In Stuttgart kamen so viele Sterneköche wie sonst nie zusammen: Über eine funkelnde Nacht, den Abschied vom großen Sven Elverfeld – und wo Köche in Stuttgart essen gehen.
Ob es genau 275 Sterneköche waren? So genau weiß man es nicht. Es waren auf alle Fälle so viele, wie sonst eigentlich nie an einem Ort und Abend zusammenkommen. Alle zwei Jahre findet während der Intergastra-Messe im Mercedes-Benz-Museum die „Nacht der Sterne“ statt.
Und wie der Titel schon sagt, geht es glamourös zu: weiße Kochjacken für die ausgezeichneten Köchinnen und Köche, Danksagungen und Sonderpreise – und natürlich Champagner und Kaviar. Und mittendrin Rolf Straubinger, der mit seiner Brigade von Burg Staufeneck für die Gäste 5500 Teller in zweieinhalb Stunden rausschickte.
Bei den Sterne-Awards belegten die Restaurants Jan in München und die Schwarzwaldstube in Baiersbronn gemeinsam Platz eins. Nach den beiden Erstplatzierten reihen sich folgende Top-Restaurants auf den Plätzen drei bis zehn in das Ranking ein:
3. Victor’s Fine Dining by Christian Bau, Perl
Waldhotel Sonnora, Clemens Rambichler, Dreis
5. Aqua im Hotel The Ritz-Carlton Wolfsburg, Sven Elverfeld & Rutz Restaurant
Marco Müller, Berlin
7. schanz.restaurant., Thomas Schanz, Piesport
8. The Table – Kevin Fehling, Hamburg
9. Bareiss – Hotel Bareis, Claus-Peter Lumpp, Baiersbronn
10. Haerlin – Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten, Christoph Rüffer, Hamburg
Das Ranking basiert auf Bewertungen der wichtigsten Restaurantführer im deutschsprachigen Raum: Ausgewertet wurden der Guide Michelin 2025, Gault&Millau 2025, Gusto 2026, Der Feinschmecker sowie Die 500 besten Restaurants in Deutschland 2025 und der Falstaff Restaurant & Gasthaus Guide Deutschland 2026.
Auch wenn die beiden Erstplatzierten verhindert waren, so war der Auflauf an Sterneköchen enorm. Auch ein, zwei Frauen konnte man dazwischen erspähen.
Sonderpreis an die Hausherren
Rolf Straubinger und seine Crew vom Burghotel Staufeneck haben geladen – und liefern eine Lehrstunde darin, wie Spitzengastronomie im Großformat funktioniert: Kartoffel-Piroggen mit schwarzem Trüffel, Eigelb und Nussbutter. Daneben schwäbische Backe „schwarz-sauer“, tief, glänzend, mit Hefeknöpfle und Steckrüben. Zwischen Sponsorenlogos und Edelprodukten wird ordentlich aufgekocht.
Der Sonderpreis ging an die Hausherren selbst: an Rolf Straubinger und Klaus Schurr, die gemeinsam mit der ahgz das Format gegründet und entwickelt haben.
Es gibt aber auch einen zweiten Moment, der bleibt, als Sven Elverfeld im Rund des Museums von so vielen Kollegen Tribut gezollt wird. Erst letzte Woche hatte der Drei-Sterne-Koch verkündet, dass er das Aqua in Wolfsburg schließen wird. Ein Großer verlässt die Gastrobühne. Auf eben jener stockt ihm am Montagabend auch mal die Stimme: „Es ist nicht einfach.“ Und er berichtet von den Anfängen in Wolfsburg im Januar 2000: ein junger Koch, Hotelschule, Kontakte über Freunde, ein erstes Treffen am Frankfurter Flughafen. Als Warteschleife für Wolfsburg war er in Dubai. Dann das Aqua, in dem er drei Jahre sieben Tage die Woche arbeitete, mittags und abends Service, drei Jahre Hochdruck – bis der erste Stern kam.
Was folgte, ist heute deutsche Kulinarikgeschichte: Seit 17 Jahren hält Elverfeld dort drei Michelin-Sterne. Besonders stolz darauf ist er auf die große Anzahl an Köchinnen und Köche, die aus seiner Kaderschmiede hervorgingen – von Jan Hartwig über die Sühring-Brüder bis Alina Meissner-Bebrout. Gefragt nach seinem prägendsten Moment, nennt er ohne Pathos, als der Anruf kam, bei dem ihm mitgeteilt wurde, dass er den dritten Stern bekommt.
Martin Klein erinnert sich an seine Zeit in der Wielandshöhe
Ein Moment, an den sich auch Christoph Rüffer aus dem Haerlin in Hamburg und Tohru Nakamura aus München noch sehr gut erinnern können. Beide sind neu in der Riege der Drei-Sterne-Köche – und in Stuttgart bei der glanzvollen Gala dabei.
Wie so viele andere: Martin Klein etwa aus dem Ikarus im Hangar 7 in Salzburg erinnert sich gerne an seine Stuttgarter Zeit. Drei Jahre lang war er Sous Chef in der Wielandshöhe.
Wo Köche in Stuttgart essen gehen
Spannend zudem auch, wo Köche und Gastgeberinnen essen gehen, wenn sie in Stuttgart sind: Clemens Rambichler und die Herren Stemberg kehrten bei dem Italiener Da Nello in Feuerbach ein, Ali Güngörmüs war in der Wielandshöhe zu Gast, Sven Elverfeld kehrte in der Speisemeisterei in Hohenheim ein und Ilona Scholl aus dem Tulus Lotrek freute sich an den Bistro-Gerichten im Restaurant Im Künstlerhaus.