Das „Tanzlokal“ beeindruckt mit einer Höhe von 18 Metern und Industriecharme. Foto: Andreas Essig

Drei Freunde wollen auf dem Franck-Areal in Ludwigsburg den neuen Club „Alte Rösterei“ eröffnen. Sie verraten, was sie mit dem Leerstand mit „Berghain-Vibes“ geplant haben.

Ein Club braucht nicht viel: Musik, eine Tanzfläche und vielleicht noch eine Bar. Ein guter Club dagegen schon. Atmosphäre ist entscheidend. Die Stimmung muss passen. Ausgelassenheit und eine Prise Ekstase dürfen auch nicht fehlen. Das gelingt aber nur, mit einer passenden Location.

 

Der Club „Alte Rösterei“, der im Franck-Areal am Bahnhof in Ludwigsburg entstehen soll, bringt dafür die besten Voraussetzungen mit. Früher wurde in den Gebäuden Kaffee produziert, nun wollen die drei Freunde Florian Lutz, Marcel Stahl und Nils Vrabac aus Ludwigsburg hier einen Nachtclub für etwa 400 Gäste einrichten. Der Eingang liegt in einem schmalen Gang zwischen den alten Fabrikgebäuden. Links und rechts ragen die Wände der alten Industriehalle empor. Alte Kabel, massive Rohre und Stahltreppen sorgen für eine raue, urbane Atmosphäre.

Hier soll es reingehen. Foto: Andreas Essig

Im September soll die „Alte Rösterei“ öffnen

Dahinter liegen zwei große Räume: einer für die Tanzfläche, der andere für Bar und Garderobe. Noch wirkt alles roh und kalt. Hinter dem abblätternden Putz kommen Backsteine zum Vorschein, an der Decke der 18 Meter hohen Halle verläuft ein altes Förderband, das früher Getreide transportierte. Dicke Betonpfeiler stützen die Decke. „Diesen Industriecharme wollen wir erhalten. Die Räume sollen für sich sprechen“, erklärt Nils Vrabac. Es liegt aber noch viel Arbeit vor den Gründern: Toiletten, eine Heizung, Fluchtwege und die Einrichtung fehlen noch. „Das steht jetzt an. Bis September wollen wir fertig sein“, so Florian Lutz. Dann soll der neue Club öffnen.

In dem ersten Raum, dem Nachtcafé, wie ihn die neuen Betreiber nennen, sollen eine Sitzfläche und eine zehn Meter lange Bar eingebaut werden. Die Einrichtung soll minimalistisch gehalten werden. „Kein Chichi“, sagt Marcel Stahl. Die Tanzfläche nennen sie „Tanzlokal“. Hier wollen sie eine bewegliche DJ-Kanzel einbauen. Diese kann dann in die Mitte des Raumes gerückt werden. „Boiler-Room Style eben“, wie Marcel Stahl erklärt. Die internationale Partyreihe ist bekannt dafür, dass das Publikum hinter den DJs steht und ihnen beim Auflegen auf die Finger schauen kann.

Neben der DJ-Fläche soll es eine Lounge geben, die Gäste für besondere Anlässe mieten können. „Das wird aber kein VIP-Bereich“, betont Florian Lutz. An der Decke planen sie eine große Discokugel aufzuhängen – wie groß sie sein wird, darüber diskutiert das Trio noch. „Wegen mir kann sie einen Durchmesser von zwei Metern haben“, sagt Nils Vrabac.

Nach dem Eingang soll ein Bereich mit Bar, Garderobe und Sitzgelegenheit entstehen. Foto: Andreas Essig

Rock, Pop, Hip-Hop und Techno

Beim Musikkonzept sind sie sich jedoch einig: bis vier Veranstaltungen pro Woche mit wiederkehrendem Programm. „Es soll für alle etwas dabei sein“, erklärt Nils Vrabac. Ein Rock-Abend sei fest eingeplant. Ebenso eine wiederkehrende Hip-Hop-Party, eine Veranstaltung mit gemischter Musik und Pop sowie eine Techno-Reihe. Gerade dafür sei die Location prädestiniert. „Wir haben sofort an ein schwäbisches Berghain gedacht“, sagt Stahl. Der Berliner Club, der in einem ehemaligen Heizkraftwerk liegt, ist berühmt für seine Techno-Partys und seine strenge Türpolitik.

Doch in Ludwigsburg soll jeder willkommen sein. „Wir können uns auch eine günstige Studentenparty unter der Woche vorstellen“, sagt Florian Lutz. Auch eine Ü40-Party schließen die Betreiber nicht aus. Generell soll der Eintritt ab 18 Jahren sein, gelegentlich könnte es aber auch Events ab 16 Jahren geben, etwa eine „Schools-Out“-Party.

Musikalisch setzen die Betreiber vor allem auf lokale DJs. „Hier gibt es so viele talentierte Leute, denen wir eine Plattform bieten wollen“, sagt Nils Vrabac. Dann könnten die Eintrittspreise bei etwa 10 Euro liegen. Bei bekannten DJ´s werden sie dagegen teurer sein.

Die drei Freunde sagen, dass nach dem Wegfall vieler Clubs in Ludwigsburg wie der Rockfabrik, dem Pussycat-Club oder dem Pflaumenbaum das Nachtleben in Ludwigsburg praktisch Tod gewesen sei. Mit der „Alten Rösterei“ im Franck-Areal wollen sie das wiederbeleben.

Das Franck-Areal

Industriebrache am Bahnhof
Viele Jahre produzierte die Firma Franck Kaffee-Ersatz in den Gebäuden. Später wurde sie Teil des Nestlé-Konzern. 2020 kaufte die Stadt Ludwigsburg Teile des Areals. Darunter das Gebäude mit dem Rundturm, in das nun der Club einziehen soll.

Stadt plant große Investition
Auch andere Gebäude auf dem Gelände sollen wiederbelebt werden. Die Stadt Ludwigsburg plant in Räume für Gewerbe, Kultur und Wohnen zu investieren und zu vermieten. Daneben soll eines der Gebäude zu einer neuen Bahnhofshalle „West“ umgebaut werden.