Olga Busuioc als Elisabeth (re.), Ksenia Dudnikova als Eboli in Stuttgart Foto: Matthias Baus

Als erste Premiere der Saison hat Lotte de Beer Verdis „Don Carlos“ an der Staatsoper Stuttgart inszeniert. Dirigent war Cornelius Meister. Es wurde ein Abend der gebrochenen Herzen, Szenen und Figuren.

Stuttgart - Nach fast fünf Stunden bilderprallen Musiktheaters mischten sich am Ende zahlreiche Buhs in den Premierenjubel. Sie richteten sich nicht gegen die Sänger, die Verdis Schiller-Oper meist gut bis sehr gut sangen und sich auch darstellerisch verausgabten. Auch gegen das von Cornelius Meister sicher geleitete Staatsorchester oder gegen den von Manuel Pujol exzellent einstudierten Staatsopernchor richtete sich der Unmut nicht. Nein, gemeint waren die junge niederländische Regisseurin Lotte de Beer und ihr Ausstatter Christof Hetzer, die „Don Carlos“ in einer fünfaktigen französischsprachigen Fassung als Dystopie einer von Macht korrumpierten Gesellschaft erzählen: Kein Charakter, keine Szene bleibt ungebrochen, und der Titelheld hält sich fast durchgehend außerhalb des meist leeren, dunklen Spielraums auf. Die Rettung, die Verdi noch möglich macht, ist bei de Beer keine Option. Ein guter, weil schlüssig erzählter Abend, aber kein Opernerlebnis zum Glücklichwerden. Ob es die Kulinariker waren, die sich da beschwerten? Dieser „Don Carlos“ gibt nicht nur viel zu hören, sondern auch zu denken.

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