Großbaustelle in der Friedhofstraße: Statt Mietminderung gibt es ein Jahr lang Lärm und Dreck. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia steht wegen hoher Mieten und umstrittener Modernisierungen in der Kritik. Jetzt steht ein Gespräch mit OB Fritz Kuhn bevor. Dabei soll es auch darum gehen, wo der Großvermieter selbst zum Bauherrn werden könnte.

Stuttgart - Vonovia tritt bisher bundesweit vor allem als Vermieter auf. Regelmäßig werden Konkurrenten übernommen und große Bestände hinzugekauft. Häufig hagelt es danach Kritik, weil Vonovia relativ einfache und deshalb bezahlbare Wohnungen aufwendig modernisiert und die Mieten danach massiv erhöht. Das ist auch in Stuttgart der Fall, wo der Bochumer Immobilienriese derzeit über 4600 Wohnungen besitzt. 279 davon werden allein in diesem Jahr modernisiert – unter großem Protest der Mieter.

Darüber soll es demnächst ein Gespräch mit Oberbürgermeister Fritz Kuhn geben. Doch es wird noch um ein anderes , durchaus überraschendes Thema gehen. Denn Vonovia plant offenbar, in Stuttgart selbst Neubauten zu errichten. Das hat bisher nicht zu den Spezialitäten des Konzerns gehört. Doch der Druck auf dem Wohnungsmarkt hat wohl ein Umdenken bewirkt. „Seit zwei Jahren läuft bundesweit ein entsprechendes Programm. Seither haben wir im Bereich Neubau viel investiert“, sagt ein Vonovia-Sprecher. Man werte das als Beitrag, um den Wohnungsmangel zu verringern.

„In Stuttgart werden wir uns jetzt intensiv damit beschäftigen, was möglich ist“, so der Sprecher. Man wolle dabei aber keine Bauplätze kaufen, sondern auf den eigenen Flächen nach Möglichkeiten suchen. Das bedeutet: Es soll, wo immer machbar, in bestehenden Siedlungen nachverdichtet werden. Außerdem ist geplant, Gebäude aufzustocken. Das praktiziert Vonovia vereinzelt bereits, zum Beispiel in Untertürkheim. Dort gehen die Mieter auf die Barrikaden, weil das Aufsatteln eines weiteren Geschosses mit langen und intensiven Bauarbeiten verbunden ist.

Die Stadt soll helfen

Beim Gespräch mit der Stadt soll es auch darum gehen, dem Konzern möglichst bei seinem Vorhaben unter die Arme zu greifen. „Wir stellen immer wieder fest, dass sich unsere Ziele nicht unterscheiden. Wir wollen Wohnraum schaffen“, sagt der Sprecher. Dazu brauche man die Stadt als Partner. So soll es zum Beispiel darum gehen, möglichst schnell Baugenehmigungen zu bekommen und auch sonst keine Hürden im Weg zu finden. „Das ist aufgrund der ohnehin hohen Baukosten auch wichtig. Wir wollen immer günstig bauen, damit auch die Mieten nicht so hoch sind“, heißt es bei Vonovia.

Die Stadtverwaltung kommentiert die Ankündigung zurückhaltend. „Wenn es darum geht, in Stuttgart neue Wohnungen zu bauen, sind wir stets offen für Gespräche“, sagt Sprecher Sven Matis. Es sei gut zu hören, dass die Vonovia ihre Vorhaben mit der Stadt besprechen wolle. Man werde sich hierzu demnächst austauschen. Und vermutlich über einiges mehr – zum Beispiel den Streit um die Modernisierungen.

Die Proteste dagegen reißen nicht ab. Im Hochhaus Friedhofstraße 11 im Nordbahnhofviertel zum Beispiel laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Viele Mieter der 81 Wohnungen dort klagen über Lärm und Dreck – und das ein Jahr lang. Darüber laufen diverse Auseinandersetzungen mit dem Unternehmen. So hat eine Mieterin, die in einem Schreiben an Vonovia eine Mietminderung angekündigt hat, inzwischen eine bemerkenswerte Antwort erhalten. „Wir haben Verständnis dafür, dass die laufende Modernisierungsmaßnahme für Sie eine Beeinträchtigung darstellt. Der von Ihnen angekündigten Mietminderung widersprechen wir dennoch aus Gründen äußerster Vorsicht, dem Grunde und der Höhe nach“, heißt es da. Für „besondere Beeinträchtigungen“ entscheide man nach der Baumaßnahme selbst über etwaige freiwillige Entschädigungen. Bis dahin werde man die Angelegenheit nicht mehr behandeln.

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