Nachtleben am Schlossplatz Stuttgarter meiden die Innenstadt

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Die Wirtin vom Waranga hat von Pöbeleien und Schlägereien am Kleinen Schlossplatz berichtet. Viele Stuttgarter stimmen ihr zu und fordern die Politik auf, endlich etwas zu unternehmen.

Die Freitreppe am Schlossplatz ist eine beliebte BühneFoto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - „Stuttgart, was ist aus dir geworden?“ Damit haben sich auf Facebook weit mehr als 300 Nutzer auseinandergesetzt. Anlass war der Artikel in unserer Zeitung, der die Zustände auf dem Kleinen Schlossplatz beschrieb. Die Waranga-Wirtin, Melanie Matzen, die dramatische Zustände an den Wochenenden schilderte, bekam praktisch nur Zuspruch. Mit einer „Event- und Partyszene“ hätten jene Gruppierungen, die auf dem Schlossplatz die Passanten anpöbeln, nichts zu tun, urteilen die meisten. Die Schuld geben sie der Politik. Ein Fazit: „Als alteingesessener Stuttgarter kommt man sich in der eigenen Stadt weder gehört noch erwünscht vor.“

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Traurig und wütend über den Zustand der Stadt

„Der aktuelle Zustand in unserer Stadt stimmt nachdenklich, macht traurig und wütend. Warum schauen die Verantwortlichen in unserer Stadt mit einer Geduld zu, die der Entwicklung nicht gerecht wird?“, schreibt unsere Leserin Cordula Nemelka in einer „Frust-Mail“ an die Redaktion. Ihr Freundeskreis verzichte schon seit langem auf den Freitag- oder Samstagabendbesuch im Restaurant Oggi. Bereits vor Corona sei es nicht mehr mit gutem Gefühl möglich gewesen, den Weg über den Kleinen Schlossplatz zum Parkhaus zu nehmen. Und jetzt sei das gänzlich unmöglich. Die Konsequenz: „Unser Besuch im Städtle findet nicht mehr am Wochenende statt.“

Unser Leser Frank Maier ist früher mit seinem Mann regelmäßig mit der Stadtbahn in die City gefahren. „Wir sind beide Mitte fünfzig und fühlen uns bei der Einbruch der Dunkelheit in der Stadtmitte unwohl“, schreibt er an die Redaktion. „Das liegt sicher auch daran, dass wir ein schwules Paar sind, und Menschen mit Migrationshintergrund (zumindest die Gruppe, die von der Waranga-Wirtin beschrieben wird) häufig homophob sind. Nun werden wir auch unsere Jahresabonnements der SSB kündigen, da wir diese kaum mehr nutzen.“

Beide Leser wie auch viele Kommentatoren im Netz halten eine reine Polizeipräsenz für keine Lösung des Problems. Stattdessen fragt Cordula Nemelka: „Wo sind hier die von uns gewählten Politiker mit Lösungsvorschlägen? Wo ist Herr Nopper? Dem Stuttgart anscheinend so am Herzen liegt.“

Verweilverbot wird geprüft

Von der Pressestelle im Rathaus kam auf die Anfrage unserer Redaktion als Antwort: „Landespolizei und Stadt prüfen, ob die Voraussetzungen für ein Verweilverbot im Bereich Kleiner Schlossplatz vorliegen. Wegen der angrenzenden weiteren Flächen ist der Kleine Schlossplatz nicht per se mit Marienplatz und Feuerseeplatz vergleichbar.“

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