Vorne: Matthias Klink als Mao, Gan-ya Ben-gur Akselrod als Chiang Ch’ing; hinten: Jarrett Ott als Chou En-lai (li.), Michael Mayes als Nixon (Mitte), Chor Foto: Matthias Baus

So lange hat das Stuttgarter Publikum an der Stuttgarter Oper lange nicht mehr geklatscht: Die erste Oper des US-amerikanischen Komponisten John Adams von 1987 macht auch heute noch große Wirkung – wenn sie so gut gemacht ist wie hier.

Stuttgart - In der Regie von Marco Storman und dirigiert von André de Ridder hat John Adams’ Oper über die erste China-Reise eines amerikanischen Präsidenten am Sonntagabend das Publikum in Stuttgart begeistert. „Nixon in China“ ist nicht nur ein Stück, dessen Protagonisten sich zunehmend in einer Traumwelt verlieren, sondern außerdem eines, das seine Zuhörer mit pathetischen Klangballungen packt und auf die Dauer in den Sog der variierten musikalischen Wiederholungen hineinzieht. Der Regie gelingen zauberhafte und kluge Bilder – bis hin zum letzten Akt, in dem die Akteure vollends die Bodenhaftung verlieren und die Orchesterklänge nur noch vom Band eingespielt werden. Getragen wird der Abend von den beiden starken Kollektiven des Hauses, dem Staatsopernchor und dem Staatsorchester. Und Kontur erhält er durch die Sänger, die sich – vor allem im riesigen Raum des orchestral wuchtigen ersten Aktes – sängerisch verausgaben und darstellerisch hingeben. Michael Mayes als Nixon, Matthias Klink als Mao, Katherine Manley als Pat Nixon, Shigeo Ishino als Kissinger und Jarrett Ott als Cho En-lai hätte man passender nicht besetzen können. Man muss sich einlassen auf dieses Stück. Wer’s tut, kann es genießen.

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