Jonas von Stockhausen, aufgewachsen in Buoch, schafft am 24. September in der Dorfkirche mit Lasertechnik virtuelle Räume – und er lässt Glühwürmchen tanzen.
Ohne Rauch, Nebel oder Dunst geht rein gar nichts: Ohne sie bliebe Jonas von Stockhausens Kunst schlicht unsichtbar. Denn der in Remshalden-Buoch aufgewachsene Ingenieur, der im Nebenberuf leidenschaftlich gerne Lichtkunst macht, arbeitet bei Veranstaltungen viel mit Laserstrahlen. Und diese werden für das menschliche Auge nur dann sichtbar, wenn sie auf eine Oberfläche stoßen, die sie reflektiert, beispielsweise auf Partikel in der Luft.
Also wird Jonas von Stockhausen am kommenden Samstag, 24. September, bei der Nacht der offenen Kirchen den Innenraum der Sankt-Sebastian-Kirche in der Stuifenstraße in Buoch kräftig einnebeln, bevor er den altehrwürdigen Bau mit der Hilfe von drei Lasern und einem Computer in ein ganz ungewohntes, zauberhaftes Licht rückt.
„Licht-klang“ mit Orgelmusik und Wein
Um 19 Uhr beginnt dort die Veranstaltung „Licht-klang“, bei der es neben den Laserimpressionen fürs Auge ruhige Musik aus der Konserve sowie Livemusik von der Orgel für die Ohren und Wein für den Gaumen geben wird. Zwischendurch lässt Jonas von Stockhausen im Gotteshaus die Glühwürmchen tanzen: „In der Pause wird die ganze Kirche mit grünen Punkten ausgekleidet.“
Derzeit feilt er aber noch an den letzten Details seiner Choreografie, mit der er in der dann abgedunkelten Kirche einen virtuellen Raum erschafft: „Ich habe dabei versucht, den kirchlichen Kontext zu bewahren, zu poppig darf die Lasershow nicht werden.“ Beim Electrique-Baroque-Festival in Ludwigsburg, der Durchschlagsfeier des Projekts Stuttgart 21 oder dem Hip-Hop-Event Splash-Festival bei Dessau, wo er beispielsweise ebenfalls aktiv war, musste Jonas von Stockhausen weniger zurückhaltend sein.
Seine Begeisterung für das Thema Laser geht bis zurück in die Schulzeit – in den Physikunterricht. „Dieses ganz besondere Licht, dieses leuchtende Etwas, das in der Luft steht und mit dem man virtuelle Dinge erschaffen kann, hat mich schon damals fasziniert“, sagt Jonas von Stockhausen. Im Alter von 16 Jahren hatte er auf einer Hobby- und Elektronikmesse seine erste kleine Laserröhre gekauft, mit dieser gleich mal sein Wissen aus dem Schulunterricht angewandt und mit Spiegeln getüftelt.
Die Eingangshalle hat er mit Räucherstäbchen eingenebelt
Nach und nach kamen größere Laser hinzu, die Jonas von Stockhausen dann für Experimente im Eingangsbereich seines Elternhauses nutzte. Mangels einer Nebelmaschine griff der junge Mann damals zu einer naheliegenden Alternative: „Die Halle habe ich mit Räucherstäbchen eingenebelt, um die Laserstrahlen sichtbar zu machen“, erzählt er. Es folgten Einsätze bei diversen Schuldiscos, und da Jonas von Stockhausen Erspartes überwiegend in die Ausrüstung steckte, wuchs diese ständig an.
Laser kommen in vielen Bereichen zum Einsatz
Während seines Studiums hat er dann schon größere Veranstaltungen und Partys mit Lichteffekten aufgepeppt. Bei der Wahl seiner Studienfächer hat das Lieblingshobby natürlich auch eine Rolle gespielt: Er entschied sich für den Studiengang Maschinenbau und Optoelektronik und spezialisierte sich auf die Lasertechnik. Diese spielt auch in ganz anderen Bereichen eine wichtige Rolle, beispielsweise bei Messgeräten oder so alltäglichen Gegenständen wie einer Fernbedienung für den Fernseher. „Die Anwendung von Lasern ist sehr breit gefächert“, sagt Jonas von Stockhausen, der bisher hauptsächlich als Softwareingenieur für Firmen in der Leder- und Textilverarbeitung tätig war. Der Laser wird in dieser Branche dazu genutzt, Konturlinien von Schnittmustern auf Leder oder Stoff zu projizieren und dabei die Einzelteile wie bei einem Puzzle so zu arrangieren, dass beim Ausschneiden möglichst wenig Abfall entsteht. Das nutzt Schuhherstellern und Polstermöbelproduzenten ebenso wie etwa der Firma Rolls-Royce, die Lasertechnik in der Produktion der ledernen Autositze anwendet.
Der Abend in der Buocher Kirche ist ein Heimspiel für Jonas von Stockhausen, schließlich war er dort unzählige Male, und die Fenster der Kirche hat sein Vater Hans Gottfried von Stockhausen erschaffen. Auch seine Mutter Ada Isensee ist Glaskünstlerin und arbeitet mit Licht wie der Sohn, allerdings nutzt sie dessen natürliche Variante.