Beim Jugendrotkreuz lernen Mädchen und Jungen nicht nur, wie man Wunden versorgt. Es geht um viel mehr. Foto: Ines Rudel

Jahrzehntelang ist das Jugendrotkreuz eine Institution im Stuttgart Stadtteil Fasanenhof gewesen. Doch nun findet sich keine neue Gruppenleitung.

Fasanenhof - Für Karin Maier gibt es viele gute Gründe, sich beim Jugendrotkreuz (JRK) zu engagieren. Die 59-Jährige hat die Gruppe auf dem Fasanenhof aufgebaut. Damals war sie 15, seit 44 Jahren ist sie nunmehr dabei. In dieser Zeit hat sie vielen Kindern und Jugendlichen erklärt, was in einem Notfall zu tun ist, wie man einen Verletzten versorgt. Und ganz nebenbei hat sie die Mädchen und Jungen beim Erwachsenwerden begleitet, hat ihnen Werte vermittelt – nicht nur Hilfsbereitschaft, sondern auch Selbstständigkeit, Teamfähigkeit, Zusammenhalt und einiges mehr.

Aktuell kommt etwa gut ein dutzend Mädchen und Jungen regelmäßig zu den Treffen donnerstags im JRK-Heim am Ehrlichweg. Darunter sind auch zwei Jugendliche mit einer Behinderung. Für Maier gehören sie genauso dazu wie jeder andere, und sie seien perfekt in die Gruppe integriert. Doch wie lange es diese noch gibt, ist fraglich. Denn für Karin Maier steht fest, dass sie mit dem Beginn der Sommerferien als Gruppenleiterin aufhört. Sie habe sich immer geschworen, dass sie mit 60 Jahren keine Jugendgruppe mehr leiten werde. Und dieser Termin rücke nun immer näher, sagt Maier.

Viele Vereine und Organisationen finden keine Jugendleiter mehr

Seit Jahren sucht sie nach Nachfolgern. Engagierte aus den eigenen Reihen gibt es viele. Doch das Problem sei, dass die meisten nach dem Schulabschluss zum Studieren oder für eine Ausbildung in eine andere Stadt ziehen oder aber bald beruflich so eingespannt sind, dass sie die Gruppenleitung nebenher nicht mehr stemmen können. „Das Problem gibt es überall. Viele Vereine und Organisationen haben damit zu kämpfen“, bedauert Karin Maier.

Vor genau einem Jahr, im Januar des vergangenen Jahres, hatte sie eine frohe Kunde. Damals hatte sie zwei junge Frauen gefunden, die bereit waren, die Fasanenhofer Jugendgruppe künftig gemeinsam zu führen. Gleichzeitig gründete das JRK Fasanenhof eine neue Kindergruppe. Doch mittlerweile ist dieser Enthusiasmus wieder verflogen. Auch die beiden frisch gebackenen Jugendleiterinnen wurden von den Zwängen von Studium und Beruf eingeholt. Und Karin Maier steht wieder am Anfang. Doch nicht allein, wie sie betont. Sie habe immer viel Unterstützung gehabt, vor allem von ihrem Mann Thomas, von Daniela Feser und Anja Maier. Doch im Sommer hören alle Familienmitglieder auf. „Es muss einen Schnitt geben, einen richtigen Wechsel, sonst kann es keinen Neuanfang geben“, sagt Karin Maier.

Der Kreisverband steht hinter der Jugendgruppe

Sie wirbt für das freie Amt. „Jugendarbeit ist ein Geben und ein Nehmen“, sagt sie. Auch wenn es manchmal stressig gewesen sei, habe die Freude an der Gemeinschaft immer überwogen. „Beide Seiten profitieren voneinander. Es gab so viele schöne Stunden, die wir in unseren Gruppen verbracht haben“, sagt Maier und ergänzt: „Den neuen Jugendleiter erwartet ein tolles, motiviertes Team, mit dem man jede Menge Spaß haben kann.“ Die Kinder seien da. Ein Vereinsheim sei da. Und der DRK-Kreisverband habe immer wieder betont, dass er hinter der Jugendgruppe auf dem Fasanenhof stehe.

Und was passiert, wenn sich nun wirklich kein neuer Gruppenleiter findet? „Dann wird es die Gruppe wohl bald nicht mehr geben“, sagt Maier. Ob die Mädchen und Jungen dann in andere Ortsgruppen, also zum Beispiel nach Degerloch, wechseln, und so zumindest dem Deutschen Roten Kreuz als Nachwuchs erhalten bleiben, kann Maier nicht sagen. Doch sie hat ihre Zweifel. „Viele sind ja noch sehr jung, und die Wege sind dann schnell sehr weit“, sagt sie.

Das Jugendrotkreuz unterstützen

Das Jugendrotkreuz ist der eigenständige Jugendverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). „Etwa 140 000 Mitglieder im Alter von sechs bis 27 Jahren engagieren sich gemeinsam für Gesundheit, Umwelt, Frieden und internationale Verständigung“, schreibt der Verein auf seiner Internetseite über sich selbst.

Die Mitglieder des Jugendrotkreuz Fasanenhof treffen sich immer donnerstags von 18.30 Uhr an im Vereinsheim am Ehrlichweg 35 C. Das Treffen für die Jüngeren, also die Acht- bis Elfjährigen, endet um 19.30 Uhr. Die Zwölf- bis 20-Jährigen bleiben in der Regel bis 20.30 Uhr.

Wer Interesse daran hat, die Leitung der Gruppe zu übernehmen, wendet sich an Karin Maier, Telefon 0711/75 28 35 oder 01 51-11 75 24 27 oder schreibt eine E-Mail an: Karin.Maier.Leinfelden@web.de.

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