Mit einem internationalen Menschenrechtspreis hat sich Nürnberg einen Namen gemacht. Die Stadt ist deutlich mehr als der „Glubb“ – und auf ein Schlagwort lässt sie sich schon gar nicht reduzieren.

Einwohner: 501 000

Verein: Der 1. Fußball-Club Nürnberg, Verein für Leibesübungen e. V. – kurz FC Nürnberg – wurde 1900 gegründet. Bis 1987 war er neunmal deutscher Meister. Danach ging’s auf und ab in den Ligen – „Fahrstuhlmannschaft“, hieß es.

Spielstätte: Grundig Stadion

Fassungsvermögen: 50 000

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