Die Brüder Lukas (1), Moritz (2), Daniel (3) und Clemens (4) Fleig haben sich ihren Traum vom eigenen Burger-Restaurant erfüllt– und mit ihrem Team derzeit gut lachen. Foto: Stefan Klein

Eine riesige Küche, ein Mini-Gastraum im Flohmarkt-Stil, dazu Burger aus hochwertigen Zutaten – auf dieses Konzept setzt in Obertürkheim das charmante Restaurant Nachtschicht.

Stuttgart - Die Erfolgsgeschichte begann mit einer Schnapsidee. In der Augsburger Straße 562, einem schmucklosen Bürogebäude aus den 70ern, bezogen die vier Brüder Moritz, Daniel, Clemens und Lukas Fleig vor einem Jahr eine 180-Quadrameter-Wohngemeinschaft. Die Gastronomie-Fläche im Erdgeschoss stand leer. Verschiedene Restaurants waren über die Jahre gekommen und wieder gegangen. Jetzt wollten die Brüder aus Tennenbronn im Schwarzwald ran – und es natürlich­ besser machen.

Abgesehen vom Blick auf die Weinberge sind die Standortfaktoren eher mau: keine Laufkundschaft, kaum Nachbarn. Dafür aber Firmen wie Daimler in der Nähe. „Wir Brüder wollten schon immer mal was zusammen machen“, sagt Lukas Fleig. „Also haben wir überlegt, welches gastronomische Konzept hier funktionieren könnte.“ Eine riesige Küche, aber ein Gastraum, der gerade mal so groß wie ein Café ist. Was nun? Ein Lieferdienst für die Mercedes-Mitarbeiter, der etwas anderes anbietet als nur Pizza oder Asia-Gerichte. Also Burger, Baguettes, Bagel­s, Suppen, Eintöpfe und Salate.

Moritz ist das gastronomische Rückgrat der Jungunternehmertruppe. Er selbst habe ja „eher einen Slow-Food-Hintergrund“, bei dem bewusstes, regionales Essen im Mittelpunkt steht. Das mit Fast Food zu verbinden sei nun die Herausforderung. Moritz ist Koch und Konditor, hat im Schwarzwald und in der Schweiz sein Handwerk gelernt und in der Sterne-Gastronomie Erfahrungen gesammelt. „Wir wollen ehrliche Produkte anbieten – selbst gemacht und ohne Zusatzstoffe“, sagt er. „Wir sind aus dem Schwarzwald qualitativ Hochwertiges gewohnt“, ergänzt sein Bruder Lukas. „Dass man für ’nen Zehner gut essen gehen kann“ – das sei das Ziel, denn an solchen Möglichkeiten fehle es bisher in Stuttgart.

Auch eine Kuckucksuhr hängt im Restaurant

Ein Name für das Projekt war schnell gefunden. Für die Arbeiter bei Daimler sollte der Lieferservice bis spät in die Nacht erreichbar sein – also nannten sich die Brüder Nachtschicht. Dann entschieden sie sich, auch noch ein richtiges Restaurant zu eröffnen: „Quasi als Visitenkarte“, sagt Daniel. Außer der Küche wurde auch der Gastraum renoviert­. „Das war echt heftig“, sagt Moritz beim Gedanken an drei Monate Putzarbeit. Der Gastraum mit acht Tischen bietet nun ein charmantes Durcheinander – wie auf dem Flohmarkt. Auch eine Kuckucksuhr gibt es, ein bisschen Schwarzwald muss eben sein. In der Küche­ hängen die „Baupläne“ für die wichtigsten Burger, die die Jungs im Angebot haben, an der Wand.

Die Handgriffe sitzen. In kürzester Zeit steht ein „Lecker Royal mit Käse“ auf dem Tisch. Ein Prachtexemplar. Der Deckel ist angelehnt – der Burger zeigt sein Innen­leben. Salat, Tomate­, Zwiebel, Gurke, doppelt Käse, Cocktailsoße – und 150 Gramm Rindfleisch. „Eine Mischung aus einem typisch­ amerikanischen Patty, sprich einer Hackfleisch-Scheibe, und einem deutschen Fleischküchle“, erklärt Moritz. Außer Fleisch sind also auch Eier, Petersilie, Salz und Pfeffer drin. Die hausgemachte Cocktailsoße wird auf einem extra Löffel gereicht. Ohne Besteck ist dem Burger kaum beizukommen. Der „Lecker Royal“ sei einer der beliebtesten Burger, sagt Moritz. Doch auch die vegetarische Variante mit Falafel sei im Kommen.

Stammgäste gibt es schon

Wie den Vorgängern wurde auch dem zwölfköpfigen Nachtschicht-Team aus dem Umfeld der gastronomische Untergang prophezeit. Doch seit der Eröffnung vor einigen Monaten füllen sich schon am frühen Mittag die Tische, erste Bestellungen treffen telefonisch ein. Das Publikum ist bunt gemischt, es gibt viele Stammgäste. Sogar­ Seniorengruppen aus dem nahe gelegenen Altenheim schauen regelmäßig vorbei, erzählen die Brüder. Bis spät in die Nacht liefern die Restaurantbetreiber allerdings nicht mehr. „Das hat sich nicht gelohnt“, sagt Daniel.

Anfangs produzierten die Jungs alles selbst. Mittlerweile ist die Nachfrage so groß, dass Unterstützung her musste: Ein lokaler Bäcker­ liefert nun die Brötchen, die Fleisch-Pattys kommen von einer Metzgerei um die Ecke. Der Laden trägt sich, davon leben können die Brüder derzeit aber noch nicht. Das ziemlich andere Fast-Food-Restaurant muss auch Entscheidungen treffen, die manchmal seltsam anmuten. So hat das Lokal samstags geschlossen.„Die Leute haben entschieden, da eher in die Stadt zu gehen“, erklärt Moritz lachend. „Dann machen wir das eben auch so.“

Nachtschicht – Restaurant und Lieferdienst, Augsburger Str. 562, Stuttgart-Obertürkheim, Telefon 3 00 41 88. Montags bis freitags von 11.30 bis 14 Uhr und von 17.30 bis 23 Uhr geöffnet, sonntags durchgehend von 16 bis 23 Uhr. www.nachtschicht-stuttgart.de
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