Das kleine Jungtier bei den Mähnenspringern klettert schon geschickt zwischen den Artgenossen herum. Foto: Wilhelma Stuttgart/Birger Meierjohann

Große Freude im Stuttgarter Zoo: Bei der gefährdeten Art der Mähnenspringer ist ein Junges geboren worden. Das Tierbaby ist nicht nur Kletter- sonder auch Überlebenskünstler.

In der felsigen Landschaft unterhalb der Raubkatzenanlage hat sich bei den Mähnenspringern in der Wilhelma niedlicher Nachwuchs eingestellt, der zugleich auch für die Erhaltung der Art sehr wichtig ist. Das kleine vierbeinige Huftier ist schon ganz aktiv und klettert in der Felslandschaft herum. Wie Wilhelma-Sprecher Birger Meierjohann mitteilt, wurde das grazile Jungtier Ende September bei den Mähnenspringern geboren. Über die Geburt freut sich auch Kuratorin Kerstin Ludmann. Sie hat beobachtet, dass die Mähnenspringer von Natur aus wahre Kletterkünstler sind. „Schon kurz nach der Geburt ist der Nachwuchs in der Lage, seiner Mutter trittsicher durch Felsen und Geröll zu folgen.“ Und bereits jetzt zeigt das beigefarbene Tier mit den dunklen Augen und den putzig-aufrechten Ohren, was es kann. Es klettert geschickt in der gebirgigen Anlage zwischen seinen Artgenossen umher.

 
Das junge Berberschaf wurde Ende September geboren. Foto: Wilhelma Stuttgart/Birger Meierjohann

Mähnenspringer, auch bekannt als Berberschaf, sind Huftiere, die in ihrem natürlichen Lebensraum im felsigen und trockenen Gebirge vom Maghreb bis in die Sahara leben. Sie sind den Angaben zufolge übrigens weder Ziegen noch Schafe. Sie bilden eine eigene Gattung innerhalb der Ziegenartigen. Die Böcke sind erkennbar durch ihre langen Hörner, die dick sind und bis zu 85 Zentimeter lang sein können. Die Hörner nutzen sie zur Verteidigung gegen Feinde und bei Revierkämpfen. Bei den Mähnenspringern tragen beide Geschlechter Hörner, bei den Weibchen sind diese aber kürzer und schmaler. Namengebend ist ihre dichte „Mähne“ an Kehle und Hals, die bei den Böcken besonders ausgeprägt ist und sogar bis zum Boden reichen kann.

Tierart ist durch Jagd und Klimawandel gefährdet

Die Tierart ist von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) als gefährdet eingestuft. Gründe sind die intensive Jagd durch den Menschen und die durch den Klimawandel verstärkte Bildung von Wüsten. Zwar handelt es sich um genügsame Tiere, die einen Großteil ihres Wasserbedarfs über Gräser und Blätter decken können. Dennoch ist die Konkurrenz mit Nutztieren um die wenigen Wasserstellen inmitten der Trockenlandschaften Nordafrikas ein weiterer Bedrohungsfaktor für die Art. Es gibt nur noch wenige Mähnenspringer: Man geht im natürlichen Lebensraum von lediglich 5000 bis 10.000 Individuen aus.

Neugierig beäugt das Jungtier die Klippschliefer auf dem Rücken der Mutter. Foto: Wilhelma Stuttgart/Birger Meierjohann

In der Wilhelma leben die Mähnenspringer zusammen mit den aus dem Hochland Äthiopiens stammenden Blutbrustpavianen und mit den in verschiedenen Teilen Afrikas verbreiteten Klippschliefern, die in ihrem Körperbau an Meerschweinchen erinnern. Die drei Arten teilen sich eine Anlage, deren Gestaltung mit felsigen Gebirgslandschaften dem nördlichen Afrika nachempfunden wurde.

Die drei Arten haben sich gut aneinander gewöhnt, erklärt Meierjohann. Das können auch die Besucherinnen und Besucher beobachten: So erhalten die Mähnenspringer regelmäßig Fellpflege von den Blutbrustpavianen und die offenbar geduldigen Tiere werden gerne von den Klippschliefern als gemütliche Sitzgelegenheit genutzt. Da staunte nun auch das neugeborene Huftier nicht schlecht, als es sah, dass es sich zwei Klippschliefer auf dem Rücken seiner Mutter bequem gemacht hatten und dösten.