Im Perkins Park sind seit knapp sechs Monaten die Lichter aus Foto: Eva Funke

Veranstalter demonstrieren an diesem Mittwoch in Berlin für mehr Unterstützung während der Coronakrise. Mit dabei in der Bundeshauptstadt sind auch die Stuttgarter Clubbetreiber.

Stuttgart-Nord - Stuttgart-Nord - Normalerweise steht das Partyvolk vor dem Perkins Park an der Stresemannstraße in Stuttgart-Nord Schlange, um in den Club zu kommen. Bis zu 1700 Gäste zwischen 18 und 35 treffen sich dort zum Abfeiern – normalerweise. Doch seit 13. März sind die Türen zu, die Hallen leer – wie in den anderen rund 50 Stuttgarter Diskotheken und Clubs mit Tanzbetrieb. Laut Corona-Verordnung müssen Tanzbetriebe geschlossen sein, weil beim Tanzen kein Abstand eingehalten wird und das Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken, groß ist. Wann die Clubs wieder öffnen dürfen, ist ungewiss.

 

Michael Presinger, Geschäftsführer des Perkins Parks, ist Wortführer im Bund Deutscher Tanzbetriebe (BDT) im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) und im Vorstand des BDT. Bei der Großdemonstration in Berlin, die unter dem Motto „Alarmstufe Rot“ steht und von einem Bündnis von Initiativen und Verbänden der deutschen Veranstaltungswirtschaft organisiert wird, sind er und seine Kollegen mit dabei und fordern endlich Maßnahmen zur Rettung der Branche.

Den Betrieben steht das Wasser bis zum Hals

Laut Dehoga Baden-Württemberg steht den rund 700 Clubs im Südwesten das Wasser bis zum Hals. „Den Betrieben geht es dramatisch schlecht“, sagt Sprecher Daniel Ohl und fordert ebenfalls Öffnungsperspektiven. Die fehlten bislang jedoch völlig. Dass alle Betriebe, die geschlossen sind, wieder öffnen – Ohl bezweifelt das. „Es braucht gar keine Insolvenzverfahren. Die Betriebe bleiben zu, und es gibt sie einfach nicht mehr“, befürchtet Ohl. Ob es so weit kommt, hänge maßgeblich davon ab, ob die Vermieter den Club- und Discobetreibern mit der Pacht entgegenkommen und ob Reserven vorhanden sind. Ohl hofft, dass Gespräche mit den Landespolitikern bald eine Lösung bringen.

Darauf setzt Bastian Simon, Betreiber des Techno Clubs Lehmann an der Breitscheidstraße, nicht mehr. Er hat vor Wochen beim Sozialministerium ein Konzept eingereicht, das den Online-Verkauf von Einlasstickets in die Clubs vorsieht. „Pro Wochenende soll es nur ein Ticket pro Person für den Besuch nur eines Clubs geben und zwischen Ticketverkäufern und Gesundheitsamt eine digitale Schnittstelle bestehen, sodass das Gesundheitsamt im Fall einer Ansteckung mit dem Coronavirus alle Gäste schnell ausfindig machen kann“, sagt Simon. Antwort hat er von Sozialminister Manfred Lucha bislang nicht bekommen. Dass die Pacht den Club- und Diskothekenbetreibern das „Genick bricht“, bestätigt auch er und fühlt sich wie viele Clubbetreiber in Stuttgart von den Lokal- und Landespolitikern im Stich gelassen.

Ganz bis zum Hals steht Michael Presinger das Wasser noch nicht. Die Stadt hat ihm die Pacht für den Perkins Park gestundet. Und er hofft, dass ihm eventuell ein Teil erlassen wird. Doch statt 4 bis 5 Millionen Euro Jahresumsatz bringt der Club seit einem halben Jahr keinen Cent ein. Die Aktionen zum Wochenende sind da nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Auch Presinger geht davon aus, dass viele Betriebe das Jahr nicht überleben, wenn nicht bald etwas passiert, und schlägt ebenfalls Maßnahmen vor, um die Clubs bald wieder zu eröffnen: Maskenpflicht in bestimmten Bereichen, Beschränkung der Gästezahl, Temperaturmessungen bei Einlass und Auflagen für die Lüftung. „Obwohl wir fast Frischluft wie im Freien haben, da in einer Stunde 40 000 Kubikmeter Luft in unseren Club geblasen werden“, sagt er und weist darauf hin, dass durch die Schließung der Clubs die Ansteckungsgefahr mit Corona sehr viel höher ist. Presinger: „Die Leute feiern trotzdem, stehen dicht an dicht, und es werden keine Adresslisten geführt, um Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig zu machen.“ Wenn die Freiluftsaison endet und drinnen gefeiert wird, fürchtet der Clubbetreiber, werden die Covidfälle steigen.