Nachtleben Paris - Stadt der Langeweile

Von Gerd Niewerth, Paris 

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Lärmschutzgesetze, Rauchverbot: Partygänger feiern lieber in Berlin als in Paris.

Paris - Die Rue de la Butte-aux-Cailles ist die Partymeile des 13. Pariser Stadtbezirks. Junge Nachtschwärmer bevölkern die Bürgersteige vor den Brasserien: Bierglas in der Hand, Glimmstängel im Mundwinkel - Stimmung prächtig, Lärmpegel hoch. Für die Anwohner in den Stockwerken darüber ist das ein Albtraum. Überall in der Stadt machen Lärmschutzverordnungen, Rauchverbote, hohe Mietpreise und prozessfreudige Nachbarn dem Partyvolk das nächtliche Clubleben schwer. Es herrscht Krieg: Anwohner contra Nachtschwärmer.

In der Butte-aux-Cailles haben gestresste Anwohner eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen. "Wir können nicht mehr", beklagt sich ihre Sprecherin Anne Penneau. Für den Gastwirt Stéphane steht hingegen fest, dass die Initiative die Kneipen dichtmachen will. "Was wollen die Leute: dass Paris eine Schlafstadt wird?", fragt er.

Im Internet machen Kritiker mit der Kampagne Quandlanuitmeurtensilence.com (etwa: Wenn die Nacht in Stille stirbt) auf das Phänomen aufmerksam. Zuvor erhielten etliche Clubs wegen Lärmbelästigung entweder saftige Bußgeldbescheide oder mussten vorübergehend sogar dichtmachen. Francis etwa, den Wirt des Zero Zero, eines kleinen Techno-Clubs im elften Bezirk, bewarfen Anwohner mit Eiern oder schütteten ihm eimerweise Wasser aufs Haupt. Außerdem flatterten Strafzettel über 13.000 Euro ins Haus.

Pariser Szeneblickt neidisch nach Berlin

Die französische Tageszeitung "Le Monde" bringt die Katerstimmung auf den Punkt und titelt: "Paris - Europas Hauptstadt der Langeweile". Neidisch blickt die vergnügungssüchtige Pariser Szene auf pulsierende europäische Metropolen wie Barcelona, London, Amsterdam und Berlin. Insbesondere die deutsche Hauptstadt - rund um die Uhr geöffnet, tolerant und obendrein preiswert - gilt bei jungen Parisern als angesagt. Scharenweise zieht es sie von der Seine an die Spree.

"Die Pariser Nacht ist elitär und im Vergleich zu anderen Hauptstädten viel zu teuer", erklärt der Wissenschaftler Luc Gwiazdzinski vom Nationalen Forschungszentrum CNRS. Hinzu kommen die Klagen über den schlechten Nahverkehr in der Nacht sowie teure Taxen, auf die man obendrein stundenlang warten muss.

Bürgermeister Bertrand Delanoë zog nun die Notbremse. Um als Partystadt wieder von sich reden zu machen, organisierte die Stadt ein fünf Nächte dauerndes Festival mit rund 500 DJs und Musikern. "Paris ist auch nachts lebendig. Es hat seinen eigenen Rhythmus, seine Lebensart und eine große Partylust", sagte Delanoë bei der Vorstellung der "Nuits Capitales", die bis zum 21.November dauern. Und vom kommenden Jahr an soll ein eigens gegründetes Komitee dem Pariser Nachtleben wieder frischen Schwung bringen.

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